Kaufberatung Porsche 993 Coupé

Porsche 993 Coupé – Die beste aller Luftnummern

Karosserie, Unterboden

Front, Kofferraum

Unbedingt von vorne, von unten und den Kofferraum von innen auf Faltenwurf an den Stehwänden untersuchen, denn das weist auf Unfallschäden hin. Rost ist hier wie bei allen voll verzinkten Elfern eigentlich nicht zu erwarten – unfachmännisch reparierte Unfallschäden ausgenommen. Allerdings leidet die vordere Haube unter Steinschlagbeschuss. Kleinere Abplatzungen und Pickel sind hier kaum zu vermeiden, eine neu lackierte Stoßstange und/oder Haube, oder auch nur die Ausbesserung kleiner Macken mit Tupflack sind dem Vorbesitzer aber nicht anzukreiden.

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Schweller

Korrosion an den Schwellern ist eigentlich nur nach mechanischer Gewalteinwirkung (Aufsetzer, Poller-Kollisionen) zu erwarten.

Türen-, Hauben- und Kotflügelpassungen

Die Spaltmaße von Hauben und Türen sollten gleichmäßig sein, sonst hat man es mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Unfallwagen zu tun. Beim 993 wurde die Karosseriesteifigkeit gegenüber dem Vorgänger 964 noch einmal entscheidend erhöht. Das merkt man. Die Türen sollten so satt ins Schloss fallen wie man es sonst Mercedes-Fahrzeugen zuschreibt.

Bodenwannen, Unterbodenverkleidung

Korrosion an den Bodenwannen respektive der Unterbodenverkleidung ist im Normabetrieb praktisch ausgeschlossen und wenn, dann meist durch heftige Aufsetzer verursacht. Nach solchen Spuren sollte man aber durchaus suchen, wobei leichte Schrammen an der Bugschürze auch bei gepflegten Fahrzeugen ohne Tieferlegung an der Tagesordnung sind. Haben sie lediglich kosmetischen Charakter, sollte man damit leben. Die Unterbodenverkleidung dient der guten Aerodynamik und sollte weder locker sein noch sollten Teile davon fehlen.

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Motor und Peripherie

Motor

Regelmäßig gewartete und ordentlich gefahrene 993er-Triebwerke halten mitunter eine halbe Million Kilometer ohne eine Revision – allerdings steigt mit der Laufleistung auch der Ölverbrauch. Da beim 993 erstmals Hydrostößel verbaut wurden, entfällt die Einstellung des Ventilspiels. Ärgerlicherweise steckt man in einem Triebwerk nicht drin, kann also die Auswirkungen der Fahrweise des oder der Vorbesitzer nicht sicher beurteilen. Allerdings ist davon auszugehen, dass Cabrios generell weniger gefordert wurden als Coupés. Beim Vorgänger 964 noch ein Mangelpunkt, ist beim 993 auch das Zweimassenschwungrad kein Thema mehr, da hier nicht mehr das gummigefederte Freudenberg-System, sondern ausschließlich das haltbarere LuK-System verbaut wurde. Eine leichte Öl-Schwitzfeuchtigkeit des gesamten Aggregats ist bei luftgekühlten Motoren üblich. Dabei ist die Qualität der Abdichtung beim 993 so gut, dass es auch nach höheren Laufleistungen noch absolut trockene Aggregate gibt. Die untere Motorabdeckung erschwert allerdings eine eingehendere Sichtkontrolle erheblich. Sie sollte bei Anzeichen größerer Undichtigkeiten vor dem Kauf abgenommen werden. Für eine umfassende Abdichtung des Aggregats sind 8.000,- Euro zu veranschlagen, eine Motor-Komplettüberholung mit Lagertausch kostet oft das Doppelte. Manchmal sind es allerdings auch nur lokale abgegrenzte Undichtigkeiten wie an den Steuerkästen oder an den Ventildeckeln. Die lassen sich natürlich günstiger beheben. Oder aber es wurde schlichtweg beim Nachfüllen Öl verschüttet, das sich dann rechts in der Verkleidung des Zylinderkopfs sammelt.

Ölleitungen

Die Ölleitungen zum und vom Trockensumpf-Vorratsbehälter können altern und undicht werden oder gar platzen. Unbemerkt bleibt das Platzen eines Druckschlauchs selten, denn dann wird der Ölvorrat direkt vors Hinterrad gepumpt. Was das unterwegs bedeutet, kann sich jeder leicht ausmalen. Oft kündigt sich das Problem allerdings durch triefende Ölleitungen an. Checken!

Abgasanlage, Heizung

Trotz ihrer extrem soliden Ausführung sind Auspuffanlagen und vor allem die Wärmetauscher wegen ihres hohen Preises ein kaufpreisentscheidendes Thema. Der Original-Ersatz für den Endtopf kostet rund 1.300 Euro, bei den beiden Wärmetauschern fängt die Preisskala hier erst an – je nach der Ausführung kostet es jeweils locker das Doppelte. Bekannteste Hersteller der
Original-Auspuffanlagen waren entweder Gillet oder Bischoff, wobei es Unterschiede bei den Flanschen geben soll, sodass beide nicht untereinander austauschbar sein sollen. Ein typischer Mangel sind wegrostende Hitzeschutzbleche hinter dem Endtopf, die für Klappergeräusche und eine erhöhte Wärmeabstrahlung auf die hintere Stoßstange sorgen können. Da der eigentliche Topf dann meist noch völlig intakt ist, dürften die meisten 993er Porsche nach wie vor mit den ersten Anlagen unterwegs sein und noch längere Zeit auf einen Wechsel verzichten können.

