Cool wie Kowalski: Dodge Challenger R/T SE 1970

Vote hier für deinen Lieblings DriveStyler!
[Insgesamte Votings: 0 Im Durchschnitt: 0]


Cool wie Kowalski: Dodge Challenger R/T SE 1970

Ein Muscle, Mythos, Macho: Der Challenger R/T SE rockt auch mit knapp 50

 

Er war schneller als viele Sportwagen und kostete kaum mehr als ein Oberklasseauto, der 1970er Challenger. Und er war der Star eines Kultfilms. Im 1970er Roadmovie “Vanishing Point”, deutscher Titel „Fluchpunkt San Fransciso“, überführt Ex-Rennfahrer Kowalski einen weißen 70er Dodge Challenger R/T von Denver nach San Francisco, zumindest versucht er es. Mithilfe von Wachmachern und dem 7,2-l-V8-Herz des weißen Challenger R/T will er die knapp 2000 km in 15 Stunden schaffen. Das kann nicht gutgehen und es geht auch nicht gut: Kowalski rast am Ende mit über 100 mph in zwei als Straßensperre aufgereihte Bulldozer. Hollywoodtypisch explodiert der Wagen … all over now, Baby Blue.

Der Challenger im schönen Philadelphia hat ein deutlich erfüllteres Leben, steht besser da denn je, glänzt mit seinem Hemi-orange Anstrich in der Sonne, lockt zu Ausfahrten auf unendlichen Highways. Und bringt ein bisschen das Feeling der 70er zurück. Das unendlich potente Achtzylindergrollen hat nichts von seinem Biss verloren, die Gänge werden – wie bei Kowalski – mit dem Hurst Shifter gewechselt, dass dich die Urgewalt des 7,2-Liter-Motors in den Sitz presst.  Zum R/T Paket gehören Heavy-duty Federung mit Stabilisatoren und High Performance Pneus – alles da, alles gut. Das dünne Lenkrad, der Tacho bis 150 Meilen (240 km/h), der Rundenzähler  bis 8.000 revs – in dieser Karre bleibst du auch ohne Speed und Ecstasy hellwach.

Der Challenger kam 1979 als Antwort auf die Ponys Ford Mustang und Chevrolet Camaro, als der große Boom schon fast vorbei war. Dodge wollte das ultimativste, männlichste, kräftigste und mächtigste Muscle Car aller Zeiten präsentieren. Eine Vorgabe, die Designer Carl Cameron, der auch den Charger zeichnete, aufs Schönste umsetzte, noch dazu mit ausladend sinnlichen Cokebottle-Kurven. Sein unsterbliches Erfolgsrezept: lange Motorhaube, kurze Kabine, Doppelscheinwerfer und breite Rückleuchten. Der Challenger als Coupé und Cabrio war einer von zwei Chrysler-E-Bodys, der andere war der Plymouth Barracuda.

Für amerikanische Verhältnisse hatte der Muscle kompakte Ausmaße, Länge 4,86 Meter, flache Höhe 1,29, die Breite allerdings unbescheidene 1,93 Meter. Dank unzähliger Ausstattungsoptionen bekam jeder seinen maßgeschneiderten Muscle, besonders gehypt wurde die “SE”-Ausführung mit Vinyldach, Ledersitzen etc. Fast alle im Chrysler-Regal verfügbaren Motoren wurden auch im Challenger angeboten, vom 3,7-Liter-V6 bis zum fetten 7,2-Liter-Magnum-V8. Das volle Konzert also. Die Kraft geht zur starren blattgefederten Hinterachse, vorne sind die Räder einzeln aufgehängt – die typische technische Konzeption der Muscle Cars jener Zeit. Großer Motor, aufwändiger Vergaser, überschaubare Masse, das lässt auf satte Fahrleistungen schließen. Bingo! Der 7,2-Liter ist für den Standard-Sprint von 0 auf 100 in rund 5,8 Sekunden und eine Spitzengeschwindigkeit von knapp 240 km/h gut. Wenn man sich erst mal mit der einen kräftigen Tritt fordernden Kupplung angefreundet hat, nimmt man das exakt schaltende Getriebe dankbar zur Kenntnis, auch das Lenkrad lässt sich dank dank Ami-typischer Servounterstützung locker mit dem kleinen Finger drehen. Das Handling ist ohne Fehl und Tadel, wenn auch die Muscle Cars natürlich originär für die unendlich langen Geraden der US-Routes gebaut und gekauft wurden.

Der Absatz im ersten Jahr lief prächtig, 76.935 Coupés und Cabriolets konnten 1970 verkauft werden. In den folgenden Jahren erhielt der Challenger kleine Veränderungen an Grill, Front- und Heckpartie. Von anfangs neun verschiedene Motoren wurden aufgrund verschärfter Abgasnormen und der Ölkrise ab 1972 nur noch drei angeboten, der 6-Zylinder flog 1973 aus dem Programm. Die Verdichtung der Aggregate wurde zwecks Entgiftung gesenkt, was die Leistung etwas beschnitt, dafür wurde die Serienausstattung üppiger. 1972 verschwand das Cabriolet genauso wie das großvolumige 7,2-l-V8-Aggregat aufgrund enttäuschender Absatzzahlen, und nach 164.437 Challenger in fünf Jahren Bauzeit war im April 1974 Schluss. Der Dodge wurde übrigens nicht nur in den USA gebaut, sondern zum Teil auch in Rotterdam montiert. Der Big Lift funktioniert also auch damals schon.

Von 1978 bis 1983  wurde der Name Challenger wiederbelebt: eine von Dodge in die USA importierte Variante des Mitsubishi Sapporo erhielt den stolzen Namen – das  wirklich einzige, was ihn mit dem Mopar Muscle der Siebziger verband. Erst 2006 entstieg der Phönix der Asche: Auf der Noth American International Auto Show wurde ein Challenger Concept im Retro-Design präsentiert, basierend auf der verkürzten DaimlerChrysler LX-Plattform. Er hatte einen 6,1-l-Hemi-V8-Motor mit Schaltgetriebe und deutliche Anleihen an das Design des Challenger von  1970. 2008 ging er als SRT8 in Serie – die Legende war zurück.

Der Challenger R/T war, ist und bleibt die Inkarnation des kompromisslosen Muscle Cars. Seine kaum zu zügelnde Wildheit, höllisch viel Dampf und der All-American-Dream nach Freiheit sind ihm ins Gesicht geschrieben. Daran hat sich auch in 50 Jahren nichts geändert.

Technische Daten:

Baujahr: 1970
Motor: V8
Hubraum: 7.205 ccm (440 cui)
Leistung: 280 kW/380 PS
Max. Drehmoment: 654 Nm
Getriebe: 4-Gang-Handschalter
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 4.859 / 1.993 / 1.285 mm
Extras: Vinyldach, Rallye-Instrumente
Beschleunigung 0-100 km/h: 5,9 s
Top-Speed: 211 km/h
Preis/Wert: 77.000,- Dollar

Wir danken GatewayClassicCars in Philadelphia/USA für die freundliche Unterstützung

 

Autor: Marion Kattler-Vetter – Fotograf: Nico Meiringer
Print Friendly, PDF & Email