GERMAN BIEST – Ein germanischer Hot Rod zeigt´s allen

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GERMAN BIEST – Ein germanischer Hot Rod zeigt´s allen

Du siehst nichts. Aber deine Ohren sagen dir: Da ist was. Und es ist groß, böse und laut. Es kommt näher, und als es um die Ecke biegt, gefriert dir das Blut in den Adern. Das dumpfe Grollen weicht einem infernalischen Gebrüll, all die Oldskool Karren, Youngtimer und Jetztzeit-Autos sind plötzlich nur noch Staffage. Der 1932er Opel 18B ist ein geradezu einschüchterndes Exemplar eines Hotrods – fies, tief und krawallig!

Sobald die geflashte Menge wieder einigermaßen normal ventiliert, wird der Dompteur des Monsters mit Fragen gelöchert. „Wie hast du das gemacht?“ „Was hast du da für einen Motor drin?“ Und „Wie kommt man in diesen Rod rein und raus, ohne sich die Beine zu brechen?“

Christians Annäherung an den Bau eines Hotrods ist selbst für amerikanische Verhältnisse reichlich unkonventionell. Seine Autogeschichte fängt 2006 mit einem Dodge Pick-up an und hatte mit einem Rod zunächst gar nichts zu tun.

Erst zwei Jahre später fing die ganze verrückte Autobauerei an. Christian entschied sich jedoch nicht für ein amerikanisches Basisfahrzeug, sondern ersteigerte bei Ebay etwas Einheimisches, einen Opel 18B aus dem Jahr 1932. Zumindest das, was davon übriggeblieben war. Es gibt nicht viele Hotrods mit einem europäischen Basisfahrzeug, eine Handvoll Schweden nehmen alte Volvos dafür, aber in Deutschland sind es noch weniger. Christian suchte lange, bis er auf den Opel stieß, wahrscheinlich ein Scheunenfund, heruntergekommen, rostig und eigentlich am Ende seines Daseins, aber angetrieben von einem amerikanischen V8. Die perfekte Hülle für sein Projekt.

Als absolut fanatischer Petrolhead machte er alles selber, lernte schnell und stellte bald seine eigenen Kotflügel, Motorhauben, Dekorationen her, schweißte Rahmen und stanzte seine eigenen Muster. Ein Besuch in seiner Werkstatt ist eine Offenbarung:  Stanzmaschine, Bördelwerkzeug, Kantbank, Schweißgeräte, Hebebühnen – alles da. Und in der Halle nebenan steht ein Sammelsurium an amerikanischen Karosserien, halbfertigen Autos, Bodengruppen und Blechteilen – viel Potential für zukünftige Rods und Customs.

Die Evolution des Monsters ähnelt der vieler Restos: Die Karosserie musste vom Rahmen runter, jener wurde geschweißt, sandgestrahlt und lackiert. Und dann kamen die Hotrod-typischen Feinheiten. Die Karosserie wurde einer kompletten Schönheits-OP unterzogen, „Channeling“ war das erste, das heißt, er schnitt den Boden heraus und setzte ihn höher in die Karosse, damit die tiefer auf dem Rahmen sitzt, ohne dass das Fahrwerk zu sehr geändert werden muss. „Sectioning“ ist im Prinzip ähnlich, Christian zerschnitt die Karosse horizontal, nahm einen 8-cm-Streifen heraus und schweißte die Hälften wieder zusammen. Als würde das noch nicht reichen, ging er gleich zum „Chopping“ über, schnitt kurzerhand das Dach ab und kürzte Scheiben und A-, B- und C-Säulen um gute 10 cm. Ergebnis? Gedrungen, tief, bullig und furchteinflößend!

Der Motor ist genauso eine interessante Mischung wie das Auto selbst.  350 cui (5,7l) V8 aus einem 93er Chevy Transporter,  Zylinderköpfe aus einem 5,4l Opel Diplomat. Die scharfe Nockenwelle kam von „Competition Cams“ aus Memphis, abgerundet durch eine Schmiedekurbelwelle, einen 650er Holley Double Pumper Vergaser und einen „Lakeside Header“ Abgaskrümmer, ein th350 Getriebe, eine Chevy Vorderachse sowie eine gesperrte 9“ Hinterachse aus einem Ford – das sollte reichen, um dem Motor standzuhalten.

Bleibt das Fahrerlebnis. Gigantisch. Eingezwängt wie in einer Sputnik Raumkapsel macht sich Gänsehaut breit. Der Rod schüttelt sich ins Leben, es duftet nach Benzin und brüllt aus offenen Auspuffrohren in die Ohren. Das Konzept geht auf, alles macht  Sinn: Kein Schnickschnack, man sitzt im Bauch einer Bestie, die aus jedem Winkel Kraft atmet. Der Eurorod muss sich hinter keinem Ami verstecken. Die Kombi aus perfektem Design und mühevoller Handarbeit lässt selbst eingefleischte Hotrodder vor Ehrfurcht erstarren. Show goes on.

Autor und Fotograf: Rene Bauer
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