Kaufberatung Ford Thunderbird Series 1 – Early Bird

Die Beach Boys besangen ihn, der Sänger Roy Orbison besaß einen, und für zigtausende Amerikaner ist er schlicht der Inbegriff des erschwinglichen Sportwagens aus “Gods own country”: der Ford Thunderbird. Verallgemeinern lässt sich allerdings nichts, was unter diesem Namen lief, denn die Donnervögel wurden bei fast jedem Modellwechsel radikal “umgekrempelt”. Für viele ist aber der erste, der “Early Bird”, der einzig Wahre. Wir haben einem unters Gefieder geschaut

AM112011_6999_ford_thunderbird-00Auch wenn es sicher spannend wäre, den Legenden auf den Grund zu gehen, die sich um das den Beach Boys-Titel “Fun, fun, fun” (…til her Daddy took the T-Bird away …) ranken – wir könnten uns zu weit von dem Donnervogel entfernen. Aber so viel Zeit muss sein: Dem Welthit, der für Ford zweifellos ein willkommenes “Product Placement” für den Wagen darstellte, soll eine wahre Begebenheit zu Gunde gelegen haben – eine Liaison zwischen dem Drummer der Beach Boys und einem High-School-Mädel. Angeblich lieh sie sich regelmäßig den T-Bird ihres Vaters aus – vorgeblich, um damit zum Lernen zur Bibliothek zu fahren. Tatsächlich aber soll sie das “Freizeitprogramm” mit dem Auto vorgezogen haben, bis ihr der Alte auf die Schliche kam und den Wagen konfiszierte. Was wiederum die Beach Boys zu einem ihrer berühmtesten Lieder inspirierte.

ford_thunderbird-01

Wir wollen davon ausgehen, dass es sich wie bei dem Objekt unserer Kaufberatung auch um einen frühen T-Bird, – einen so genannten “Early Bird” oder “Classic Bird” – gehandelt hat, denn in dem von 1955 bis 1957 gebauten Zweisitzer hätte eine niedliche Schülerin oder Studentin zweifellos die beste Figur abgegeben. Der ab 1958 gebaute Nachfolger war bereits ein opulenter Viersitzer, der von “Vogelkundlern” heute zur Unterscheidung “Square Bird” genannt wird. Noch später uferten die Donnervögel in allen Dimensionen immer weiter aus – bis hin zum Sechssitzer gab es dann noch “Bullet Birds”, “Flair Birds”, “Glamour Birds”, “Big Birds”, “Torino Birds”, “Box Birds”, “Aero Birds”, “Super Birds” und “Retro Birds” – bis die Baureihe 2005 schließlich komplett eingestellt wurde.

Wirklich schade wars nicht drum. Denn die letzten breiten Modelle kamen zwar mit gefälligem Retro-Design des “Ur-Vogels” auf den Markt, aber zum richtig lieb haben taugt das Original allemal besser – vor allem, wenn es sich in so hervorragender Verfassung präsentiert wie unser Fotomodell aus dem Bestand des renommierten Hamburger Oldtimer-Händlers Claus Mirbach.

ford_thunderbird-02Dieser T-Bird stammt aus dem ersten Modelljahr 1955, und dies ist nach Überzeugung von Mirbach-Mitarbeiter Matthias Wrage das Schönste von allen. Der 1956er trug bei insgesamt nur wenig verändertem Design schon das “Continental Kit” mit dem stehenden Reserverad am Kofferraumende, was der ansonsten ausgewogenen Optik nicht unbedingt förderlich war. Er entsprach damit auch am Ehesten seinem damaligen Konkurrenten von GM, der Chevy Corvette, wobei festgestellt werden muss, dass der T-Bird mit einer üppigen, komfortorientierten Ausstattung und dem Qualitätseindruck seiner Stahlblech-Karosserie (die Corvette hatte eine GFK-Außenhaut) eigentlich in einer anderen Liga spielte.

