Schätzleins Kiste – 57er Corvette C1

Für einen Kunden suchte der Chef von Classic Cars Schätzlein aus Ebelsbach eine gute 57er Corvette in den USA. Was er fand, war eine der Besten

Einsteigen, losfahren: die restaurierte C1 kurz nach der Fertgstellung. Hier ist das ebenfalls voll restaurierte Hardtop montiert

Heinz Schätzlein hat ja schon so einiges erlebt. Unter anderem natürlich massenhaft “Blender” – wunderschön lackierte Amis, die sich bereits auf den zweiten Blick als gut verpackter Schrott outeten. Aber diesmal bekam er den Mund nicht zu: Da stand er doch bei einem Händler in Costa Mesa (Kalifornien)  vor einer rot-weißen Corvette, Baujahr 1957, und der akribische US-Car-Spezialist fand fast keine Fehler – der Fund war ein echter Schatz. Schätzlein, Chef von CCS (Classic Cars Schätzlein): “Hier habe ich gleich gesehen, dass keine Kosten und Mühen gescheut wurden, um aus dem Wagen wieder einen ‚Head-Turner’ zu machen…”. Klar kaufte er den Wagen – im Auftrag eines Kunden.

“Als ich erstmals bei dem Händler in Costa Mesa anrief – weil mir ein Freund verraten hatte, dass dort eine gute Corvette stehen soll – wurde mir sogar auf Deutsch geantwortet. Das kenne ich eigentlich nicht bei der Suche nach Autos in Amerika,” erinnert sich der Ebelsberger. Was ihn umwarf, war die perfekte Restaurierung von Charlie Speck.

Bis Speck selbst vor einiger Zeit die C1 mit dem 245 PS starken 4,6-Liter-V8 mit nach Hause nehmen konnte, hatte der Chevy eine bunte Vergangenheit. Die begann eigentlich traurig: Zunächst wollte niemand die Vette haben. Gebaut im Jahr 1957, stand der Wagen volle zwei Jahre unverkauft beim Händler. Dann erbarmte sich Richard Watson aus Chesire, Connecticut – der junge Mann war gerade 19 Jahre alt. Den Kaufpreis lieh er sich von seinem Vater und schaffte es später tatsächlich, ihm die Summe zurückzuzahlen. Allerdings musste das Auto aus versicherungstechnischen Gründen zuerst auf den Vater zugelassen werden. Erst 1964 konnte Watson junior den Titel übernehmen.

Watson war regelrecht vernarrt in das Auto – erst 1990 musste er sich von ihm trennen. Ein Freund seines Nachbarn namens Greg Scoville – schon lange an dem Wagen interessiert – übernahm das gute Stück, weil Watson wahrlich klamm war. Die Corvette hatte aber inzwischen gelitten: Die Farbe war teilweise verblasst, der Lack an einigen Stellen rissig. Die Räder hatte Watson irgendwann von 15 auf 14 Zoll umgerüstet, den Original-Kühler mit dem eines 58er Chevy getauscht.

Egal – Scoville hatte neun Jahre Spaß an dem Auto. Dann zwang Geldmangel auch ihn in die Knie – 2009, zu Zeiten der Finanzkrise, verkaufte Scoville den Wagen an den Händler Gary Beers in Lawrenceburg, Indiana. Nur kurz spielte Beers mit dem Gedanken, die C1 zu restaurieren, da kam Charlie Speck aus Running Springs, Kalifornien, und nahm den Wagen im April 2010 mit. Und machte sich an die Arbeit.

Bei der Restaurierung von Nr. E57S103022, Motornummer E3IIFG, GM3731548, wurde nicht gespart. Selbstverständlich wurde die Karosserie vom Rest getrennt, der Rahmen sandgestrahlt und neu lackiert. Motor, Getriebe und Antriebsstrang samt Radaufhängungen, Blattfedern, Leitungen und Kugelgelenken wurden komplett überarbeitet oder, wo nötig, mit Originalteilen ersetzt. Das gilt genauso für alle Nebenaggregate wie Lichtmaschine, Anlasser oder Wasserpumpe. Die Karosserie wurde vollständig abgeschliffen, neu überzogen, grundiert und lackiert – nachdem alle Unebenheiten und Beulen entfernt waren. Dabei achtete Charlie Speck akribisch genau darauf, dass nur Originalfarbtöne aus dem Jahre 1957 verwendet wurden.
Um das Soft-Top kümmerten sich aushäusige Experten. Das Gestänge wurde von einem Fachmann in Arizona überholt, das Verdeck musste erneuert werden. Selbst das Hardtop erhielt eine komplette Kur – oftmals wird es nicht mitrestauriert, weil es ja doch meistens unterm Garagendach hängt und selten benutzt wird.

Auch innen wurde nicht an Arbeit gespart, begonnen bei neuen Gummidichtungen an Türen, Scheiben, Kofferraum und Motorhaube. Selbst die Sitze wurden mit Originalmaterial von 1957 wieder aufgebaut.

Es dürfte Charlie Speck nicht leicht gefallen sein, das nun wieder wunderschöne Auto nach Costa Mesa, Kalifornien, zu verkaufen – das kann nur über den Preis passiert sein, über den alle Beteiligten allerdings Stillschweigen bewahren. Immerhin eineinhalb Jahre hatte Speck an der Corvette gearbeitet.

Dass seine Arbeit gut gewesen sein muss, bewies allein schon das Interesse des Costa-Mesa-Händlers – denn der Mann versteht seinen Job nun wirklich: Er ist Punktrichter bei der National Corvette Restorers Society.

Information:
Classic Cars Schätzlein
An der Lohwiese 8
97500 Ebelsbach
Tel. 0160-94918393
www.classic-cars-schaetzlein.de

Bilder: Classic Car Schätzlein

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