Squadra Bianco Azzurro : Ferrari Mondial von Roland Hufschmid


Squadra Bianco Azzurro: Ferrari Mondial von Roland Hufschmid

Am Mondial scheiden sich die Geister. Mauerblümchen aus Maranello wurde er genannt, Ferrari für Einsteiger und zu wenig sportlich für die Markenehre. Alles Quatsch. Der blaue Mondial QV von TRÄUME WAGEN-Leser Roland Hufschmid beweist das Gegenteil und ist auf dem besten Weg zum gesuchten Klassiker

 

Kein anderer Ferrari musste so viel Spott und Häme über sich ergehen lassen wie der Mondial. Als er 1980 vorgestellt wurde, schaffte der 3-Liter-V8 gerade 214 PS. Der 1,5-Tonner sollte offiziell in 7,4 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, brauchte aber meist mehr als 9. Auch die avisierte Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h erreichte er nur mit viel Anlauf – oder auch gar nicht.

Ok, es waren schwierige Jahre damals, die verschärften US-Abgasvorschriften kastrierten alle Sportwagen, auch der Porsche 911 hatte in den USA damals nur müde 172 Pferdchen. Es war aber nicht nur die Tatsache, dass sich der Mondial ein wenig flügellahm vorwärts bewegte. Dazu kam das ungewöhnliche Design des Einsteiger-Ferrari, der beste Entwurf in der Pininfarina-Geschichte war er wohl nicht. Die Proportionen stimmten irgendwie nicht, der 2+2-Sitzer mit Heckmotor wirkte zu lang für seine Breite, hinten zu wuchtig, vorne zu filigran. Bis 1982 wurden 704 Mondial der ersten Generation gebaut, 1982 kam der Mondial QV (Quattrovalvole), mit der Vierventil-Technik stieg die Leistung auf 240 PS. 1983 kam das Cabriolet, 1985 der stärkerer 3.2, 1988 der Mondial t mit längs statt bisher quer eingebautem 3,4-l-Motor und 300 PS. Dass bis 1993 insgesamt über 6.000 Mondial gebaut wurden, hat den Vorteil, dass noch genügend Ersatzteile vorhanden sind und die meisten der einst ungeliebten Viersitzer noch auf der Straße bewegt werden.

Ein absolut glühender Verehrer des Underdogs ist TRÄUME WAGEN Leser Roland Hufschmid. Nicht genug damit, dass der Schweizer seinen 83er Ferrari in dezentem Blaumetallic statt im klassischen Rot fährt, er jagt ihn auch beherzt über alpine Bergstrecken und fährt erfolgreich Rennen – als einziger Mondial in der Schweiz. Trotz kompletter Rennsport-Umrüstung – tiefergelegtes Fahrwerk, Bremsen mit Rennbelägen, 3-teilige 17″ INDY-Felgen mit Sportreifen, ANSA-Sportauspuff, Sportluftfilter und das ganze Sicherheitspaket samt Überrollkäfig – hat der Dreiliter-270-PS-Renner eine Straßenzulassung.

Geradezu diebisch freut sich Hufschmid, wenn er mal wieder im Mittelpunkt steht. „Ich staune immer wieder, wie unbekannt der Mondi bei den Leuten ist. Auf dem Rennplatz wird er immer rege fotografiert und hinterfragt. Schon zweimal wurde mein Auto zum schönsten Wagen auf dem Rennplatz gewählt, was mich sehr stolz macht“, bietet er Spöttern und Neidern Paroli und lässt auch sonst nichts auf seinen Liebling kommen. „Die vielen Räubergeschichten über das Auto nehme ich nicht ernst“, meint er souverän, „die sind meist von Leuten geschrieben die nie einen Mondial gefahren haben und den Wagen nicht verstehen. Über das Design kann man streiten, da gebe ich den Kritikern recht, aber Pininfarina hatte es nicht leicht, die geforderten 2+2 Sitze unterzubringen. Alles Geschmacksache. Meine Einsätze bei Bergrennen und Rallyes zeigen jedenfalls, wie agil der Wagen trotz des langen Radstandes ist. Das Fahrwerk ist dem des 308 absolut ebenbürtig.“

Die Liebe Hufschmids zum Mondial währt schon länger als ein Jahrzehnt. Er machte sich ganz gezielt auf die Suche nach exakt diesem Modell und wurde 2004 fündig. „Ich hatte schon immer eine Schwäche für Underdogs“, schmunzelt er, „der Wagen kommt aus einer Ferrari-Sammlung und war der Kleinste, sehr gepflegt, immer gut gewartet und mit gerade mal 23.000 km auf dem Tacho. Ich habe den Wagen sofort gekauft und für den Rennsport umgerüstet.“ Trotz fleißiger Ausritten auf Schweizer Bergstraßen und vieler Rennveranstaltungen hat sich nichts am Zustand verschlechtert. Rost ist dank Dinol-Behandlung kein Thema, den zweijährlichen MFK (TÜV) hat der blaue Italo- Renner immer auf Anhieb geschafft. „Ich wollte immer ein Auto, an dem man noch richtig selber schrauben kann“, erklärt der gelernte Werkzeugmacher-Meister sein Faible für den blauen Renner, „ich mache alles selbst, sonst wird´s auf Dauer sehr teuer.“ Als Ruheständler hat Hufschmid viel Zeit, in seiner blitzsauberen Werkstatt zu basteln, benötigte Teile zu besorgen und seine Sammlung an Spezialwerkzeugen zu erweitern. Die Familie trägt das Luxushobby mit Fassung, die Gattin ist selbstverständlich mit von der Partie, wenn es zum alljährlichen Besuch der Notte Rossa nach Maranello geht, um dem legendären Commendatore im Heiligen Gral der Ferraristi zu huldigen.

Ein bisschen Kult muss sein, wenn man einen solchen Exoten fährt, das zeigt sich auch im heimischen Hildisrieden, wo der eidgenössische Tifoso sein ganz persönliches Paradies pflegt. Ein komplettes Zimmer ist der Marke mit dem Cavallino Rampante vorbehalten, hier stapeln sich 60 dicke Aktenordner mit allen erdenklichen Mondial-Devotionalien, Informationen, Reparaturanleitungen, Originalprospekten, dazu Modellautos, Medaillen und die zahllosen Trophäen aus 14 Jahren Rennsport. „Mein kleiner Ferrari V8 wird seinen Wert auch noch erhalten“, ist sich Hufschmid sicher, „dem Dino schenkte vor ein paar Jahren auch niemand Beachtung. Ich lasse mir meinen Hengst jedenfalls nicht madig machen und fahre, fahre, fahre…“ Recht so. Da wünschen wir doch allzeit guten Grip und viel Spaß in der Schraubergarage.

Autor: Marion Kattler-Vetter – Fotos: Roland Hufschmid
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