Daytona Spirit – DeTomaso Pantera mit NASCAR-V8

Udo Fink, Chef einer kleinen Werkstatt in Bremen, hat sich in vielen Jahren sein Traumauto aufgebaut: einen DeTomaso Pantera mit NASCAR-V8. Jetzt ist der 580-PS-Bolide fertig – und käuflich

NASCAR für die Strasse

Das mit den Arbeitsstunden ist eigentlich eine überflüssige Frage. Oder wissen Sie, wie lange Sie sich in den vergangenen Jahren mit ihrem Lieblingshobby beschäftigt haben? “Ach,” sagt Udo Fink, Kfz-Meister und völlig autoverrückt, “viele Stunden, sehr viele.” Das Ergebnis: Der wohl perfekteste DeTomaso-Pantera-GTS-Racer, der für die Straße zugelassen ist – mit einem originalen NASCAR-Motor. Also, wie lange hat das gedauert? Fink: “Vielleicht 1.200 Stunden? Ich habe keine Ahnung…”

Aber Wissen, davon hat Fink eine Menge – wie man so ein Auto baut, lernte der heute 43 Jahre alte Experte von der Pike auf. Vor 22 Jahren machte er sich selbstständig als Getriebe- und Motorenspezialist in einer kleinen Werkstatt mitten in Bremens Innenstadt. Dann schraubte und restaurierte er Mercedes und VW, später war Chiptuning und Autogas Lebensinhalt. Als Hobby widmete er sich amerikanischen Wagen, alle zwei Jahre wurde ein Auto fertig. Bis die Kundschaft Wind von Finks Können bekam und ihre Schätze zu ihm brachten. Heute firmiert Fink immer noch in der kleinen Werkstatt an der kopfsteinbepflasterten Rolandstraße.

Mehr als vier Autos passen hier nicht gleichzeitig hinein. In zwei externen Garagen stehen noch ein paar Kundenautos, mehr Platz hat Fink nicht: “Und das ist gut so, denn sonst wäre ich ein Auto-Messie.”

Das DeTomaso-Projekt begann 1999, als Fink in Rom einen guten, aber nicht perfekten Pantera GTS, Baujahr 1973, kaufte. Das Blech des lange abgemeldeten Italieners war okay (nur der Tank war durchgerostet), das Interieur mit den zwei schräg gestellten großen Rundinstrumenten ebenso. Glücklicher Abnehmer des Wagens: Finks Vater. Der wünschte sich allerdings bessere Bremsen. Das Abenteuer nahm seinen Lauf.

Udo Fink organisierte als erstes Porsche-Turbo-Bremsen von MOV’IT – mit der Folge, dass die originalen 15-Zoll-Räder nicht mehr passten. So ließ er bei Boyds 17 Zoll große Felgen anfertigen, und zwar im originalen Pantera-Look. Die bezog er hinten mit 315/35-17er- und vorne mit 235/45-17er-Semislicks.

So besohlt schrie der immer noch mit dem originalen 310-PS-Ford-V8 bestückte Sportwagen nach einem besseren Fahrwerk. Fink setzte alle Achsteile instand und beschichtete sie mit Kunststoff, gleichzeitig zog er den gesamten Unterbodenschutz ab – ohne dass böse Überraschungen zutage traten. Bei KW ließ er schließlich neue Federn und einstellbare Dämpfer einbauen und stimmte den Wagen mit den Experten auf dem KW-Prüfstand ab.

Aber – was will man mit einem perfekten Fahrwerk, wenn keine Kraft vorhanden ist, es bis an die Grenzen auszutesten? So machte sich Fink auf die Suche nach einem passenden Motor. “Passend” bedeutete bei ihm: Es musste etwas Besonderes sein, denn modifizierte Pantera sind nicht gerade selten. Warum also keinen originalen NASCAR-Motor einbauen?

Die Antwort: Weil die Teams ihre Motoren zu dem damaligen Zeitpunkt nie als Ganzes verkauften, sondern immer nur in Teilen. Doch Fink sollte Glück haben: Gerade als er bei Penske anfragte, wechselte das US-Nascar-Team den Motorenhersteller, also von Ford zu Dodge. Somit waren drei gebrauchte, aber vollständige NASCAR-Ford-V8 zu haben. Fink zögerte keine Sekunde und kaufte sie alle.

Allerdings waren die Motoren keine Drillinge: Nur zwei waren gleich, nämlich 800 PS starke Super-Speedway-Aggregate – für ein Straßenauto ziemlich unbrauchbar, weil die ihre Kraft erst bei Drehzahlen zwischen 7.500/min und 9.500/min entwickeln “und darunter so gut wie nicht ziehen,” weiß Fink. Der dritte Motor war ein etwa 650 PS starker Straßenkurs-Motor – der spricht schon zwischen 5.500/min und 8.500/min an und wird deshalb bei den wenigen NASCAR-Rennen eingesetzt, die auf einer kurvigen Rundstrecke ausgetragen werden. Fink verkaufte die Power-Blöcke und “detunte” den Rundstreckenmotor, damit der DeTomaso noch besser auf der Straße zu gebrauchen sei. Dafür verwendete er eine hydraulische Rollennockenwelle, eine elektronische Einspritzanlage, eine Ansaugbrücke von Hilborn  und Direktzündung. Den Platz vom Verteiler benötigte er für die selbst entwickelte Klimaanlage, die dringend ins Auto eingebaut werden sollte. Zusätzlich erhielt der Wagen eine Trockensumpfschmierung. Das Ergebnis: 580 PS bei 6.500/min, gemessen auf dem Fink’schen Motorprüfstand. Die Ansaugbrücke zusammen mit der HESTEC-Einspritzung ergibt eine perfekte Optik und die Möglichkeit, den Wagen sogar im Stadtbetrieb zu fahren.

