Ford Mustang Shelby 302 GT – Ein Stall wilder Pferde

Wenn Bastian Ebener und sein Team von American Muscle Motorsports & Services etwas anpacken, dann richtig – wie bei diesem starken Rennpferd

In einer äußerlich eher unscheinbaren Werkstatt nahe der holländischen und belgischen Grenzen bringen Bastian Ebener und sein Team von „American Muscle Motorsports & Services“ zahlreichen historischen US-Cars nach langen Ruhezeiten wieder das Laufen bei. Viel mehr sogar, denn der Großteil ihrer Kundschaft bevorzugt das Rennen als Haupt-Gangart. Der Historische Motorsport ist auch für das junge Werkstatt-Team bereits seit Jahren bevorzugtes Aufgabenfeld.

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„Ich hatte nach meinem abgeschlossenen Maschinenbau-Studium die Möglichkeit, die Werkstatt zu übernehmen, in der ich schon seit längerer Zeit neben dem Studium geschraubt und den Großteil meiner Freizeit verbracht hatte“, erklärt Bastian Ebener im Gespräch. „Schon von klein auf bin ich durch meinen Vater zur ‚Oldtimerei‘ gekommen; noch bevor ich meinen Führerschein hatte, habe ich einen Jeep restauriert und mir gleich im Anschluss meinen ersten Mustang gekauft.“

Diesen restaurierte er eigenhändig, die Liebe zu amerikanischen Sportwagen ist seither und scheinbar für immer entflammt.

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Die Trans Am als Vorlage

Ein Dodge Olympia Charger und verschiedene Ford und Shelby Mustang wurden bereits von ihnen für Renneinsätze vorbereitet und bei zahlreichen Events betreut, woraufhin die Aachener auf der Suche nach einem FIA-konformen, zuverlässigen und siegfähigen US-Sportler nach historischem Vorbild waren. Über die Idee, einen 67er „Big Block“-Mustang im Historischen Rennsport einzusetzen, stieß die junge Truppe auf eine weitere interessante Homologation. „Wir ließen uns die Homologation für einen solchen Mustang mit 399 cui-Motor vom DMSB kommen und stellten fest, dass es durch die wenigen erlaubten Modifikationen kaum Sinn machen würde, ein solches Fahrzeug einzusetzen,“ erläutert Geschäftsführer Ebener. „Wir wären anderen Fahrzeugen der Periode G immer hinterher gefahren.“ Mit der Homologation 1510 wurden sie schließlich fündig, in dieser war der Shelby Mustang der 68er Trans Am-Saison als „Ford Mustang 302 GT“ zu finden.

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„Vorlage war ein Auto, das in der Trans Am gelaufen ist,“ erinnert sich Ebener, „Shelby hat für die Saison 1968 fünf solcher Fahrzeuge aufgebaut.“ Gleich beim ersten Einsatz, bei den 24 Stunden von Daytona 1968, konnten Jerry Titus und Ronnie Bucknum mit ihrem roten Shelby Mustang 302 GT einen dicken Überraschungserfolg landen. Sie gewannen nicht nur die Trans-Am-Tourenwagen-Kategorie, sondern fuhren auch noch zwischen die Renn-Prototypen auf den vierten Platz im Gesamtklassement, noch vor die drei Autodelta-Alfa Romeo Tipo 33/2 von Udo Schütz/Nino Vaccarella, Mario Andretti/Lucien Bianchi und Mario Casoni/Giampiero Biscaldi/Teodore Zeccoli. Bei den 12 Stunden von Sebring 1968 gelang dann mit dem fünften Platz im Gesamtklassement gleich noch einmal ein Achtungserfolg.

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„Kurz darauf wurde allen fünf Shelby-Mustangs der neue, sogenannte ‚Tunnelport-Zylinderkopf‘ verpasst,“ erläutert Ebener die Umstände, denn damit begann damals eine Pechsträhne. „Durch die hervorragenden Fließ-Eigenschaften des Zylinderkopfes konnte der Motor nun bis knapp 9.000 Umdrehungen schaffen, was für den verbauten Ventiltrieb zu dieser Zeit zu viel war: Es gab Motorenprobleme am laufenden Band.“

Ein 67er Mustang Coupé als Basis

Doch auch trotz solcher „Negativ-Schlagzeilen“ ließ das Team von „American Muscle Motorsports & Services“ nicht locker, die Rohdaten des Mustang 302 GT waren einfach zu vielversprechend. Rund 480 PS, wesentlich mehr Freiheiten beim Aufbau des Fahrzeugs und zusätzliche Versteifungsmöglichkeiten für Fahrwerk und Karosserie ließen es in den Fingern jucken. Kurzentschlossen wurde mit einem 67er Mustang Coupé die benötigte Basis erstanden.

