Ford Taunus P5 20M 1964 vs. Dodge Dart Swinger 1972

Mopar gegen Kuschel-Limo

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Ein amerikanischer Sechsliter-MOPAR und eine biedere deutsche Familienkutsche streiten sich: Wer ist der Geilste, der Schnellste, der Verrückteste? Die Besitzer duellieren sich im Juli in ihren Autos auf einem Drag Strip im Norden Deutschlands und lassen ein bisschen mehr als nur die Sau raus

Schuld an allem ist Michael, der Betreiber einer Werkstatt, in deren Ecke ein turbobefeuerter Polo im Dornröschenschlaf von einer nie geheilten Leidenschaft erzählt. Mit seinem 400-PS-Kraftzwerg war er einst gern gesehener Gast bei Beschleunigungsrennen. Die Speed-Infektion und das chronische Lamento der Dragsterszene über zu wenige Rennen gaben 2010 den Startschuss für das legendäre „Jade Race“ am norddeutschen Busen der Natur auf dem Jade-Weser-Airport bei Wilhelmshaven.

Busen kommt an: Mit zäher Hartnäckigkeit hat der Schrauber aus Varel das Rennen inzwischen auf jedem Rennkalender etabliert. Auf genau dieser langen Startbahn des Flugplatzes Mariensiel, die Michael einmal im Jahr für G-Kraft-süchtige Gasfüße reserviert, begann die Geschichte einer wunderbaren Feindschaft: Das deutsch-amerikanische Duell zwischen Martin und Buschi. Zwischen fettem Mopar und deutscher Behaglichkeitslimousine. Zwischen Muskel-Dodge mit Dragstrip-Genen und Familien-Ford Taunus 20M, den auch ein Dachgepäckträger nicht weniger schnittig machen würde.

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Mopar Pilot Buschi hatte den Fordfahrer 2010 überredet, seine Karre für das „Jade Race“ zu melden. Nach überstandener technischer Abnahme rollte der 64er Familiensedan aus Köln erstmals an die Startampel eines Dragstrips, das Ziel in 402,5 Meter Entfernung. Das Ergebnis des Laufes: Der 20M rollte mit 73,10 km/h gute acht Sekunden hinter dem Dodge (der mit auch nicht gerade beeindruckenden 151 km/h in 16 Sekunden durchs Ziel fuhr). Da Männer sich ständig messen müssen, sollte ein zweiter Lauf die deutsche Ehre retten. Doch dann versagte der Vergaser, und der mattschwarze Ford musste – im Verlauf des Renntags mehrfach – aus dem Start geschoben werde. Game over: Das Kräftemessen wurde verschoben.

Aus im Ehrgeiz verfeindeten Schrauberkollegen wurden Hallennachbarn. Seitdem müssen die Beleidigungen nur noch über den Hof getragen werden, und jeder kann die pimpenden Maßnahmen des anderen aus der ersten Reihe verfolgen. „Scheunenschrauberei“ nennt Buschi die Ambitionen vor Martin, der in den letzten drei Jahren solide aufgerüstet hat. Ein 2,8-Liter-Triebwerk aus dem Hause Ford ersetzt den originalen Sechszylinder, mehrfach geänderte Achsübersetzungen sollen das Mehr an Leistung optimal auf die Straße bringen. Eine kontaktlose Zündung befeuert den Motor, der Fahrer wird von Renngurten aufs Recaro-Gestühl gefesselt. Ein kompromissloser Maßanzug für brachiale Geschwindigkeit, wenn man von den langen Schaltwegen der… äh… Lenkradschaltung mal absieht.

Auch Buschis Mopar hat an Hubraum und Leistung zugelegt. Das fein abgestufte Schaltgetriebe bewährt sich täglich auf dem Innenstadtrennen zur Arbeit. Die Behauptung, dass sich seine Vorbereitungen für die brutale Gegenüberstellung auf regelmäßige Wagenwäschen beschränken, ist reine psychologische Kriegsführung. Er schraubt und verbessert täglich, Buschi hat schon einige teure Lektionen aus dem Lehrbuch der Rennschicksale hinter sich gebracht. Auf einem Folgerennen hat der optimistische Umgang mit hohen Drehzahlen den Ventiltrieb verbogen. Seitdem werden die Leistungsspitzen mit programmierter Zündung gekappt. Verrät er aber Martin nicht.

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Ob diese Rechnung auf dem Strip aufgeht, konnte Buschi noch nicht testen, mit bummeligen 400 Pferden müsste der Midsize Mopar theoretisch deutlich unter 14 Sekunden erreichen. Um das wirklich zu testen fehlt die Zeit. Noch knapp zwei Wochen bleiben bis zur Quartermile auf dem Jade Race 2014, bei dem sich die beiden gegenüber stehen werden. 300 Fahrzeuge liefern sich am 19. und 20.Juli auf Mariensiel spannende Rennen. Mit Leistungen über 1.000 PS und Zeiten um acht Sekunden gehört das Rennen auf dem Flugplatz im Norden zu den ambitioniertesten Rennen jenseits des FIA-Laufs auf dem Hockenheimring.

