Hot Stuff! Dragster Funny Car

Wie kann jemand auf die Idee kommen, dass die brutalste, am schnellsten beschleunigende, mit Nitro befeuerte, 320 mph schnelle Dragracing Klasse “FUNNY” ist? Diese Klasse entwickelte sich aus Serienmodellen Mitte der 60er und wurden zur populärsten Klasse des Dragracing überhaupt. Wie es dazu kam? Lehn dich zurück und wir finden das gemeinsam heraus.

Tommy Ivo macht einen Fire-Burnout 1976 mit seinem Dodge Body Flip-Top Funny Car

Schon wieder. Er ist es wirklich schon wieder – der Ursprung, die Basis, der Urvater. Die Rede ist vom allgegenwärtigen Dodge Charger.

So jedenfalls kolportiert es Tom West, und der muss es wissen. West war früher als Dragracing-Fotograf live bei den Rennen, er kennt alle Events, Autos, Legenden. Und selbst wenn ein paar unterschiedliche Theorien existieren, wie sich die Funny Car-Klasse entwickelt hat – wir glauben Tom West.

Der Jack Chrisman Comet, das erste klassische Funny Car aus dem Jahr 1964, fuhr mit einem Nitro-Gemisch und ließ die Dodge-Karren auf Benzinbasis locker stehen

Ein Dodge Charger also. Und zwar der von Jimmy Nix und Jim Johnson´s. Diese “Special Edition” war laut West das erste “Supercharged Muscle Car” direkt vom Band. Der Stahlbody unterfüttert mit einer 480-inch-Wedge-Maschine, befeuert mit Benzin. Zu verdanken war dies der Dragmaster Company, einer der führenden Chassishersteller. Die hatte im März 1964 den Dodge so modifiziert, dass er eine Menge extra Power auf die Strecke brachte. Diese dicken Dodge-Modelle fuhren auf den kurzen Beschleunigungsrennen mit mehr als  220 km/h eine 11,40er Zeit.

Kurz darauf hatte jedoch der Ford Mercury seinen Auftritt. Basierend auf einem leichteren Body wurde er im Juli 1964 zum Rivalen des Dodge. Das neue Jack-Christman-Coupé rannte mit einem Benzin-Nitro-Gemisch und wurde das erste “Fuel-Burning Blown Funny Car”. Der Chrisman Comet war dazu bestimmt, den Dodge zu drangsalieren – und zwar so unantastbar in der Performance, dass die Chrysler Corporate Group ihrem Charger gar nicht mehr erlaubte, gegen das weiße Phänomen anzutreten. Am Ende startete der Comet mangels ähnlicher Gegner gegen B/Fuel Dragster. Mit 10,13 Sekunden und mehr als 250 km/h war er unantastbar und zu seiner Zeit das populärste Vorzeigemodell.

Rich Hammond in seinem Stahl-Body-Samson Funny Car

Ron ODonnell in seinem Damn Yankee Barracuda Funny Car in Long Beach, 1971, einem der schönsten Funny Cars überhaupt

Die Fahrer haben sich so einiges einfallen lassen, um mit ihren schweren Stahlkarossen mithalten zu können. Cecil Yother baute einen Blower ein, erhöhte den Nitro-Anteil, schnitt das Dach weg und verabschiedete sich von seiner Motorhaube

Eines der ersten Flip-Top-Funny Cars: Jack Chrisman war einer der dominanten Figuren im Dragracing über mehrere Jahre. Die Entwicklung und die Tests der Funny Cars waren stets top secret

Das Experimentieren mit den Factory Cars wurde schnell zu einer Bewegung – immer mehr durchgeknallte Serienwagen mit immenser Power gingen an den Start. Viele Super-Stock-Fahrer versuchten sich nun an einer eigenen Version des Fuel-Coupé-Konzepts, und so konnte man schon bald die ungewöhnlichsten Kreationen auf der Strecke bewundern. Anfang 1965 kehrte sogar Chrysler wieder auf die Rennstrecke zurück. Spätere Race-Legenden wie Dick Landy, Butch Leal, Roger Lindamood, the Ramchargers, the Melrose Missile und andere wurden zu bekannten Namen in der Chrysler-Szene. Mit der großen 426-Hemi-Maschine (befeuert mit Nitro), leichteren Bodies, um 13 inch nach vorn verlegter Hinterachse und einer direkt hinter die Stoßstange verlegte Vorderachse entstanden unglaubliche Kreationen. Diese gut 1300 Kilo leichten Rennmaschinen waren extrem laut, super schnell und brauchten für die Strecke weniger als neun Sekunden.

Und die Welle brandete weiter. Namen wie Unlimited Stocker, Factory Experimental, Match-Race Stocker oder Run-Whatcha-Brung galten bald als die heißeste Attraktion in Amerika. Kein Auto glich dem anderen – man sah Jeeps, Muscle Cars ohne Dach und Kombis, um nur einige der wirren Konstruktionen zu nennen. Diese vielen verschiedenen Bezeichnungen ließen auch den Announcern großen Spielraum. Und so entstand ein Kommentar zu einem besonders wilden Modell: “Schaut, das ist ein echtes Funny Car!” – der Name der neuen Rennklasse war gefunden.
1966 begannen die Autofirmen, kompromisslose Rennautos zu bauen: Sie verabschiedeten sich von den Stahlkarossen. Der einzigartige Mercury Comet wurde für Top-Rennfahrer wie Don Nicholson und Jack Chrisman gebaut. Mit rund 770 Kilo Gewicht waren sie ultraleicht. Mit dem markanten One-Piece-Fiberglas-Chassis (Flip Top) setzten sie einen Trend, der bis heute fortgeführt wird. Wer noch mit Stahl-Karosserien antrat, versuchte, den Nachteil mit fetten Blowern auszugleichen. Doch sie hatten keine Chance und gaben bald auf.

