Leserauto: 1951er Ford F-1 Restomod von Wolfgang Beck

Mustang und Vette – schön und gut. Aber echte Männer brauchen echte Herausforderungen, meint Wolfgang Beck. Der Österreicher schwor allem Komfort ab und suchte einen kernigen Pick-up. Mit der knapp 70 Jahre alten F-1-Legende fand der 34-Jährige seine doppelt so alte Liebe

Wir schreiben das Jahr 1951. Gene Kelly ist ein Amerikaner in Paris, Doris Day verkörpert das Ideal der propperen Hausfrau und der clevere Filmhund Lassie abenteuert mit Herrchen Tommie durch die Weiten der US-Countrysides. Und keiner, ausnahmslos keiner, kann auf die treuen Dienste der amerikanischen Workhorses verzichten. Die Rede ist natürlich von der legendären Ford F-Serie, dem urwüchsigsten aller amerikanischen Allzweckautos. Der erfolgreichste Ladeflächen-Lastesel aller Zeiten behauptet sich seit gut 70 Jahren auf Rang eins in der US-Zulassungsstatistik, gefolgt vom Chevrolet Silverado – ebenfalls ein Pick-up. Es ist nicht nur der Drang zur Größe, der die Amis so an ihren Dickschiffen hängen lässt, man fühlt sich offenbar hoch oben am Steuer eines Geländewagens besonders sicher und unabhängig. Und wenn sich Amerikaner über etwas wirklich keine Sorgen machen müssen, dann ist es das Parkplatzangebot: Jeder Drugstore hat mehr Stellplätze als ein deutscher Supermarkt.

Der F-1 ist eine amerikanische Ikone, ein Workorse, unverwüstlich, robust und anspruchslos. Die ersten Fahrzeuge der F-Serie rollten 1948 vom Band. Im Vergleich zu Fords Vorkriegs-Lastern sah der F-1 geradezu modern aus. Statt frei stehender Scheinwerfer gab es in die Frontmaske integrierte Leuchten, die Windschutzscheibe war nicht mehr geteilt und die Kabine bot Platz. Das erste große Facelift erfolgte 1953. F-100 und F-250 waren eher für den Hausgebrauch bestimmt, die Heavy-Duty-Version F-350 für Bauarbeiter und Co. 1969 kam der F-250 mit Allradantrieb, ab 1974 gab es den F-100 als SuperCab mit langer Kabine. Im Visier der robusten Lastesel waren längst Vorstadt-Cowboys und Freizeit-Fahrer, das Workhorse war zum Kultmobil aufgestiegen.

Dass viele Pick-ups inzwischen nicht viel mehr vom Gelände sehen als die Bordsteinkante vor dem Haus? So what! Allrad-Option? Muss nicht sein. Stattdessen gönnt man sich heute ein pralles Sound-System oder schicke Felgen. Die 13. Generation der F-Serie misst knapp sieben Meter Länge und ist fast so breit wie ein Smart lang ist. Und wer wirklich arbeiten will: Die Anhängelast bietet mit zwölf Tonnen mehr als dreimal so viel wie die meisten anderen SUVs. Den Nimbus von Freiheit und Abenteuer, kernigen Typen und rauer Herzlichkeit verkörpert kein anderer so wie dieser amerikanischste aller US-Trucks.

Und dennoch: Ein zeitgenössischer Pick-up kam für Wolfgang nicht in Frage. Vor vier Jahren machte der Oberösterreicher seine erste Bekanntschaft mit einem US-Car. Das 70er Mustang Cabrio mit 200 PS war „nett“, aber auf Dauer nicht das Richtige, ein Pick-up mit ordentlich Leistung sollte her. In der Alpenrepublik eher nicht zu finden, aber kein Grund zum Aufgeben: Wolfgang kontaktierte seinen Kumpel Dominik Ohler von Brauinvest, der ihm das Wunschmobil direkt aus den Staaten importieren sollte. Die Wahl fiel auf den 51er F-1: Preislich im Rahmen, fahrbar, mit einer abgebrochenen Restauration und einer Menge neuer Komponenten. Wolfgang war optimistisch, einen passablen Fang gemacht zu haben, aber weit gefehlt: Als der Half-Ton endlich in der Customgarage von Bernhard Zaß in Hannesgrub stand, erwies er sich als noch schlechter als erwartet. „Hochwertige Teile drin“, brummt Wolfgang, „aber miserabel und schlampig verbaut.“ Frage: 7.000 Euro reinstecken, um die Fuhre auf die Straße zu bringen oder Komplettrestauration? Der bevorstehende Winter gab den Ausschlag, vermeintlich Zeit genug, alles von Grund auf zu richten. Wieder so ein Irrtum, unterm Strich dauerte es zwei Jahre, bis der F-1 in neuem Glanz erstrahlte, allerdings schöner, stärker und charismatischer als je zuvor in seinem bald 70-jährigen Leben.