Nicht nur bei den Außenabmessungen und beim Styling wird deutlich, dass der Blick bei der Entwicklung des T-Bird nicht nur nach Detroit gerichtet war, sondern auch nach Europa. Es ist überliefert, dass der damalige Generalmanager der Ford Division, Louis Crusoe, sowie der Chefdesigner George Walter ziemlich beeindruckt vom 1951er Pariser Autosalon zurückkehrten und die Entwicklung eines an europäischen Vorbildern orientierten Sportwagens planten. Ein Vorhaben, das allerdings durch die Markteinführung der Corvette wesentlich beschleunigt wurde.

ford_thunderbird-03

1: Von der Kotflügelinnenseite her schwierig einsehbar, aber ziemlich rostanfällig: Der Bereich um die Lampentöpfe

ford_thunderbird-04

2: Die Kotflügel sind leider mit der Karosserie verschweißt, was Instandsetzungsarbeiten erschwert

ford_thunderbird-05

3: Eine Blende erschwert die Schweller-Inspektion auf Rost von oben…

ford_thunderbird-06

4: … eine genaue Untersuchung von unten ist allerdings ebenso unerlässlich …

ford_thunderbird-07

5: … wobei besonders auf die Schweller-Endspitzen geachtet werden sollte

Dem amerikanischen “Way of life” folgend, glänzt der kompakte T-Bird mit Luxus und Raffinesse im Detail. Tatsächlich bietet einem der Wagen an jeder Ecke “Aha-Erlebnisse”, technischer wie optischer Art. Es beginnt mit den herrlichen “Marilyn-Bumpers” an der Front und hört mit der ebenso imposanten Auspuff-Durchführung durch die “Düsen” am Heck noch längst nicht auf. Sehr schön gelöst ist auch die Tachometer-Einheit mit “Durchlichttechnik”, bei der die Skala durch eine Plexiglas-Haube von hinten mit Tageslicht beleuchtet wird. Und während beim deutschen VW Käfer Standard jener Jahre zur Sitzverstellung noch Flügelmuttern und Schellen gelöst werden müssen, gleitet beim T-Bird die ganze Bank elektrisch vor und zurück.

Optional ist der Wagen statt mit der Viergang-Handschaltung (mit Overdrive) auch mit “Ford-O-Matic” erhältlich. Serienmäßig steckt ein neu entwickelter Mercury-V8 mit 4,8 Liter Hubraum unter der Haube, der anfangs 193, ab 1956 dann um 202 SAE-PS leistet, als “Special” bis zu 225 SAE-PS. Mit Servo-Lenkung und -Bremse ist das Handling des Wagens ein Kinderspiel, auch wenn man berücksichtigt, dass die Verzögerungsleistung rundherum von Trommeln erbracht werden muss – damals Stand der Technik bei amerikanischen Sportwagen.

Ob man nun das optionale Hardtop ohne oder mit dem skurrilen “Bullauge” bevorzugt (letzteres war ab 1957 erhältlich), ist Geschmackssache. Fakt ist, dass das Verdeck eines ganz frühen T-Birds eher eine Notkonstruktion ist, bei dem eine Plane über ein dürres Zeltgestänge gespannt werden muss. Aber soll man den frühen T-Bird nicht ohnehin offen fahren – mit dem Beach Boys-Klassiker “Fun, Fun, Fun” oder Roy Orbisons “I Drove All Night” aus dem Player?

ford_thunderbird-08

6: Das Verdeck des “Ur-Vogels” ist kaum zu gebrauchen. Schön, wenn ein Hardtop mitgeliefert werden kann. Oder eben nur bei trockenem Wetter fahren

ford_thunderbird-09

7: Schön, wenn die originalen Gummimatten vorhanden und in so hervorragendem Zustand sind…

ford_thunderbird-10

8: …trotzdem sollte man sie zum Check der Bodenbleche von innen unbedingt anheben

ford_thunderbird-11 ford_thunderbird-12
10: Das Reserverad liegt prominent im Kofferraum und lässt kaum Platz für Gepäck, wenn dies auch noch sauber bleiben soll
ford_thunderbird-13
9: Der Rahmen mit dem X-Profil ist insgesamt solide, kann aber an den Knotenpunkten sowie im Kastenprofil rosten. Man beachte die elegante Auspuff-Führung 11: Zur Überprüfung des Kofferraumbodens, der Radkasten-Übergänge und der seitlichen
 “Taschen” muss das Ersatzrad ebenso raus wie die Gummimatte. Am Heckabschlussblech auf
 Knitterfalten (Unfallschäden) achten.

