Kaufberatung Range Rover Classic (Serie I) – Der grosse Lord

Der Range Rover ist einer der Urväter der “Sports Utility Vehicles”, kurz “SUV”. Dabei ist er seinen modernen Nachfahren in puncto Geländegängigkeit sogar oft überlegen. Längst sind Fahrzeuge der ersten Serie anerkannte Klassiker und dabei so zeitlos, dass sie noch heute eine sehr stilvolle Möglichkeit bieten, die ganze Familie standesgemäß zum abgelegenen Landsitz zu chauffieren – nicht nur in Großbritannien und nicht nur für aristokratische Landlords. Greifen Sie zu, denn billiger werden gute Ranges nicht …

Das passt: Charles Philip Arthur George Mountbatten-Windsor, Prince of Wales und Duke of Cornwall (oder kurz: Prinz Charles), soll einer der ersten Range-Besitzer gewesen sein. Viel Auswahl hatte der “ewige Prinz” mit ausgeprägtem Sinn für die Natur im Jahr 1970 auch nicht, wollte er seine Ländereien mit dem seinem Stand entsprechenden Komfort durchreisen. Der ungleiche Bruder des Range, der Land Rover, war eindeutig ein Grobmotoriker, dem die feinen Manieren des neuen Modells völlig abgingen. Genau aus diesem Grund hatte man den Range auch entwickelt, und man musste sich gewiss nicht sorgen, dass sich die beiden Geländewagenkonzepte selbst kannibalisieren würden. Dafür waren sie charakterlich einfach viel zu unterschiedlich. Bis 1981 war der Range ausschließlich als Dreitürer erhältlich (was das Entern der Rückbank nicht wirklich einfach machte), danach wurde er als Fünftürer angeboten. In England war der Dreitürer ab 1984 nicht mehr erhältlich, allerdings wurde er für den französischen Markt bis zum Produktionsstopp der ersten Serie weiter produziert.

Bei aller Noblesse und Wohlerzogenheit, die der Range an den Tag legt, darf eines nicht verschwiegen werden: Er ist als Benziner (und nur der steht ihm als Sammler- und Liebhaberfahrzeug angemessen zu Gesicht) ein hemmungsloser Trinker. Ganz gleich, ob in jungen Jahren – als er noch mit dem “kleinen” 3,5-Liter-Vergaser-V8 von Rover ausgestattet war – oder später mit dem leistungsstärkeren 3,9-Liter oder zum Schluss mit dem 4,2-Liter-Einspritzer mit Kat: unter 15 Litern auf 100 Kilometer geht nichts. Und bei forcierter Gangart genehmigen sich alle Benziner zum Teil auch deutlich über 20 Liter teuren Super-Saft. Da mögen die ab 1986 angebotenen Selbstzünder mit 2,4 Liter und später 2,5 Liter Hubraum in der Praxis natürlich durchaus vernünftiger erscheinen – aber möchten Sie in einem noblen Range Rover wirklich mit Vierzylinder-Vorkammer-Schüttelhubern mit zwischen 86 und 113 PS unterwegs sein, nur weil die weniger verbrauchen? Falls ja, ist ein klassischer Range vermutlich sowieso nicht das richtige Auto für Sie. Weshalb wir auf diese Motorvarianten hier auch nicht näher eingehen werden.

Äußerlich hat sich am Range Rover bis auf ein dezentes Facelift (neue Kühlergrillgestaltung) im Jahr 1986 kaum etwas geändert, die Grundform blieb sogar bis zur heutigen dritten Serie erhalten – ein deutlicher Beleg für die Zeitlosigkeit des schlicht-eleganten Designs. Als Fotomodell haben wir ganz bewusst einen der letzten Erstserien-Ranges gewählt, einen scheckheftgepflegten 1994er 4,2 LSEi Vogue, der als “full options”-Fahrzeug mit allem aufwartet, was das Luxusfahrerherz begehrt. Nein, modernen Spielkram wie einen Navi-Festeinbau, “coming-home-light”, Regensensor oder ein Head-Up-Display hat dieses Modell altersbedingt noch nicht, es stammt schließlich aus dem letzten Jahrtausend. Aber Sie suchten ja auch einen echten Klassiker.