Tommy Ivo macht einen Fire-Burnout 1976 mit seinem Dodge Body Flip-Top Funny Car

Die Showcar Klasse tourte von Drag zu Drag, um die Zuschauer zu begeistern. Bob Riggle und sein Hemi Under Glass Barracuda fuhr den ganzen Drag als Wheely ab. Eine Magnesium-Platte am Heck hatte einen Aufsehen erregenden Effekt. Einige solcher Autos fahren auch heute noch bei Dragrace-Veranstaltungen als Showcar

So wurden die Funny Cars in den 60er und 70er Jahren präsentiert. Eine Show mit Fire Burnouts, Helden, den Maschinen und vielen Fans

In dieser Zeit des Experimentierens wurden viele Kuriositäten geschaffen. Beispielsweise einige “all-wheel-drive exhibition cars”, ein Volkswagen oder die zufällig entdeckte “Wheelstander Class”, die seit dieser Zeit die Basis für viele Exhibition Cars bildet. Ein paar Autos wurden als Mittelmotor-Racer gebaut, aber nur sehr wenige haben jemals gut funktioniert. Deshalb sah man diese in den frühen 70ern nicht mehr. Viele Variationen von breiten und schmalen Chassis wurden ausprobiert, einschließlich Aluminium-Konstruktionen, ähnlich den Grand-Prix-Rennautos von heute. Schließlich setzte sich aber das “Digger Style”-Chassis durch – Logghe Brothers, Woody Gilmore, Lil John Buttera, Don Hardy und viele andere bedienten sich dieser Bauart. Der Professionalismus in dieser Klasse führte zu Zeiten von weniger als acht Sekunden bei Geschwindigkeiten weit über  360 km/h.

Geöffnetes Flip-Top Funny Car: Dieser Stil hat sich bis heute durchgesetzt. Damals hatte der Motor etwa 1.800 PS, heute schaffen sie zwischen 8.000 und 10.000 PS

Die Klasse “Funny Cars” wurde schließlich immer dominanter im Drag-Racing-Sport. So formte sich eine große Gruppe von professionellen Rennfahrern, die ihre Kräfte bis zu fünfmal pro Woche auf die Probe stellten. Racer wie Jungle Jim Libermann oder Don Schumacher hatten so viele Buchungen, dass sie mehrere Teams parallel auf verschiedenen Events in den USA einsetzten. Jim Libermann, Raymond Beadle, Jim Dunn, Don Prudhomme, Tom McEwen wurden nicht weniger verehrt als Rockstars.

Dass nun auch automobilfremde Unternehmen als Topsponsoren auftraten, veränderte das Gesicht dieses Sports maßgeblich. Die Teams benötigten immer mehr Geld, um in den Rennen mithalten zu können. Das ungeheuer populäre Mattel Hot Wheel Programm mit Tom “The Mongoose” McEwen und Don “The Snake” Prudhomme war einer der ersten großen Schritte in Richtung der heutigen “rollenden Werbetafeln”.

1978: Tom “Mongoose” McEwen Corvette Funny Car

Zu Beginn der Funny-Car-Zeit haben oft die Fahrer ihre eigenen Kreationen gebaut und sich die Finger dreckig gemacht

Jedes Jahr im März findet das March Meet in Bakersfield statt. Hier dürfen nur historische Fahrzeuge teilnehmen.

Prudhomme wurde etwas später von der US Army gesponsort, was es ihm ermöglichte, die Funny-Car-Klasse Mitte der 70er zu dominieren. Kenny Bernstein wurde von Budweiser unterstützt und Castrol hielt John Force den Rücken frei – gemeinsam gewannen sie 14 World Funny Car Championships.

Obwohl über die Zeit ein großer Fortschritt für Sicherheit und Leistungsfähigkeit durch Änderung des Designs der Chassis erreicht wurde, blieb bis heute die generelle Konfiguration aus den 70er-Jahren gleich. Beim dominierenden Budweiser King Buick Funny Car von Kenny Bernstein wurde die Aerodynamik erstmals im Windkanal optimiert. Mit einem kurzen 125-inch-Achsabstand gegenüber einem etwas schnelleren 300-inch-Dragster-Chassis schafft ein modernes Funny Car die vier Sekunden auf 1.000 Feet (rund 300 Meter) mit Geschwindigkeiten von bis zu 512 km/h. Die Motoren mit mehr als 8.000 PS und ihre komplizierten, computergesteuerten Kraftstoffzuführungssysteme faszinieren die Fans am meisten.

Eine Legende: Shirley Muldowney heute. The Queen of Dragracing war eine der wenigen Frauen, die sich im Dragracing-Zirkus behaupten konnte und immer vorne mitfuhr.

Bei den großen NHRA National Events rennen Funny Cars als eine der besonderen Attraktionen. Hierbei bilden die nitrobefeuerten Funny Cars die Königsklasse, aus denen wieder mehr und mehr Nostalgia Funny Car Racers hervorgehen. Viele von ihnen werden als Tribut an die damals führenden Funny Car Teams gebaut. Teilweise sind sogar wieder einige der alten Helden mit ihren Autos dabei, die es immer noch wissen wollen und wieder gegeneinander antreten.
Diese “Funny Cars” sind echte Rennmaschinen. Und damit ist der Sport eine todernste Sache. Sagt Tom West. Und der muss es ja schließlich wissen.

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Bilder: Tom West / Alexandra Lier / www.speedseekers.de
Text: Tom West / Alexandra Lier

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