Wolfgang, durchaus willig, aber leider völlig unbegabt, was das Schrauben anbelangt, begab er sich in die Hände des Resto-Meisters von der Customgarage. Bei jedem Werkstattbesuch fand Wolfgang immer wieder was Neues, was dem F1 gut stehen könnte. Zaß nahm es gelassen und schuf ein Meisterwerk, das nicht nur optisch, sondern auch in puncto technischen Finessen seinesgleichen sucht, Pulverbeschichtung und Endlos-Polish inbegriffen. Am 350cui-Crate-V8 mit Cold-Case-Alukühler wurden für die bessere Performance ein 3HP-High-Torque-Anlasser ein customiztem Auspuff und eine Holley Sniper EFI Einspritzung verbaut. Um seine stattlichen 1,92 m unterbringen zu können, orderte Wolfgang eine TH-350-Dreigangautomatik: Das originale Vierganggetriebe mit Knüppelschaltung hätte einen ganzen Sitzplatz gekostet! Mit der höhenverstellbaren Lenksäule aus einer 70er Chevrolet Chevelle, nach hinten unter die Ladefläche verlegtem Tank und nach hinten gerückter Sitzbank passt jetzt alles, wie es soll: Der ganze Mann hat Platz, auch Frau und Kinder müssen sich nicht quetschen.

Wie zum Beweis fährt Wolfgang seinen Pick-up im Alltag. Zur Arbeit, die Tochter von der Schule holen, Einkaufen, Gerümpel entsorgen, Gartenabfälle wegbringen – alles kein Problem mit dem runderneuerten Arbeitstier. Natürlich mit Augenmaß: Die sauber lackierte Ladefläche bekam eine transparente dreifach verstärkte Lackschutzfolie, wüste Querfeldeintouren sind tabu. „Der F-1 fährt sich einfach fantastisch“, schwärmt Wolfgang und bekommt volle Zustimmung vom dreijährigen Sohnemann: „Papa laut, Papa schneller“ kreischt der Knirps begeistert, wenn der Vater es an der Ampel mal wieder krachen lässt – man kann nicht früh genug anfangen, den Nachwuchs auf den richtigen Motor einzuschwören.

In diesem Winter steht der F-1 erstmals in der Garage. Zu tun ist eigentlich nichts mehr, aber Wolfgang hat schon wieder neue Ideen. „Vielleicht mach ich die Chromteile schwarz“, sinniert er, „das passt doch cool zu dem satten Weinrot.“ Einfach Lackieren kommt natürlich nicht in Frage, da müssen schon Originalteile her. Und da die für den alten Pick-up nicht mehr zu bekommen sind, wird der 3D-Drucker eines Bekannten bemüht. Warum? „Vielleicht will ich das Ganze ja mal wieder im Chromlook haben“, meint Wolfgang vorausschauend, „da hebe ich die Teile lieber auf.“ Schon klar. Einmal Freak, immer Freak. Und auch das nächste Projekt spukt ihm bereits im Kopf herum: Ein Ford Model A. Noch älter als der F-1 und mindestens genau so viel dran zu machen. So schnell wird es nicht langweilig in Oberösterreich …

Technische Daten Ford F-1

Baujahr: 1951
Motor: 350 cui (5.7 l) Crate V8
Leistung: 206 kW (280 PS)
Getriebe: GM TH350 Automatic
Lenkung: Zahnstange Heidts Performance
Achse: Mustang 2 Weld On, Tubular Arms
Fahrwerk: Helix Coil Over, verstellbar
Bremse: vorne Scheiben Mustang 2 Festsattel, hinten: Serie auf 11″ Trommel
Umbaukosten: ca. 55.000,- EUR

Text: Marion Kattler-Vetter, Fotos: Wolfgang Beck

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