Gentle Giant: Chevrolet Impala 1970

Im Jahr 1958 mit einer afrikanischen Antilope als Namensgeber eingeführt, war der Chevrolet Impala für General Motors die in Metall gegossene Verkörperung von Tempo und Luxus: „Show as show can“

Manche Dinge ändern sich nie. Zumindest selten. Der Impala ist so ein Ding. Seit 60 Jahren wird er mit Unterbrechungen gebaut. Und hat dabei einige Metamorphosen durchlebt. Zuerst ist er als Luxusversion des Bel Air das Topmodell von Chevrolet. Ab 1959 wird er als eigenständiges Auto produziert, ein Jahr später steht er im ganzen Land auf Platz eins der Verkaufslisten – mit den stärksten Motoren, die Chevrolet zu bieten hat. Als 1961 der Impala SS eingeführt wird, ist das die Geburtsstunde des ersten echten Muscle Cars. Mit Einführung des Caprice 1966 verkörpert der Impala nur noch die mittlere Ausstattungsvariante. Und ab 1976, nach dem Wegfall des Bel Air, ist er zehn Jahre lang gar der günstigste Chevy seiner Klasse. 1986 wird der Name Impala durch Caprice ersetzt, aber die Bezeichnung Impala SS steht weiter für die Powerversionen des Caprice. 1996 wird die Produktion eingestellt, 2000 kommt ein neues Modell namens Chevrolet Impala. Heute läuft er in der mittlerweile zehnten Generation vom Band, wenn er auch mit seinen Ahnen gebrochen hat. Der vor allem bei Behörden, Taxifahrern und American Moms beliebte heutige Impala teilt sich die Plattform mit Opel Insignia, Chevy Malibu und Cadillac XTS. Von wegen Muscle …

Wenden wir uns also lieber den wilden 70ern zu, einer Zeit, in der die Fullsize-Palette von Chevrolet gut bestückt war. Zuunterst der Biscayne, dann der Bel Air, anschließend der Impala und als Krönung der Caprice, jeweils als Limousine, Hardtop Sedan, Cabrio und Coupé. Station Wagons gabs auch, die liefen aber als eigene Modellreihe namens Brookwood, Townsman und Kingswood. Statt der aufgeblasenen Formen und wuchernden Leitwerke der früheren Jahre war die vierte Generation des Impala geprägt durch eine neue Sachlichkeit, sofern dieser Ausdruck bei einem knapp sechs Meter langen Fullsize-Cabrio erlaubt ist. Ausgewogene Proportionen, sympathische Details wie der komplett verchromte Frontgrill im Hundeknochen-Stil, ausgeprägte Kotflügelkanten und Aluminium-Zierleisten – nichts, was man ändern wollte. Der Innerraum des Giganten empfängt mit schier endloser Weite, Gestühl, das auch für Big Daddy breit genug ist, sauber verarbeitetem Kunstleder und verchromtem Stahl.

Eine Augenweide ist das Dashboard mit Bandtacho, Uhr und Tankanzeige und sechs neckischen Zug- und Drehschaltern, mit denen Licht, Wischer, Klima und Radio gesteuert werden. Die gepolsterte Armaturenbrett-Oberseite ist ein nützliches Gimmick: Sie schützt die Front-Passagiere bei einem Crash. Das nicht übermäßig große Lenkrad ragt dem Piloten auffordernd entgegen und zwingt dazu, die Arme stark anzuwinkeln. Die Mittelkonsole mit dem Automatik-Wählhebel aus Edelstahl war nur im Verbund mit der Powerglide-Dreigang-Automatik zu haben, über die unser 7,4-Liter-Muscle natürlich verfügt. Der gewaltige 454-cui-Motor macht klar, warum der Impala als Ur-Muscle gilt: Schlagartig, mit dumpfem Grollen, galoppieren die 390 Pferde die Küstenstraßen Malagas entlang. Geradeaus läuft der Impala auch nach heutigen Maßstäben ganz prächtig, er hebt die Nase in den Wind, fährt die Hinterräder ein und zieht davon wie ein Eisbrecher in schwerer See. Jede Zuckung des Gasfußes wird in Vortrieb gewandelt, beim Bremsen taucht die Nase tief auf den Asphalt. Steht die Fuhre schließlich, wippt er kapriziös noch zwei-, dreimal nach: Der Gigant ist so weich gefedert wie ein klassischer Franzose.

„So what.“ Der Kenner genießt den majestätischen Platz, das coole Interieur, den Himmel über dem Haupt und die sehnsuchtsvollen Blicke, die den Impala verfolgen. Der sanfte Riese wurde von Coast Classics frisch aus Canada importiert, ist eines der ganz, ganz raren Exemplare mit Matching Numbers, gut gepflegter Patina und dem Knallermotor schlechthin. Der 7,4-Liter-Turbo-Jet-V8 mit 390 PS verweist auch 47 Jahre nach dem Kick-off noch fast jeden Konkurrenten in die zweite Reihe. Aber wer will sich schon ernsthaft mit dem schwarzen Riesen anlegen …

TECHNISCHE DATEN

CHEVROLET IMPALA

Baujahr: 1970
Motor: Turbo Jet V8
Hubraum: 7.400 ccm (454 cui)
Leistung: 287 kW (390 PS)
Max. Drehmoment: k.A.
Getriebe: Powerglide-Dreigang-Automatik
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 5.512/ 2.028/ 1.382
Gewicht: 1.950 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: s
Top-Speed: k.A.
Preis/Wert: auf Anfrage

Infos: www.coast-classics.com

 

Text: Marion Kattler-Vetter / Fotos: Nico Meiringer

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