Veranstalter Michael bringt für schnelle Zeiten Kleber auf die Strecke, was sonst eigentlich den FIA-Rennen vorbehalten ist. Krass. Er hat sogar in nächtlichen Überstunden den ersten Gegenläufer Europas gebaut: Einen Anhänger mit gegen die Fahrtrichtung drehender Achse, der auf zwei breiten Felgen alte Rennreifen trägt. Deren Gummi wird vor den Läufen in die Piste radiert. An mangelnder Traktion wird es also bei der Austragung des deutsch-amerikanischen Duells nicht mangeln.

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Auch die Zuschauer genießen wieder den Blick auf die Strecke von der längsten Tribüne der Welt – dem Deich. Dabei hilft das großzügige Gelände: Die Startbahn ist 1.459 Meter lang, 30 Meter breit und bietet auch für die stärksten Fahrzeuge eine üppig bemessene Brems- und Auslaufzone. Für die bis auf die tausendstel Sekunde präzise Zeitnahme steht die in vielen Rennen bewährte Crew der DHRA aus Holland zur Verfügung. Die Jungs messen und dokumentieren die Zeiten jedes Laufs und sorgen auch für eine schnelle und professionelle technische Abnahme. Den Zuschauern erklärt der legendäre Streckensprecher Benni Voss (“Deutschlands schnellste Schnauze“) das Renngeschehen. Das Publikum hat uneingeschränkten Zugang zum Fahrerlager und zur Zuführung der Rennwagen auf die Strecke, dem so genannten Line-up. Interessierte können den Rennwagen unter das Blechkleid schauen und sich von Fahrern und Mechanikern in die Geheimnisse der Geschwindigkeit einweihen lassen. Martin und Buschi werden mittendrin stehen, und sie werden sich wie immer böse angucken, sich beleidigen und das Auto des anderen schlecht reden. Das gehört schon zum Programm und war in der Vergangenheit recht erfolgreich, vom Entertainmentfaktor einmal ganz abgesehen.

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Und insgesamt? Alles ganz locker. Das Jade-Race steht nicht nur den Fahrern offen, die seit Jahren mit der Droge des Dragracing infiziert sind. Auch Einsteiger sind willkommen. Wer einmal wissen will, wie lang Sekunden werden können, wenn man auf der Jagd nach Geschwindigkeit ist, meldet sich einfach an und erscheint im Juli auf dem Flugplatz. Da stehen dann auch ein oranger 1972er Dodge Dart und ein schwarzer 1964 Ford Taunus. Schlimmer geht immer, aber schneller geht nimmer…

www.jade-race.de

Technische Daten

  Ford P5 Taunus
20m TS
Dodge Dart Swinger 

2-Door Hardtop
Baujahr: 1964 1972
Motor: Köln V6, Doppel-Fallstromvergaser (Solex) V8 Small Block, Holley 750 Vergaseranlage
Hubraum: 2,8 l 6,1 l (372 cui)
Leistung: 110 kW (150 PS) bei 5.700/min 320 kW (430 PS) bei 6.000/min
Max. Drehmoment: 209 Nm bei 4.000/min 550 Nm bei 4.800/min
Getriebe: Viergang-Lenkrad Schaltung 5-Gang- Handschaltung
Antrieb: Hinterräder Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 4.635/1.715/1.480 mm 5.000/ 1.770/1.330 mm
Leergewicht: 965 kg 1.150 kg
Beschleunigung: 0-100 in 10,5 s 0-100 in unter 7 s
Top Speed: 160 km/h über 200 km/h
Wert: ca. 4.400 Euro ca. 20.000 Euro

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Fotos: Kris Karathomas, kick n rush

2 Gedanken zu “Ford Taunus P5 20M 1964 vs. Dodge Dart Swinger 1972

  1. Hi,

    Wir haben so einen Taunus in schön 😉 und wüssten zu gerne wie das Rennen ausging. Leider finde ich nichts im Netz… Ich fürchte fast, der Dart hat gewonnen, oder?

    Vielen Dank und viele Grüße
    Olli

  2. Moin Olli,
    Ja! Die zwei haben immer noch eine Schraube locker und fahren immer noch Drag Racing! Wobei Buschi mittlerweile in einer schnellerem klasse startet und letztes Jahr 2015 bester Deutscher und Vizemeister wurde und in diesem Jahr 2016 nur dritter der DHRA Serie! Über die Schönheit des taunus kann man sich streiten 🙂 wobei er äußerlich und im Innenraum natürlich wieder zum Original gebaut wurde und der lack ist immer noch ab! Ist schließlich ein Oldtimer! 😉 noch mehr Interesse am Taunus ? besten Gruß

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