Diagnose des Ford Thunderbird (Series 1) im Detail

Karosserie, Unterboden

Die allerwenigsten frühen T-Birds sind schon in jungen Jahren nach Deutschland gekommen, die meisten wurden (und werden immer noch) als betagte Klassiker aus den USA importiert. Leider durften längst nicht alle angebotenen Fahrzeuge den größten Teil ihres Lebens im gelobten “sunshine state” Kalifornien verbringen. Sie kommen von überall her, weshalb Rost am Chassis und an der Karosserie eines der größten Problemfelder darstellt. Und ebenso leider sind die USA auch bei Pfuschreparaturen als das “Land der unbegrenzten Möglichkeiten” legendär geworden. Deshalb kann unser erster Rat für Selbst-Importeure nur lauten: Nie auf glänzendes Bildmaterial und vollmundige Beschreibungen in Internet-Offerten verlassen und das Auto seiner Träume selbst vor Ort gründlich inspizieren. Es sind mehr Fahrzeuge im Angebot, die eigentlich eine Vollrestaurierung verlangen, als man zunächst annehmen würde. Sicherer (und oft auch günstiger) ist es, ein Auto von einem seriösen Händler in Deutschland zu erwerben, wo man es vor Ort selbst inspizieren kann – und das, falls erforderlich, auch im westeuropäischen Kulturkreis restauriert wurde. Unser Foto-Objekt ist so ein Wagen, der sich in einem so guten Zustand präsentiert, wie man ihn wirklich nicht täglich antrifft – er hat allerdings auch seinen Preis.

ford_thunderbird-14 ford_thunderbird-16
12: Diese Bereiche sind ebenfalls von unten gründlich zu untersuchen.
ford_thunderbird-15
13: Ein robuster Geselle mit herrlichem Sound: Der 4,8-Liter-V8 mit (je nach Baujahr) etwas über oder unter 200 PS. 14: Undichtigkeiten am Motor haben manchmal preiswerte Ursachen wie eine undichte Gehäusedichtung des Ölfilters.

Front, Motorraum und Vorderkotflügel

An der Front sollte die Suche nach aufkeimendem Rost an den Lampentöpfen beginnen, die allerdings genau da, wo es interessant ist (Oberseite vom Radkasten aus) nicht einsehbar sind. Besonders korrosionsgefährdet sind die Bereiche bis inklusive der A-Säule, die im Spritzwasserbereich liegen. Da die Kotflügel verschweißt und nicht angeschraubt sind, ist Korrosion am Übergang zu den Motor-Stehwänden sowie zur Frontmaske schwierig zu beseitigen. Eine zerklüftete Blechstruktur erschwert die Zugänglichkeit zusätzlich. Achten Sie auf schlecht reparierte Unfallschäden – oft an verzogenen und/oder gestauchten Rahmenteilen oder an Blechen wie den seitlichen Motor-Stehwänden zu erkennen. Eine sichere Diagnose verlangt jedoch Erfahrung.

ford_thunderbird-17

15: Unser Fotomodell verfügt über die robuste Ford-O-Matic. Alternativ war ein Vierganggetriebe mit Overdrive erhältlich, dessen Funktion unbedingt zu prüfen ist

ford_thunderbird-18

16: Rumpelnde und schlagende Geräusche von hinten können auf eine defekte Kardanwelle hinweisen, während schabende Geräusche oder ein Heulen vom Differential herrührt.

ford_thunderbird-19

17: “Master Guide – Ford Power Steering”: Die Servolenkung arbeitet US-Car-typisch mit kräftiger Unterstützung. Auf Dichtigkeit des Systems achten.

Schweller

Wie bei fast allen Fahrzeugen dieser Ära sind rostanfällige Schweller ein häufiges Problem. Eine Inspektion von der Außen- und Oberseite genügt nicht, es kommt auch auf die mit kleinen Trägerstücken verstärkten Elemente am Übergang zum Unterboden an, die nur von der Unterseite her sichtbar sind. Hier sollte unbedingt auch den vorderen und hinteren Schwellerenden besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Verdeck/Hardtop

Eigentlich kann man bei einem T-Bird des ersten Baujahrs kaum von einem Verdeck sprechen – es ist ein notdürftiger Schutz gegen Starkregen, der überdies mühsam über die “Zeltstangen-Konstruktion” aufzuspannen ist. Das passt so gar nicht zur übrigen komfortbetonten Ausstattung und lässt sich eigentlich nur damit erklären, dass der T-Bird für den Offen-Einsatz in reinen “Sonnenstaaten” der USA vorgesehen war.