Getriebe, Kraftübertragung

Getriebe

Wenig Ärger machen die Getriebe des 993 – sowohl die Tiptronic als auch das manuelle Sechsganggetriebe, solange sie nicht undicht sind und das Öl regelmäßig gewechselt wurde. Das handgeschaltete Getriebe kann verschlissene Synchronringe aufweisen. Das Transaxle-Differential des Carrera 4 an der Vorderachse gilt ebenfalls als ausgesprochen robust. Generell werden handgeschaltete Fahrzeuge von der sportlich ambitionierten Käuferschaft allerdings bevorzugt und deshalb teurer gehandelt.

Fahrwerk, Lenkung, Bremsen

Stoßdämpfer, Scheibenbremsen

Beide unterliegen beim sportlich bewegten 993er erhöhtem Verschleiß und sind als Originalteile nicht eben billig. Die Bremsanlage mit vorne und hinten innenbelüfteten Scheiben sorgt bereits in der Serienausführung für hervorragende Verzögerungswerte, denn Porsche setzte hier schon immer auf maximale Sicherheit. Wurden Scheiben und Beläge kürzlich erst gewechselt, ist das ein echtes Plus. Korrosionsprobleme gibt es bei den Leichtmetall-Bremssätteln, die zum Festgehen neigen. Das serienmäßige Fahrwerk mit Monroe-Stoßdämpfern ist für Otto Normalfahrer auch unter Komfort-Aspekten eine gute Wahl. Ansonsten werden über Sportfahrwerke, ihre Qualitäten und den Komfort beziehungsweise Nicht-Komfort unter Porschefreunden teilweise so endlose Debatten geführt, dass hier kaum eine allgemein gültige Empfehlung gegeben werden kann.

Fahrwerk

Auch an Hochpreis-Sportwagen wie dem 993 gehen optische Tuning-Moden nicht immer spurlos vorüber. Zu den gebräuchlichsten Modifikationen zählen Tieferlegungen und der Umbau auf größere/breitere Räder. Wir nennen diese Änderungen nicht grundlos “optisches” Tuning, denn in vielen Fällen wird das Fahrverhalten dadurch zumindest für den normalen Straßeneinsatz merklich beeinträchtigt – es sieht dann halt bestenfalls schicker aus, wobei sich auch da über Geschmack streiten lässt.

Nichts zu streiten gibt es über die Zulässigkeit solcher Umbauten. Insbesondere die montierten Rad-Reifenkombinationen sollten ausdrücklich für den 993 freigegeben sein, sonst erlischt die Betriebserlaubnis. Selbst eingetragene Radgrößen können mitunter irgendwo an der Radaufhängung oder an den Radlaufkanten schleifen, denn nicht immer wurde die Freigängigkeit ausreichend geprüft. Dann allerdings droht ebenso Lebensgefahr wie bei unsachgemäßer Verstellung der serienmäßigen Fahrwerksgewinde. Diese sind nämlich nicht etwa für eine Tieferlegung vorgesehen, sondern dienen der Radlastjustage. Eine Einstellung ohne Radlastwaage führt insbesondere beim Allrad-Carrera 4 zu tückischem Fahrverhalten im Grenzbereich, weil die elektronische Regelung auf Radlastparameter zurückgreift.

Innenraum, Elektrik, Sonstiges

Armaturenbrett, Instrumente, Schalter

Beim 993 kamen eine ganze Reihe an elektrischen und elektronischen (Komfort-)ausstattungen zum Einsatz. Auch wenn die Verarbeitungsqualität der Komponenten und die Zuverlässigkeit der Elektrik insgesamt auf porschetypisch hohem Niveau liegen, sollten doch alle vorhandenen Goodies wie Fensterheber, Klimaanlage, elektrische Sitzverstellung etc. auf Funktion geprüft werden. Ein gelegentlicher Mangel an der Instrumentierung, die mit Durchlichttechnik funktioniert, sind feuchtigkeitsbedingt abblätternde Farbfolien vor den Kontrollleuchten – nicht schön, aber auch kaum zu verhindern. Es scheint da unterschiedliche Qualitäten gegeben zu haben, denn einige Fahrzeuge sind davon betroffen, andere nicht. Ebenfalls mangelanfällig ist das LCD-Display des Bordcomputers im Drehzahlmesser. Es gibt Spezialfirmen, die sich auf die Instandsetzung der Instrumente spezialisiert haben, was günstiger ist als der Neukauf des Komplettinstruments.

Sitze

Schon die einfachen Seriensitze bieten porschetypisch guten Seitenhalt. Für den 993 wurden gegen Aufpreis klappbare Schalensitze angeboten, die auch heute noch als wertvolles Extra gelten.

TECHNISCHE DATEN

PORSCHE 993
Baujahr: 1993 bis 1998
Motor: Sechszylinder-Boxer
Hubraum: 3.600 ccm
Leistung: 272 bzw. 286 PS
Max. Drehmoment: 330 bzw. 340 Nm
Getriebe: Sechsgang-Handschalter oder Viergang-Aut. (Tiptronic)
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 4.245/1.735/1.310 mm
Gewicht: 1.370 bis 1.450 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 5,3 bis 6,6 s
Top-Speed: 265 bis 275 km/h
Preis/Wert: 132.950,- DM (1998)
ca. 40.000,- EUR (Zust. 2)