“COBRA – POWERED BY Ford”

Der Name COBRA steht seit den Sechziger Jahren für brachiale Fortbewegung schlechthin. Die Idee für diesen einzigartigen Sportwagen stammt von Carroll Shelby.

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Der am 11. Januar 1923 geborene Texaner hatte sich bereits in den Fünfzigern einen Namen als Rennfahrer gemacht, wurde 1956 und 1957 von der Zeitschrift “Sports Illustrated” zum “Fahrer des Jahres” gewählt, gewann 1959 mit Roy Salvadori auf einem Aston Martin DBR1 die 24h von Le Mans und wurde 1960 “USAC Road Racing Champion”. Nachdem ihm ein angeborener Herzfehler immer mehr zu schaffen machte, entschloss er sich im Oktober 1960, seine Rennfahrerkarriere zu beenden. 1961 agierte er als Untermieter von Dean Moons Speed Equipment in Santa Fe Springs und verdiente seinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit dem Vertrieb von Goodyear-Rennreifen sowie der neu gegründeten “Carroll Shelby School of High Performance Driving” an der Rennstrecke in Riverside, wo ein junger Designer namens Pete Brock gewissermaßen Mädchen für alles war. Brock, von dem man später noch hören wird, gestaltete die Werbebroschüren, erarbeitete den Lehrplan und arbeitete außerdem als Fahrlehrer.

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Shelbys Idee war, ein leistungsstarkes amerikanisches Großserientriebwerk mit einem leichten europäischen Chassis zu verbinden und so einen Sportwagen zu bauen, der einerseits robust genug war, um damit Rennen zu fahren, und andererseits alltags-tauglich genug, um ihn als Straßenfahrzeug zu benutzen. Seine Anfrage bei GM nach Chevrolet- bzw. Buick-Leichtmetalltriebwerken wurde negativ beantwortet, da man offensichtlich an einer Konkurrenz zur Corvette nicht interessiert war. Und auch diverse europäische Firmen, von denen er Fahrgestelle beziehen wollte, zeigten ihm die kalte Schulter. Aber im September 1961 erfuhr Shelby, dass die Produktion des Bristol-Zweiliter-Triebwerks eingestellt worden war und AC Cars in England für den Ace allenfalls auf den 2,6 Liter-Motor des Ford Zephyr zurückgreifen konnte.

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Shelby wusste von den Erfolgen des leichtgewichtigen Ace Bristol in Rennen um die SCCA-Meisterschaften und erkannte seine Chance sofort – hier war das perfekte Chassis, mit dem er seine Träume verwirklichen konnte. Er schrieb umgehend an Charles Hurlock, den Geschäftsführer von AC, erläuterte ihm seine Idee und hoffte auf eine positive Antwort. Schon im Juli 1961 hatte Shelby beim Pikes Peak-Bergrennen Dave Evans getroffen, der seinerzeit bei Ford für die Motoren verantwortlich zeichnete. Und als er im Oktober von dem neuen leichten 221ci (3,6 Liter) V8-Triebwerk für den Fairlane hörte, dessen dünnwandiger Motorblock in einem neuen Gießverfahren hergestellt wurde, kannte er bereits den richtigen Ansprechpartner bei Ford. Unmittelbar nachdem Shelby eine positive Antwort von Charles Hurlock erhielt, schrieb er an Evans und erläuterte ihm sein Vorhaben. Der erkannte, dass Shelbys Idee durchaus geeignet war, Ford zu einem attraktiveren Image zu verhelfen, griff zum Telefon und teilte Shelby mit, dass er ihm ein paar Triebwerke “zu Versuchszwecken” zuschicken würde.  Noch während Shelby sich in Dean Moons Werkstatt mit diesen Motoren vertraut machte, meldete sich Evans erneut und teilte ihm mit, dass mittlerweile eine Hochleistungsversion mit 260 ci (4,2 Liter) verfügbar wäre und er ihm auch davon ein paar schicken würde.

Sobald der erste dieser Motoren bei ihm eintraf, leitete Shelby ihn sofort an AC Cars weiter, wo er in den ersten Prototyp eingebaut werden sollte. Es zeigte sich, dass der V8 mit Borg-Warner Getriebe nur knapp sieben Kilo schwerer als die alte Kombination mit dem Bristol-Zweiliter war und problemlos in den Motorraum passte. Allerdings mussten sowohl der Rahmen, als auch die Radaufhängungen verstärkt werden, um der wesentlich höheren Leistung Rechnung zu tragen. Das Sperrdifferenzial konnte unverändert übernommen werden, wobei nur der Prototyp hinten innenliegende Bremsscheiben aufwies. Die Form der aus 1,14 Millimeter starken Aluminiumblechen geformten Karosserie ähnelte der des Ace  und unterschied sich hauptsächlich durch eine Front mit vergrößertem Lufteinlass und prägnante Radlaufkanten.

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Anfang Januar 1962 dröhnte erstmals der typische dumpfe Klang eines amerikanischen V8-Motors über die Rennstrecke von Silverstone. Die Neukonstruktion war auf Anhieb schnell. Und bereits wenige Tage später war der Prototyp (ohne Motor und Getriebe) per Schiff auf dem Weg in die USA, während Shelby, ausgestattet mit Filmaufnahmen der ersten Tests, in Dearborn vorstellig wurde. Unter dem Eindruck dieser Aufnahmen und verstärkt durch Shelbys mündliche Schilderungen wurden bereits am 5. Februar die ersten Vereinbarungen zwischen Ford und Shelby unterzeichnet, darunter die Verpflichtung, als Gegenleistung für Triebwerke und andere Teile an all seinen Fahrzeugen Embleme mit der Aufschrift “Powered by Ford” anzubringen.

Unmittelbar nachdem der unlackierte Prototyp in Santa Fe Springs eingetroffen war, stürzten sich Shelbys und Moons Leute auf den Neuzugang und bauten den Motor mit der Bezeichnung “XHP-260-01” ein. Danach wurde die Karosserie mit Stahlwolle auf Hochglanz poliert und quer über Nase und Kofferdeckel in weißer Farbe der Name “Shelby” angebracht. Währenddessen  griff Shelby zum Telefonhörer und informierte befreundete Journalisten. John Christy von der Zeitschrift “Sports Car Graphic” war der erste, der einen begeisterten Fahrbericht ablieferte. Shelbys Schöpfung war binnen kürzester Frist nicht nur Gegenstand mehrerer Fahrberichte, sondern schaffte es sogar auf die Titelseiten einiger Publikationen. Das war auf Anhieb mehr, als man bislang bei Ford gewohnt war. Alle Tester waren sowohl von der explosiven Beschleunigung, als auch von der Elastizität des Triebwerks beeindruckt.

Bilder: Ford, Michael Thier

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