Dieser “Mangel” wurde mit dem Facelift 1956 geändert, wo der Wagen ein normales Klappverdeck bekam. Auf jeden Fall sollte der Zustand des Gestänges und des Bezugs geprüft werden, denn Sattlerarbeiten gehen immer ins Geld. Zahlreiche T-Birds wurden mit einem Hardtop ausgerüstet, dessen Vorhandensein eine weitere Wertsteigerung bedeutet. Zum ersten Baujahr gehört ein Verdeck ohne die markanten seitlichen “Bullaugen”.

ford_thunderbird-20

20: Ausgeschlagene Buchsen der Dreieckslenker und verschlissene Achsschenkel (vernachlässigter Schmierdienst) können die Lenkpräzision ebenso empfindlich beeinträchtigen…

ford_thunderbird-21

21: …wie ein ausgeschlagenes Lenkgetriebe oder ein abgenutzter Umlenkhebel.

ford_thunderbird-22

22: Der T-Bird hat Trommelbremsen rundherum – immerhin sind sie servounterstützt, worauf Ford-Besitzer damals stolz sein sollten (siehe Pedalbeschriftung).

ford_thunderbird-23

23: Faszinierendes Feature: Tacho mit “Durchlichttechnik” – auf intaktes Plexiglas achten.

Türen

Bei den Türen schlägt der Rost-Teufel gern an den Unterkanten und Türböden zu. Auch die seitlichen Falze sind häufiger betroffen, allerdings lässt sich Rost hier schwierig entfernen. Achten Sie auch auf ausgeschlagene Scharniere. Die Türen sollten satt ins Schloss fallen und saubere Spaltmaße zu den übrigen Karosserieteilen aufweisen. Beachten Sie auch den Zustand der Türverkleidungen, deren farblich abgesetzte Bespannung verschleißen und vergilben kann.

Bodenbleche

Bei Cabriolets wie dem T-Bird müssen Durchrostungen an der Bodengruppe nicht zwangsläufig von unten oder durch unbemerkten Wasser-eintritt aus der Armaturenbrettregion resultieren. Es genügt, wenn das Verdeck bei einem Regenschauer versehentlich einmal offen blieb. Teppiche sollten deshalb zur genauen Inspektion soweit möglich hochgeschlagen werden. Auch bei geschlossenem Verdeck sind Cabrios selten völlig dicht. Irgendwo findet sich oft eine Ritze, durch die Nässe eindringen kann. Nicht zu vernachlässigen sind in diesem Zusammenhang auch feuchte Garagen oder Stellplätze, wo eine Durchtrocknung praktisch nie stattfindet.

ford_thunderbird-24

24: Herrliche amerikanische Bonbon-Welt: Eine opulent verzierte Wurlitzer-Musikbox kann nicht schöner sein als dieses Armaturenbrett

ford_thunderbird-25

25: Toll: Die elektrisch verstellbare Sitzbank. Sollte allerdings funktionieren.

Rahmen

Oft bildet sich Rost an den Knotenpunkten der Träger des “X-Profil”-Rahmens. Technisch wie optisch kunstvoll gelöst ist die Führung der Auspuffrohre durch die Rahmenkonstruktion und die Durchleitung durchs Heckabschlussblech

Heckbereich/Radkästen

Der Heckbereich des Thunderbird bietet ebenfalls einige Angriffsmöglichkeiten für Korrosion, vor allem in den Übergängen der Radkästen zum Kofferraumboden sowie am Heckabschlussblech unterhalb der Stoßstange und den seitlichen “Taschen”, die vom Kofferraum und vom Unterboden aus zu inspizieren sind. Zur genauen Prüfung sind unbedingt die Kofferraummatte und das Reserverad herauszunehmen. Letzteres schränkt die Gebrauchstauglichkeit des Kofferraums erheblich ein, weshalb die Einführung des “Continental Kits” mit der optisch unvorteilhaften Aufstellung des Reserverads sachlich nachvollziehbar ist.