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Im ersten Schritt wurde die Karosserie entlackt und versteift, dann ein maßgeschneiderter Überrollkäfig in Auftrag gegeben und in der Zwischenzeit bei Spezialisten in den USA entsprechende Teile für Motor, Getriebe und Fahrwerk geordert.

„Das Auto ist komplett versteift,“ ergänzt Mustang-Spezi Ebener, „so wurde die Karosserie zum Beispiel an den gesamten Nähten, die im Serienmodell nur punktgeschweißt sind, nachgeschweißt, und es wurden an vielen Stellen Verstärkungsbleche eingesetzt.“ Auch die Innen-Kotflügel seien für die Verbreiterungen maßgefertigt worden, und das Gesamtgewicht läge mit halbvollem Tank bei nur 1.240 Kilogramm.

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480 PS und bis zu 8.000 Umdrehungen

Während die entlackte Karosserie und der neue Käfig zusammengeführt wurden, setzte sich das Team um Bastian Ebener an den Aufbau von Motor und Getriebe. „Im Gegensatz zum Serienmotor 
bekam der Motor rollengelagerte Nockenwellen und Kipphebel, einen Vierfachvergaser und spezielle, hochverdichtende Kolben,“ erläutert der studierte Ingenieur. „Am Ende hatten wir einen Rennmotor auf dem Prüfstand, der an die 480 PS leistete und bis in die 8.000 U/min hinein drehte.“

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Basis ist ein neuer Ford Racing-Motorblock Typ 302 Boss mit vierfacher Verschraubung auf dem dritten Kurbelwellenlager. Das dichtere Metallgefüge macht ihn zwar etwas schwerer, dafür aber auch wesentlich dichter und stabiler. Garniert wurde der Motorblock mit einer geschmiedeten Kurbelwelle, geschmiedeten Pleueln und Kolben, einem feinbearbeiteten Grauguss-Zylinderkopf, speziellen, rollengelagerten Nockenwellen mit passenden, drehzahlfesten Ventilen und Ventilfedern, kugelgelagerten Kipphebeln und rollengelagerten Stößeln, die im Gegensatz zu den 65er und 66er Mustangs im Trans-Am-Mustang für die Gruppe 2 homologiert sind.

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Der Mustang erhielt außerdem ein Viergang-Schaltgetriebe mit Magnesium-Guss-Gehäuse, ein Sperrdifferential an der Hinterachse, Längszugstreben an der Vorderachse zum Stabilisieren der Achse beim Beschleunigen und ein Wattgestänge an der Hinterachse, damit sich die Achse beim Einfedern nicht verschiebt und das Fahrzeug nicht „rollt“. Des Weiteren wurden Koni-Dämpfer rundum sowie verstärkte und erleichterte Querlenker, die auf Kugellagerung umgebaut wurden, spendiert.

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Der Shelby-Schriftzug ist lackiert

Wert legten die schraubenden Aachener vor allem auf Detailarbeit, da das Auto ein Aushängeschild für den jungen Betrieb werden sollte. So wurde der Käfig beispielsweise zum Teil hinter das Armaturenbrett verlegt und eine Schalterbox für diverse Kippschalter wurde in der Karosserie integriert. Öffnungen im Innenraum wurden mit Vinyl-bezogenen Alublechen wieder verkleidet, und die Instrumenten-Verkleidung ist dem Original nachempfunden.

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Neben erleichterten Türen ist der Leichtbau in der Homologation des Mustang 302 GT sogar so weit erlaubt, dass Heck- und Seitenscheiben aus Makrolon gefahren werden dürfen. Dem Perfektionismus des Teams ist geschuldet, dass sogar der Shelby-Schriftzug wie beim Original lackiert und nicht geklebt wurde.
Eine gute Ersatzteilversorgung sei mittlerweile gewährleistet, sogar komplette Ersatzkarossen wären in den USA 
erhältlich, lässt er noch durchblicken. Die zahlreichen Arbeitsschritte ließen den Erfahrungsschatz der Spezialisten nochmal anwachsen, die Fertigstellung des ersten Trans-Am-Mustang machte Lust auf mehr.
Ein zweiter Ford Mustang 302 GT soll bereits irgendwann im Frühjahr 2014 fertiggestellt und in der Fahrergemeinschaft Historischer Rennsport eingesetzt werden.

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Fotos: Michael Thier

 

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