Frau 8 – Treibstoff

Fragen Sie Frau 8

“Fragen Sie Frau 8” – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Treibstoff

Diesel-Gate. Elektro-Mobilität. CO2. Man kann sagen, dass Tanken gerade ein bisschen aus der Mode gekommen ist. Schade eigentlich.

Wer weiß, wie lange wir es noch tun. Man fährt auf die Tanke und mit einem Schwung an die freie Säule heran. Steigt aus, geht um den Wagen herum, klappt den Deckel auf und schraubt den Verschluss auf. Dreht sich um, kuckt auf die Bezeichnungen: Super Fuel Save 95. Ultimate. V-Power Racing 100. Die Zapfpistole in einer geschmeidigen Bewegung ergreifen, sich umdrehen und einführen. Den Nupsi feststellen. Auf sich drehende Zahlen starren. Das Klacken, wenn der Tank voll ist. Der Geruch, der einem in die Nase steigt, wenn das Benzin überläuft, sich verflüchtigt, einen feinen Rand auf dem Lack hinterlässt.
Ich mag Tanken. Ich mag den Vorgang, obwohl mich mehrmals fremde Menschen dabei angrinsten und „Schluckt ganz schön, oder?“ zuriefen. Ich finde Tankstellen gut, weil sie wie Wasserstellen in einer Savanne funktionieren, in gelbes oder blaues Licht getauchte Tränken, an denen sich verschiedene Gattungen treffen, um sich zu laben und weiterzuziehen. Ich finde sogar die Historie des Treibstoffs interessant, obwohl ich mich weder für Chemie noch für Geschichte begeistere. Aber die Tatsache, dass Nikolaus August Otto in den 1860er Jahren „Spiritus“ verwendete und Bertha Benz 1888 in der Apotheke in Wiesloch eine Buddel Ligroin kaufte, um den Patent-Motorwagen Nummer 1 anzutreiben, finde ich spannend. Vier Jahre später reichte Rudolf Diesel ein Patent für eine neuartige Verbrennungskraftmaschine ein. Wobei er zunächst mit Petroleum experimentierte, was nicht so super lief. Und 1917 wurde in den USA eine erste Großtankstelle eröffnet. Und wenn ich jetzt anfange aufzählen, was sich die Leute alles in den letzten 100 Jahren in ihren Tank gekippt haben, wäre ich nächste Woche noch nicht fertig. Doch, halt, zumindest sollte man erwähnen, dass relativ viel Kartoffelschnaps getankt wurde, dass man in Deutschland in den 20er Jahren Benzin aus Braunkohle herstellte – und dass es immer lustige Namen für die Gemische gab. Dynamin zum Beispiel, Rekordal oder Reichsautobahngemisch.

Je mehr man darüber liest, desto stärker beschleicht einen die Erkenntnis, dass es alles schon einmal gab. Und dass die Geschichte des Treibstoffs endlich ist. Vielleicht tankt man in 200 Jahren nicht mehr. Sondern steckt nur noch den Stromstecker hinein. So ganz für sich allein, ohne diesen Geruch, ohne drehende Zahlen und ohne fremde Menschen, die „Schluckt ganz schön, oder?“ rufen. Und das finde ich ein bisschen traurig.

Haben auch Sie eine Frage an Frau 8?
Mail an: frauacht@träume-wagen.de

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