Wir werden die letzten sein

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Wie werden die Autobahnen von morgen aussehen? Vielleicht verwaist, vielleicht voller Smarts und Twizzys, oder vielleicht werden sie zu Grünflächen umgestaltet sein. Eine leicht melancholische Zukunftsaussicht

Werfen wir einen Blick in die Zukunft des Automobils. Stellen wir uns vor, dass kein Mensch mehr Kraftfahrzeuge mit Brennstoffantrieben braucht. Die Technologie ist überholt, Alternativen wurden erfunden, sauber und grün, leise und erneuerbar. Es gibt keine Staus mehr. Keine Verkehrstoten, keine Parkhäuser, keine Blitzer, keine Politessen. Vielleicht werden wir in Taxis steigen, die durch windige Straßenschluchten fliegen wie einst in dem Film „Das fünfte Element“, vielleicht werden wir uns grüppchenweise in führerlosen Großraumvehikeln durch die Gegend bewegen. Absehbar ist zumindest, dass uns das Lenken und Denken irgendwann abgenommen wird: Wir werden in Auto-Autos sitzen, die viel klüger sind als wir. Die Auto-Autos bremsen allein, agieren allein, beschleunigen allein. Und wir werden alt sein und zueinander auf der Parkbank Sätze wie „Weißt du noch, als man in seinem Wagen noch selbst am Steuer saß? Das war cool.“ sagen. Natürlich benutzen nur noch Greise das Wort „cool“. Das sagt dann sonst keiner mehr.

Vielleicht werden dann einige von uns noch ein Fahrzeug aus der guten alten Zeit besitzen. So wie heute Menschen Pferde halten. Als Fetisch, als Relikt und Luxussymbol, als Kunstgegenstand. So wie es heute noch ewig Gestrige gibt, die Plattenspieler oder Röhrenradios zuhause stehen haben. Menschen, die abends mit einem Schraubenzieher daran herumprokeln oder in einem Sessel sitzen und dem kratzigen Klang einer Schallplatte lauschen oder dem blechernen Sound einer Wortsendung. Das sind die Leute, über die wir heute lächeln. Genau wie die Rentner, die sich für Dampfloks interessieren, Fotos von ihnen machen und in ein Album kleben. Freaks sind das. Und wir werden genauso seltsam anmuten. Wir werden mit weichen und faltigen Händen über Auto-Quartetts streichen und beim Duft von Benzin die Augen schließen. Wir werden die letzten unserer Art sein.

Aber noch ist es nicht soweit – und eine Sache tröstet, das ist ein Zitat von Robert X. Cringely, einer der Gründer von Apple. Der sagte nämlich: „Wäre die Entwicklung des Autos mit derselben Geschwindigkeit vorangetrieben worden wie die des Computers, würde ein Rolls-Royce heute 100 Dollar kosten, auf 100 Kilometer 2,3 Liter verbrauchen – und einmal im Jahr explodieren, wobei alle Insassen umkämen.“ Recht hatte der Mann. Aber mehr noch: Daran erkennt man, dass der Fortschritt manchmal langsamer voran schleicht, als man denkt. Ein beruhigender Gedanke.

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