Motor und Peripherie

Motor

Die herrlich blubbernden Ford V8-Aggregate sind grundsätzlich sehr robust. Eine trotzdem eventuell notwendige Generalüberholung lässt sich für überschaubare Kosten realisieren. Man kann alternativ auch gleich auf ein vorkonfektioniertes Austauschaggregat zurückgreifen – die Ersatzteilversorgung für den T-Bird ist vorbildlich. Trotzdem muss man das Aggregat vor dem Kauf checken: Zuerst sollte der Motor auf Dichtheit überprüft werden (auch Nebenaggregate wie die Wasserpumpe checken). Amerikanische Motoren neigen allgemein zu leichter Öl-Inkontinenz. Größere Undichtigkeiten sollten sich allerdings nicht finden lassen. Eine undichte Zylinderkopfdichtung kann sich auf mehrfache Weise bemerkbar machen: Entweder es gelangt Öl ins Kühlwasser oder auch umgekehrt (milchige Verfärbung), oder es gelangt Verbrennungsluft ins Kühlwasser (Blasen- und Überdruckbildung im Kühlflüssigkeitsbehälter bei laufendem Motor) oder auch umgekehrt (stärkere ungewöhnliche Dampfentwicklung aus dem Auspuff).Dann ist ein geschultes Ohr gefragt: Läuft das Aggregat rund und ohne ungewöhnliche Nebengeräusche? Mitunter sorgen verschlissene Vergaser für einen unrunden Motorlauf, schlechte Leistung und unwillige Gasannahme. Abschließend sollte eine Kompressionsdruckprüfung vorgenommen werden, wobei die Gleichmäßigkeit der Drücke in den einzelnen Zylindern entscheidender ist (bis zu einem bar Druckunterschied ist tolerabel) als die Absolutwerte.

ford_thunderbird-26

Herrlich: Vorn die fetten “Marylin-Bumpers” und hinten die “Düsentriebwerke” mit der Auspuff-Durchführung. Der Chrom sollte allerdings vollständig und gut in Schuss sein. Ersatz und Verchromungsarbeiten sind richtig teuer

Getriebe, Kraftübertragung

Getriebe/Achsantrieb

Die “Classic Birds” verfügten entweder über ein über manuelles Vierganggetriebe mit Overdrive oder eine recht unverwüstliche “Ford-O-Matic”. Die Funktion des Overdrives beim manuellen Getriebe sollte auf jeden Fall geprüft werden, da dieses Bauteil mechanisch etwas empfindlich ist. Zu großes Kupplungspedalspiel ist ein eindeutiger Hinweis auf einen defekten Geber- oder Nehmerzylinder der hydraulischen Betätigung.

Schlagende Geräusche aus der Hinterachsgegend deuten auf ein verschlissenes Kardanwellen-Kreuzgelenk hin. Gern wird hier der Schmierdienst versäumt. Ein defektes Differential lässt sich während der Fahrt durch deutlich schabende, rumpelnde oder heulende Geräusche aus der Hinterachsgegend identifizieren.

Fahrwerk

Das Fahrwerk des T-Birds leistet sich keine außergewöhnlichen Schwächen. Nur die serienmäßigen Teleskopstoßdämpfer sind etwas weich abgestimmt, durch den Einsatz von Gasdruckdämpfern lässt sich das Fahrwerk spürbar “straffen”.

An der Vorderachse gibt es einige verschleißfreudige Komponenten wie beispielsweise den Umlenkhebel, der Spiel entwickeln kann. Natürlich verschleißen im Laufe der Jahre auch die Gummibuchsen an der Vorderachse, was zu einem noch indirekteren Fahrverhalten führen kann als es die butterweich agierende Servolenkung ohnehin vermittelt. In diesem Punkt ist der T-Bird eben ein typischer Amerikaner. Natürlich sollte auch die Dichtheit der Übertragungselemente der Servolenkung geprüft werden. Gelegentlich sind Spurstangen-köpfe oder die Achsschenkel ausgeschlagen, wenn der Schmierdienst an den doch recht zahlreichen Abschmierstellen vernachlässigt wurde.

