Alle Achtung beim Achter

Kaufberatung BMW 850 CSi

Nach 13-jähriger Bauzeit folgte bei BMW 1989 auf die angejahrte 6er-Reihe (E24) das neue Coupé-Flaggschiff, der 850i (E31). Der Neue setzte damit die Benchmark nicht nur im eigenen Hause, sondern auch gegenüber dem Konkurrenten Mercedes mit dem ebenfalls in die Jahre gekommenen SEC (Baureihe C126). Wegen der komplexen Technik ist der Kauf eines 8er-BMW heute nicht ohne Tücken. Wir zeigen, wo diese liegen.

Mit seiner noch an die legendären CS-Coupés der 1960er/70er Jahre erinnernden Silhouette war die 6er-Coupé-Baureihe Ende der 1980er-Jahre schon ein Klassiker und – nach gängigen Marketingkriterien – überreif für eine Ablösung. Diese fiel in Gestalt der neuen 8er-Baureihe überraschend gründlich aus, denn mit dem neuen 8er wurden unter der Ägide des damaligen Chefdesigners Claus Luthe alle alten Zöpfe radikal abgeschnitten.
Als Reminiszenz an die Markenhistorie sind nur der obligatorische „Hofmeister-Knick“ sowie die Frontgestaltung mit dem flachen Kühlergrill und den breiten Klappscheinwerfern anzusehen, die unverkennbar beim BMW-Supersportwagen M1 Anleihe zeichnet.
Ansonsten verkörperte der neue 8er die kantige Designsprache der anbrechenden 90er-Jahre – gepaart mit der für BMW charakteristischen, sportiven Aggressivität. Dezent geht jedenfalls anders. Womöglich führte der wenig zurückhaltende Auftritt dazu, dass sich die anvisierte zahlungskräftige Klientel, die eher auf einen distinguierten Stil und auf Understatement wert legte, in Kaufzurückhaltung übte: Der in zehn Jahren nur 30.000 Mal verkaufte 8er war tatsächlich ein Flop. Die Verkaufszahlen des während der gesamten Bauzeit teuersten BMW-Modells blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Aus fahrerischer und technischer Sicht gab es indes wenig Anlass, den 8er-BMW zu verschmähen, verfügte er doch über praktisch alles, was damals „State of the Art“ war – und noch etwas mehr. Denn bei vielen Dingen fungierte er als technologischer Pionier, so zum Beispiel mit der aufwändigen Fünflenker-Integral-Hinterachse (die beim CSi dank Aktiver Hinterachs-Kinematik AHK sogar mitlenkend ist), mit der elektronischen automatischen Stabilitäts- und Traktionskontrolle ASC+T, einem hauseigenen Vorläufer des heute allgegenwärtigen ESP. Dieses Feature gab es bei den Fahrzeugen mit handgeschalteten Sechsganggetrieben (ebenfalls ein Novum) serienmäßig, in Verbindung mit der Viergang-Automatik war es optional erhältlich.
Kommen wir zum Sahnestück unter der Motorhaube – dem Fünfliter-Zwölfzylinder mit seinen satten 300 PS.
Er debütierte bereits in der Limousine 750i, verursachte also zunächst keine gesonderten Entwicklungskosten. In den ersten Produktionsjahren war er die einzige Antriebsquelle im 8er, 1992 legte er im 850 Ci auf 5,4 Liter Hubraum zu und die Leistung stieg auf 326 PS. Als extra heißer CSi waren mit 5,6 Liter Hubraum sogar 380 PS drin. Ab 1993 bot man den 8er als 840Ci auch mit dem Vierliter-Achtzylinder und mit 286 PS aus den 7er- und 5er-Limousinen an. Über Leistungsmangel konnte also auch bei dieser kleinsten Variante keiner klagen.
Unser Fotomodell aus dem Hause Mirbach & Dost in Hamburg ist nach Auskunft des Händlers mit der Chassisnummer CC00006 der erste 850 CSi (von insgesamt 1.530 Stück weltweit), der zugelassen wurde. Und mit seiner nachvollziehbaren Laufleistung von lediglich 77.000 Kilometern beinahe auch ein „Sleeper“, der bei seinem Erstbesitzer (BMW-Vertragshändler) und den beiden Nachbesitzern ein beschauliches Dasein fristete – entsprechend gut ist heute der Gesamtzustand des Wagens. Es dürfte sehr schwierig werden, einen besseren CSi oder einen mit geringerer Laufleistung zu finden, denn wie der Porsche 911 oder die Mercedes-Coupés C126 und später C140 waren auch die 8er-BMW in aller Regel keine gehätschelten Sammlerfahrzeuge, die als „Trailer-Queens“ von Ausstellung zu Ausstellung kutschiert wurden, sondern vollwertige „Fahr-Autos“, die von ihren Besitzern auch im Alltagsbetrieb genutzt wurden bzw. werden. Überdies legen auch Komfortaspekte und handfeste praktische Vorzüge wie ein für Coupéverhältnisse riesiger Kofferraum eine Alltagsnutzung nahe.

Aggressiv blinzelt der 8er aus seinen flachen Klappscheinwerfern. Achten Sie hier besonders auf Steinschlagschäden. Wie verlaufen die Spaltmaße der Frontmaske? Ein ungleichmäßiges Fugenbild deutet auf Unfallschäden hin…

Ein Gedanke zu “Alle Achtung beim Achter

  1. Pingback: Der BMW 8er – Cooler Style aus den 90ern – Raymans Welt

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