Obwohl der das nicht wirklich mag, besonders aus thermischen Gründen. Der Motor braucht viel Kühlluft, aber welcher hoch gezüchtete Straßenrenner liebt schon Stop-and-Go?

Die keramisch beschichtete Auspuffanlage samt Krümmer ist nach Finks eigenen Berechnungen aus hochtemperaturbeständigem Nickel-Vanadium Stahl gebaut. Die wunderbaren, leicht nach oben zeigenden vier Endrohre sind allerdings nur Attrappen: Die Abgase werden direkt durch 3-Zoll-Rohre nach unten geleitet.

Für Udo Finks Vater allerdings war der Bolide nun zu schwer zu pilotieren: “Der ist zwei Mal eingestiegen und kam nach kurzen Fahrten mit den Worten ‚Das geht nicht’ wieder heraus…” Tatsächlich war aus dem halbwegs zivilen Mittelmotor-Pantera ein wahrlich böser NASCAR-Mittelmotor-Pantera geworden: saustark, sauschnell, und vor allem sauschwer zu fahren. Schwer nicht nur wegen der original-servolosen Zahnstangenlenkung, sondern hauptsächlich wegen des tückischen Fahrverhaltens im Grenzbereich: Der Wagen bleibt in schnell durchfahrenen Kurven lange stabil, doch dann bricht er ohne Ankündigung plötzlich aus, so dass ein Dreher nicht zu vermeiden ist. Fink: “Da ist nix mit Driften…”

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Perfektionsvirus den Kfz-Meister Fink schon längst völlig in der Hand. Der Bremer zerlegte das Auto doch tatsächlich wieder restlos – um einen Heigo-Käfig einzupassen. “Das größte Problem dabei war, das Cockpit und die Mittelkonsole mit originaler Optik zu erhalten.” Mit großem Aufwand baute er das Cockpit um und zog die Rohre ein. Allerdings ist der Pantera so flach, dass nun das vordere obere Rohr kurz vor der Stirn sitzt. Fink hat den Wagen trotzdem im Clubsport eingesetzt: “Mit Helm sitzt man nicht mehr so bequem, aber es geht…”

So viel Fink auch umgebaut hat – er achtete darauf, dass auch neben dem Cockpit möglichst viel original erhalten blieb. Zum Beispiel das ZF-Fünfganggetriebe, dessen Wert Fink mit rund 15.000 Euro angibt. Und zwar deshalb, weil nur dieses Pantera-Getriebe in die Ford-GT-Klone passen. Der Tank mit den 90 Litern Fassungsvermögen ist noch der alte, das Lenkrad auch, und vor allem die patinierte Lackierung ist alt, wenn auch wahrscheinlich nicht die allererste. Mit voller Absicht, denn Fink mag Autos, die nach außen so weit wie möglich nach gelebtem Leben aussehen.

Sauberes Teil: Udo Fink hat unzählige Stunden in den DeTomaso gesteckt, ist ihn aber eigentlich viel zu wenig gefahren. Aber das ist nur ein Grund, ihn jetzt zu verkaufen – der andere ist, dass Fink Platz für neue Projekte braucht…

Aber wenn ein Projekt fertig ist, hat er es auch innerlich abgeschlossen: “Meine Ideen von vor zwölf Jahren habe ich jetzt verwirklicht. Nun muss etwas Neues her.” Er liebäugelt zum Beispiel damit, einen alten Franzosen zum Hot Rod umzubauen. Oder einen Rosengart zum viersitzigen Cabrio – die Familie soll ja auch was von seiner Schrauberei haben.

Wer am NASCAR-DeTomaso GTS interessiert ist, ernsthafte Absichten hat sowie das Können und die Selbstdisziplin, dieses schwierige Auto zu pilotieren, sollte Fink kontaktieren. Ach ja – eine hohe fünfstellige Summe müsste er auch noch in der Tasche haben..

Fink Fahrzeugtechnik
Rolandstraße 46
28199 Bremen
0421-503127
www.fink-fahrzeugtechnik.de
inf@fink-fahrzeugtechnik.de

1973er DeTomaso Pantera GTS Fink
Motor: Ford-V8
Hubraum: 5.866 ccm
Leistung: 580 PS bei 6.500/min
Getriebe: Fünfgang-Handschalter
Gewicht: 1.280 Kilo
Länge/Breite/Höhe: 4.270/1.830/1.100 mm
Tankinhalt: 90 l
Fahrleistungen: nicht gemessen
Wert: ca. 115.000,- Euro (Gutachten)
Stückzahl Basis-Pantera: ca. 7.200 Stück
Bilder: Roland Löwisch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code