Typisch für amerikanische Fahrzeuge der 1950er und 60er Jahre sind Trommelbremsen an allen vier Rädern, die allerdings über eine wirksame Servounterstützung verfügen und fürs “Cruisen” völlig ausreichend dimensioniert sind. Verschleißteile der Bremsanlage sind billig, und die Bremsanlage gilt insgesamt als wenig defektanfällig. Gelegentlich sind die Radbremszylinder undicht.

Innenraum, Elektrik

Innenausstattung

Die Innenausstattung sollte sich in gutem Zustand befinden, denn Sattlerarbeiten sind kostspielig. Wichtig ist ein Check der Komfort-Features wie der elektrisch verstellbaren Sitzbank. Aber auch hier gilt: Sind Bauteile unrettbar kaputt, gibt es problemlos Ersatz. Ausstattungsteile wie zum Beispiel Instrumente dagegen sind nur noch gebraucht erhältlich. Deshalb sollte zum Beispiel bei Special-Features wie der Tachoeinheit mit “Durchlichttechnik” darauf geachtet werden, dass die Plexiglasteile weder erblindet noch rissig sind.

Elektrik

Insgesamt ist die Elektrik des T-Bird recht solide und leidet nicht übermäßig unter Kontaktproblemen oder Ähnlichem – solange nicht haltlos daran herumgepfuscht wurde. Genau hier liegt allerdings bei ungepflegten Fahrzeugen oft der Hase im Pfeffer. Wenn also der Wischer streikt, das Heizgebläse nicht bläst, dann wirft das oft auch ein Licht auf die übrige Verfassung des Wagens…

TECHNISCHE DATEN
Ford Thunderbird Series 1
Hersteller: Ford
Bauzeitraum: 1955 bis 1957
Karosseriebauarten: Cabriolet/Roadster
Motoren: V8-Ottomotoren, 4,8 l Hubraum, 193 – 202 SAE-PS, alternativ (ab 1956): “Special”, V8 5,1 l Hubraum, 215 – 225 SAE-PS
Stückzahlen: 1955: 16.155, 1956: 15.631, 1957: 21.380
Bilder: Martin Henze

3 Gedanken zu “Kaufberatung Ford Thunderbird Series 1 – Early Bird

  1. Sehr geehrter Herr Henze,
    ich beabsichtige, einen 1965er T-Bird Cabrio zu kaufen. Ihr obige Kaufberatung zum Early Bird hat mir schon einige wichtige Hinweise gegeben. Gibt/gab es denn auch zum 65er eine Kaufberatung? Falls nein, hat der 64 – 66er zusätzliche/abweichende Schwachstellen zum 55-57er, die besonders zu beachten sind?
    Vielen Dank.
    Mit freundlichen Grüßen
    Andreas Lipinski

  2. Servus Herr Henze,

    schön geschriebene Kaufberatung.

    Aber “Marilyn Bumpers” ? Im Ernst?

    Das waren sogenannte “Dagmar Bumpers” (The term was coined by customizers in direct reference to Dagmar,[1] an early 1950s television personality well known for her pronounced cleavage on Broadway Open House. Dagmar’s physical attributes were further enhanced by low-cut gowns and the shape of her bra cups, which were somewhat conical. She was amused by the tribute.

    Marilyn Monroe hatte gemeinsam mit Ihrem Ehemann, dem amerikanischen Schriftsteller Arthur Miller einen schwarzen Thunderbird, als sie beide von Mitte bis Ende der 50er Jahre in New York / Manhattan lebten.

    Gruss
    Markus

  3. Super Tipps,
    schön , dass es solche Seiten hier gibt. Ich habe gestern einen 1955 gekauft in den USA ….allerdings nur auf Grund von Fotos ( auch underbody) …..mal sehen ob es eine negative oder Überraschung gibt. Ich empfinde auch den 1955 als einzig wahren T-Bird und mithin …da seltener auch als am werthaltigsten.
    Vielen Dank für die Tipps und ein schönes Weihnachtsfest
    Grüße aus Berlin
    Christian Scheffler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code