VW Golf I GTI 1978

Drei Buchstaben machten aus dem schlichten Golf eine sportliche Allzweckwaffe. Zum vierzigsten Geburtstag trafen wir den ersten GTI in seiner Heimatstadt Wolfsburg

VW Golf I GTI 1978

1976 läuft es rund in bei Volkswagen. Der in der Grundform von Giorgetto Guigiaro designte, bestechend moderne und rationale VW Golf hat zwei Jahre zuvor das schwere Käfer-Erbe angetreten und findet reißenden Absatz. Nun soll sich der wassergekühlte Bestseller dem Willen seiner Väter folgend auch ins sportliche Gefilde wagen: Die Geburt des ersten Grand Turismo Injection (GTI) wird zu einem sportlichen Überraschungscoup für die ansonsten bislang eher konservativen Marke und zum Synonym für eine neue Autoklasse.

Statt wie bisher mit maximal 75 PS trumpft der Käfernachfolger in seiner GTI-Version mit einem quirligen 1600er-Motor auf, den man sich zuvor klugerweise von der Konzernschwester Audi aus dem 80 GTE geborgt hat. Zum Glück belässt es das Team „Sport-Golf“ rund um Direktor Anton Konrad aber nicht bei einer Leistungskur, sondern schickt den Golf kurzerhand ins Sportstudio. Das vom Fahrversuchsleiter Herbert Schuster neu abgestimmte, mit Stabilisatoren und kürzeren Federn aufgewertete Fahrwerk vereint nun scheinbare Gegensätze in sich. Ob Agilität und Alltagstauglichkeit, Sport und Komfort – keine Disziplin ist dem GTI fremd.

Dazu passend fällt sein Auftritt verbindlich aber dennoch seriös aus: Ein auf die Form reduziertes chromloses Äußeres mit aerodynamischem Frontspoiler, wenige mattschwarze Akzente, leichte Radlaufverbreiterungen und ein signalrot gerahmter Kühlergrill komplettieren das gelungene Re-Design.

Dauerbrenner statt Sonderserie

Ob sich für das Konzept „klein und gemein“ Käufer finden werden, die bereit sind, immerhin 13.850 D-Mark zu bezahlen, ist intern zunächst durchaus umstritten. Anfangs plant man verhalten mit einer auf 5.000 Stück begrenzten Sonderserie. Mehr Kunden traut man im bodenständigen Hauptquartier dem bösen Golf nicht zu, doch die Flut eingehender Bestellungen übertrifft die kühnsten Erwartungen des Konzerns. Mehr noch: Ein sportlicher Dauerbrenner ist geboren, der das Ausnahme-Image eines klassenlosen, verblüffend schnellen Kompakten über alle Golf-Generationen prägen wird.

Bleibende Eindrücke

Mit seinen Anlagen wird der Kompakte zum Schrecken der linken Spur und Liebling aller jugendlichen Heißsporne. Kein Wunder: Der dank seiner modernen K-Jetronic-Einspritzung 110 PS starke Reihenvierzylinder sitzt quer eingebaut auf der Vorderachse und hat mit den 810 Kilogramm Leergewicht leichtes Spiel. Die Ballastarmut reicht aus, um das zylinder- und hubraumstarke Establishment kräftig zu ärgern und dementsprechend bleibende Eindrücke zu hinterlassen. 220 Stundenkilometer als angegebener Tacho-Endwert sind als Topspeed zwar arg optimistisch, aber echte 182 km/h taugen in den Siebzigern noch als echte Kampfansage.

Zeitlos zündend

Die Schlüsselidee des Ur-GTI ist zeitlos und zündet selbst nach vierzig Jahren immer noch sofort. Um mit dem GTI warm zu werden genügen wenige Meter: Der Antritt des kehlig röhrenden Vierzylinders kennt keine Gedenksekunde. Nach einer schonenden Warmfahrphase dreht er willig über 4000 Umdrehungen hinaus, bis er schließlich unbeeindruckt den roten Bereich bei 6250 Touren touchiert. Entsprechend flott gelingt der Standard-Sprint auf Tempo 100 in weniger als zehn Sekunden. Die Überlegenheit des Einfachen ist das, wofür wir den puristisch-genialen Entwurf heute lieben. Mit links schafft der kantige Zweitürer es, uns mit seinen überschaubaren Bordmitteln um den Finger zu wickeln. Der sonst betont nüchtern auftretende Wolfsburger zaubert uns im Sportdress ein Lächeln ins Gesicht. Sein Fokus liegt auf dem, was pures Autofahren so reizvoll macht: Virtuos lässt sich der 3,60 Meter kurze Radaubruder selbst um enge Kurvenradien über Landstraßen und Serpentinen dirigieren, bevor seine Bereifung in der bescheidenen Dimension 175/70HR13 vor Freude anfängt zu quietschen, die Verbundlenkerhinterachse keck das kurveninnere Rad lupft und das Heck leicht übersteuernd auskeilt.

Funktionsbetonter Ästhet

Trotz seiner zierlichen Außenabmessungen ist der erste Golf GTI nebenbei auch ein vollwertiger Viersitzer mit einem angenehmen Raumgefühl. Sein Innenraum spiegelt die funktionsbetonte Ästhetik der siebziger Jahre wieder. Die Handhabung gibt keine Rätsel aus, Sitzposition und Bedienergonomie sind ihrer Zeit voraus. Starke Akzente wie die höhlenartigen Rundinstrumente, das griffige Dreispeichen-Spucknapflenkrad, der einzigartige Golfball-Schaltknauf, die grellen Stoff-Sportsitze im modischen Karolook und ein schwarzer Innenhimmel setzten den GTI stylistisch deutlich von seinen zahmen Geschwistern ab.

Fazit

Der erste GTI war der ganz grosser Wurf. Er erschloss für Volkswagen quasi über Nacht eine neue motorsportaffine Zielgruppe. Im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte wurde der Großteil der ersten GTI-Generation leider in beliebiger Reihenfolge gnadenlos verbastelt, verheizt und verbraucht. Mangelnde werksseitige Rostfürsorge und eine anfangs durchwachsende Blechqualität taten ihr Übriges. Weil Basslautsprecher und breite Reifen oft wichtiger als Werkstatt-Services waren, gab es für die Ikone der sportlichen Kompakten zudem nicht selten den vorzeitigen TÜV-Knockout.

Wer das Glück hat, heute ein original erhaltenes Exemplar mit gesunder Substanz zu entdecken, der darf sich glücklich schätzen und locker mehr als den Neupreis entrichten – in Euro! Besonders gesucht sind in der Szene frühe 1600er-Modelle mit kleinen Rückleuchten und kurzen Stoßstangen sowie das legendäre Sondermodell Pirelli mit 1800er Maschine aus dem Modelljahr 1983.

Fahrzeug: VW Golf 1 GTI
Baujahr: 1978
Motor: Vierzylinder-Reihenmotor
Hubraum: 1588 ccm
Leistung: 110 PS (81 kW) bei 6100/min
Max. Drehmoment: 140 Nm bei 5000/min
Getriebe: Viergang-Handschalter
Antrieb: Vorderräder
Länge/Breite/Höhe: 3810/ 1639/ 1395 mm
Leergewicht: 810 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 10,0 Sek.
V-Max: 183 km/h

Autor: Lars Jakumeit
Fotos: Roman Rätzke

VW Golf I GTI 1978

VW Golf I GTI 1978

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