Dem es allerdings an wirklich brauchbaren Goodies nicht mangelt: ABS hat der Range natürlich, Servolenkung und Automatik auch, ebenso (vorn beheizte und elektrisch einstellbare) Ledersitze, Tempomat, ein elektrisches Glasschiebedach sowie eine Klimaanlage und in diesem Fall sogar eine Luftfederung (mehr dazu in der Detailbetrachtung).

Dazu schmeicheln zahlreiche Wurzelholzapplikationen den Augen und der samtweich laufende V8 den Ohren. Das Auto mit der sagenhaft geringen Laufleistung von erst 118.000 Kilometern ist im Angebot des Hamburger Oldtimerhandels “Classicon” zu finden, dessen Inhaber Stephan Arensmeier sich als persönlicher Range-Fan und -Kenner outet. Weshalb er in seinem markenübergreifenden Fahrzeugbestand überdurchschnittlich oft Range Rover führt. Gerade stehen auch zwei frühere Low-Mileage-Modelle von 1979 und 1981 zur Auslieferung bereit, ein weiterer 3,9 SEi ist im Vorlauf.

Während man unser bald 20-jähriges Fotomodell innen und außen durchaus noch für einen aktuellen Geländewagen halten könnte, merkt man dem Interieur der beiden Früh-Werke doch an, dass sie tatsächlich bereits “historisch” sind. Dafür sorgen ein kargeres Armaturenbrett, einfachere Sitze, hinten ohne Kopfstützen, und an der Fond-Rückenlehne noch mit lackiertem Blech verkleidet, auf das man in umgeklapptem Zustand ohne Zögern einen waidmännisch erlegten Hirschen legen würde. Doch keine Sorge, vom raubauzigen Land Rover trennen auch diese Autos komfortmäßig noch Welten, und der Vorteil ihrer mehr als 30 Lebensjahre ist natürlich das steuermindernde H-Kennzeichen, denn einen Kat haben diese beiden Ranges nicht. Und Steuern darf man auch als Angehöriger der automobilen Upper-Class gern sparen wollen.

Gibt es nicht bei so viel Licht (und Lob) wegen der Gediegenheit und des kommoden Reisegefühls auch sonst noch Schatten – außer dem Durst? Doch, gibt es, denn gemessen an den äußeren Proportionen ist das Platzangebot im Range nicht wirklich üppig. Ab 1992 wurde mit dem LSE eine Variante mit einem Radstand von 108 statt 100 Zoll angeboten. Der Raumgewinn kam vor allem den Fondpassagieren zugute. Okay, quetschen muss man sich auch im “kurzen” Range nicht, weder vorn noch hinten, aber Raumökonomie zählt nicht gerade  zu den Stärken des Edel-Allradlers.

Doch das ist schon wieder eine “Vernunftsdiskussion”, und der wollten wir uns bei diesem Klassiker ja nur begrenzt öffnen. Allerdings wäre da noch etwas, das Liebhaber weitaus mehr stören wird: Rost. Zwar besteht der überwiegende Teil des Aufbaues Land Rover-typisch aus Aluminiumblechen, doch es gibt Verbindungen zu herkömmlichen Stahlwerkstoffen, an denen es zu Kontaktkorrosion kommen kann.

Das Chassis besteht ebenfalls nur aus gemeinem Stahl, und der ist hier vor der braunen Pest weniger geschützt als man sich wünschen würde. Schließlich lauern bei Ranges mit hoher Laufleistung und Wartungsstau kostspielige Reparaturen an der Mechanik und bei Verschleißteilen, die wiederum problemlos und großenteils auch günstig zu bekommen sind. Am Ende machts oft der Arbeitslohn teuer.

Billig war Range-fahren übrigens nie, auch wenn die Autos mit ihrem kantigen Charme zurzeit (noch) relativ preiswert zu bekommen sind. Unser Foto-Fahrzeug soll knapp 16.000 Euro kosten, was angesichts der geringen Laufleistung und des guten Zustands sicher nicht überteuert scheint. Denn perfekte Exemplare gerade der letzten Serie durchbrechen inzwischen öfter die 20.000 Euro-Schallmauer.

Der Range Rover Classic im Detail

Ein Gedanke zu “Kaufberatung Range Rover Classic (Serie I) – Der grosse Lord

  1. Hallo
    Haben einen scheunenfund gemacht range rover Cabrio bj. Ca.74-80 leider keine schlussel und Papier vielleicht kann mir einer helfen was sowas wert ist oder wer sich damit auskennt besten dank im voraus

    Ca

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