Es ist ein Shooting Brake! Nein, doch nicht!

avatar_6Geht es um Designbezeichnungen für Autos, kriegen sich die Menschen in Nullkommanichts in die Haare. Eigentlich lustig – wenn es nicht so verwirrend wäre.

 

Stellen wir uns einen SUV-Shooting-Brake-Cross-Urban-Cruiser vor. Schwierig? Eigentlich nicht. Man nehme einfach einen Jeep, ein Kombi und ein Coupé, mischt noch ein wenig Hatchback und Roadster hinein, kaut eine halbe Stunde darauf herum und pustet das Ergebnis mit einem Strohalm so lange auf, bis die Scheinwerfer leicht herausquellen. Fertig!

Nein, hier geht es eigentlich nicht um die Arbeit von Autodesignern oder Marketing-Abteilungen. Eigentlich geht es um den CLS Shooting Brake von Mercedes-Benz und darum, wie viele Menschen sich darüber mokieren können. „Das ist ja gar kein Shooting Brake“ heißt es, und in den einschlägigen Foren hacken die User wie Spechte auf ihre Tastaturen ein, um sich zu beweisen, woher der Name eigentlich wirklich in echt kommt. Der „Shooting Brake war dafür gedacht, eine Jagdgesellschaft samt ihrer Ausrüstung zur Jagd zu bringen.“ Ein Fuhrwerk zum Schießen gehen, salopp übersetzt. Mit der Bremse habe das nicht so richtig viel zu tun. Naja, irgendwie schon, denn als „Brakes“ bezeichnete man Fuhrwerke, die Pferde ausbremsten. Oder so ähnlich. Außerdem sei der „Shooting Brake (…) das erste SUV.“ Man beschießt sich mit der Information, dass es in den 60ern atemberaubende britische Shooting Brakes gegeben habe, „Aston-Martin-Derivate, die aber Einzelstücke blieben.“ Und „der erste in nennenswerten Stückzahlen gebaute Shooting Brake wäre 1971 der Volvo P1800 ES“, besser bekannt als „Schneewittchensarg“. Und nur der Reliant Scimitar sei ein wirklicher Shooting Brake. Der Jensen und wahrscheinlich auch der Scirocco. Und der CLS schon einmal gar nicht. Andere halten dagegen, dass es doch nur darum ginge, eine Mische aus Coupé und Kombi zu bezeichnen, es sei lediglich ein Designmerkmal, das gar nichts mehr mit der Jagd zu tun habe. Ach so.

Wobei wir dann ganz schnell beim SUV angelangt wären, da klaffen Bezeichnung und Benutzung auch ein wenig auseinander. Den SUV, also das „Sport Utility Vehicle“ darf man zudem auch nicht mit SAVs verwechseln, das sind nämlich Sportaktivitätsfahrzeuge und keine Sport – ähm, sagen wir vielleicht – Sportlichekinderinsladevehikel.

Ach, seien wir doch ehrlich. Eigentlich lernen wir nichts aus dieser ganzen Bezeichnungs-Orgie. Name ist Schall und Rauch. Das schrieb Goethe übrigens in dem Jahr 1808. Der Satz davor lautet „Gefühl ist alles“. Hatte er auch nicht ganz unrecht.

2 Gedanken zu “Es ist ein Shooting Brake! Nein, doch nicht!

  1. Das sehr praktisch gebaute Fahrzeug ist als Mercedes eine wirklich gute Idee. Daß der Wagen ein weniger hohes Dach als die Mercedes R-Klasse hat, gefällt mir daran besonders. Ähnlich geräumig und elegant sind die Rover 2300 S bis 3,9 V8, eine Baureihe der 70er und 80er Jahre. Aber auch bei der Namensgebung eines Fahrzeuges ist eine sehr gründliche Planung immer vorteilhaft.

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