Ein halber Italiener – Buick Riviera 1968

Wer in den Sechzigern luxuriös und sportlich reisen wollte, der landete nicht selten bei einem Buick Riviera. Zumindest die Erbauer waren von seinem mediterranem Charme überzeugt

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Mensch und Maschine: Dennis Köhlerist der stolze Besitzer des gelben Donnervogels

Wenn Dennis Köhler mit seinem Sohn Luis in seinen 1968er Buick Riviera einsteigt, dann strahlt der Kleine wie ein Honigkuchenpferd. Und das, obwohl er nur auf der Rückbank des zweisitzigen Coupés in seinem Kindersitz Platz nehmen darf. Viel sprechen kann Luis mit seinen zwei Jahren zwar noch nicht, einen Namen für den Riviera hat er dennoch schon verinnerlicht: “Donnervogel”.

Es genügt, wenn Vater Dennis diesen Namen ausspricht und Luis weiß: Es geht wieder auf große Fahrt.

Der Name ist dabei auch mehr als treffend für den Riviera, denn sein 7,1-Liter-V8 mit 365 SAS-Pferden geht mit einem mächtigen Drehmoment zu Werke, wenn man ihn lässt.

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Ein amerikanischer Kraftprotz wie der Riviera macht eben Kinder froh, und Erwachsene ebenso. Auch unser Herz schlägt höher, als der knallgelbe Riviera – begleitet von einem tiefen Grummeln – aus der Garage hinaus auf den Hof rollt. Damit der mehr als fünfeinhalb Meter lange Wagen in seine Garage passte, hat Köhler diese zusammen mit seinem Schwiegervater sogar verlängert. Ein Dickschiff macht eben erfinderisch.

Ein Yankee mit italienischem Charme

“Wouldnt you really rather drive a Buick?” Mit dieser Frage lockten die Werber hunderttausende Kunden in die Verkaufsräume der Buick-Händler. Das klappte  auch beim Riviera. In einem Werbespot von 1966 wurde der Riviera gar als amerikanisches Luxuscoupé angepriesen, das sich auch mit italienischem Autodesign messen könne. Eine blechern klingende Stimme verkündete in einem einminütigen Spot: “Die Italiener sind bekannt für ihre schönen Autos… Jetzt haben sie einen Grund, ein ausländisches Auto zu bewundern… den  1966er Buick Riviera.”

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Die Bewunderung aus Europa blieb jedoch aus, das belegen die hiesigen Verkaufszahlen. Die Erfolgsgeschichte des Rivieras wurde einzig in Amerika geschrieben. Dort, auf den breiten Highways, fühlt sich das Luxuscoupé mit seinen Abmessungen auch erst richtig wohl. In italienischen Städten hingegen würde der Riviera vermutlich zwischen zwei Vespa-Rollern in den engen Häuserschluchten hängen bleiben. So wurden lediglich ein paar wenige Modelle im belgischen Antwerpen endgefertigt. Ein paar weitere Riviera wurden von General Motors in der Schweiz produziert. So auch das Exemplar von Köhler.

Luxus für die Masse

Doch nicht nur die schicke Coupéform war für ein amerikanisches Auto dieser Zeit revolutionär, auch mit seiner fortschrittlichen Technik lockte der nur als Zweitürer erhältliche Riviera unzählige Käufer. Denn im Gegensatz zu den luxuriösen Cadillac hatte man sich bei Buick der sportiven Fortbewegung ver-schrieben, ohne dabei auf ein Mindestmaß an Komfort zu verzichten.

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Aluminium-Bremstrommeln, Flachbandkabel und der sagenhaft kräftige V8 machten den Buick zum exzellenten Musclecar und zum Flaggschiff von General Motors. Nie wieder sollte der Riviera, der schon damals fast als Marke innerhalb der Marke gilt, solch einen Charme versprühen wie damals in den 1960 und 1970er Jahren. Bereits die dritte Baureihe mit dem spitz zulaufenden Boattail-Heck stieß auf ein geteiltes Echo. Die folgenden Baureihen   verkamen in den 80ern optisch zunehmend  – und das Design erreichte in den 90er Jahren bis hin zur Einstellung 1998 seinen endgültigen Tiefpunkt.

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Der Riviera ist somit auch ein weiterer tragischer Beweis dafür, dass neu längst nicht immer besser oder gar schöner ist.

Drehen wir die Zeit also wieder zurück ins Jahr 1968. Alleine von der zweiten Generation des Riviera zwischen 1966 bis 1970 wurden mehr als 227.000 Exemplare gebaut, doppelt so viele wie bei der ersten Generation. Der Riviera wurde somit ein Luxuscoupé für die Masse. Und auch Jahrzehnte später zieht der Spruch noch immer Interessenten von Musclecars an. Das macht die Preise, die für einen gut erhaltenen Riviera gezahlt werden, sehr variabel.

Ein echter Grand Tourismo

Die schicke Coupéform, die atemberaubende Heckansicht, der vulominöse und komfortable Innenraum und die geschickt im Kühlergrill integrierten Frontscheinwerfer wären nichts ohne den kräftigen V8-Motor, der unter der knapp drei Quadratmeter messenden Motorhaube beheimatet ist. Zusammen mit dem Super-Turbine-Automatikgetriebe verdient der Riviera die Bezeichnung Gran Turismo zu Recht. Drückt man das Gaspedal durch, schießt der Muskelprotz – trotz seines Kampfgewichtes von gut 1.900 Kilogramm – in knapp acht Sekunden von 0 auf 60 Meilen (0-96 km/h) – begleitet von einem mächtigen Drehmoment von 655 Newtonmetern, welches er aus seinen 7,1 Litern Hubraum schöpft.

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Kraftwerk: Der 7,1 Liter V8 Motor beschert dem Buick Riviera 655 Nm Drehmoment und eine Beschleunigung von 0 auf 60 Meilen in knapp 8 Sekunden

Wem jetzt und angesichts dieser perfekten Mischung aus Fahrspaß und Sportlich- keit das Grinsen noch nicht ins Gesicht geschrieben steht, dem ist nicht mehr zu helfen.
Luis hat das schon längst verstanden.

BUICK RIVIERA 1968
Motor: V8
Hubraum: 7,1 Liter
max. Drehmoment: 655 Nm
Getriebe: Automatik
Leergewicht: 1.900 kg
Höchstgeschwindigkeit: ca. 200 km/h
Beschleunigung: 0-96 km/h in knapp 8 Sekunden
Leistung: 365 PS (SAE)
L/B/H: 5.466/2.002/1.351 mm
Antrieb: Hinterrad
Besonderheiten: Historische Buick GSX-Lackierung, in der Schweiz gebaut
Bilder: Malte Ruhnke

2 Gedanken zu “Ein halber Italiener – Buick Riviera 1968

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