Leserauto: Erik Häger und sein 1962 Ford Thunderbird

Ein kurz entschlossener Kauf auf E-Bay, eine Woche Kururlaub in den USA, eine Riesenüberraschung beim ersten Aufeinandertreffen und zwei Monate Hoffen und Bangen, bis der T-Bird in der heimischen Garage stand: TRÄUME WAGEN-Leser Erik Häger hat mit seinem US-Import eine filmreife Story erlebt

Wo soll man anfangen … Erik, Architekt aus Wuppertal, suchte schon lange einen ganz bestimmten Thunderbird: Einen Sports Roadster „Bullet Bird“, die seltene Variante der 3. Baureihe, die es nur 1962 und 1963 mit knapp 2.000 Exemplaren gab. Warum den? „Er hat ab Werk einige Unterschiede zum normalen Convertible, z. B. Speichenräder und das „tonneau cover“ aus Glasfiber. Diese Speedster-artige Abdeckung der Rücksitze ermöglicht es, aus einem 4-Sitzer-Cabrio wieder einen 2-Sitzer zu machen, wie 1955–57“, erklärt Erik, „zudem hatte er werksmäßig schon einige Extras, von denen in Deutschland nur geträumt werden konnte: elektrische Sitze und Fensterheber, Klima, hydraulisches Verdeck, Servo-Lenkung und -Bremse, Automatik, Kelsey-Hayes-Speichenräder mit Weißwandreifen und das berühmte Swing-away-Lenkrad, das man zur Seite schieben kann, um besser einsteigen zu können.“ Man sieht, der Mann kennt sich aus und weiß, was er will. Und so sprang er sofort auf die E-Bay-Motors-Anzeige an, die einen 62er Sports Roadster in seltener Originalfarbe, 1. Hand mit original California Black Plate feilbot. „Das hörte sich so verlockend an, dass ich mir Detailfotos nach meiner Angabe schicken ließ. Die waren so gut, dass ich unbedingt mehr wissen wollte“, so der angefixte T-Bird-Fan, „mein Kontaktmann Bob war ein Freund der über 80 Jahre alten Besitzer und hatte eine Tuning-Werkstatt für US-Oldies in Hurricane, Utah.“

Das alles klang fast zu schön, um wahr zu sein, daher telefonierte Erik mit Gene, dem alten Herrn, der sich von seinem Birdie trennen wollte. Er telefonierte lange. Er telefonierte oft. Nächtelang. Er versicherte dem Senior, dass er das Auto wirklich kaufen wollte, vor allem als er hörte, dass auch Gene jahrzehntelang Fahrzeugaufbereiter war und seine Autos immer penibel gepflegt hatte. Niemals Regen und wenn doch, wurde sofort trockengeledert. „Mann, der war genau wie ich! Super!“, frohlockte Erik und war endgültig heiß, als Gene ihm erzählte, dass ein preisgekrönter Show-Lackierer aus Las Vegas den matten Erstlack vor 15 Jahren bis aufs blanke Blech abgeschliffen und hochwertig neu lackiert hatte. Gefahren wurde er die letzten 30 Jahre bis auf einige 100 Meilen nicht mehr … und für den Verkauf wurden noch Verdeck, Verdeckhydraulik, Servo-Lenkung usw. erneuert.

Für Erik hieß das: 3, 2, 1 = meins! Ersteigert, Auktion beendet. Wie aufregend! Obwohl es mit der Anzahlung irgendwie nicht klappte, vertraute ihm der alte Herr, und nachdem eine holländische Transportfirma mit Festpreisangebot für die Tür-zu-Tür-Anlieferung verpflichtet war, gings samt Ehefrau nach L. A., weiter nach Vegas und schließlich im Mustang-Cabrio-Mietwagen durch Nevada nach Utah, Hurricane. In Bobs Werkstatt sollte der Showdown aller Beteiligten stattfinden. Ergebnis: SENSATIONELL!!! „Noch nie habe ich so einen guten US-Oldtimer gesehen. Einzigartige Lackierung, ungeschweißt, kein Spachtel, alles original mit angenehmer Patina und toller Farbe in Acapulco-Blue. Traumzustand!“ jubelte Erik, den die Probefahrt endgültig süchtig machte. Die Formalitäten waren schnell erledigt, dann gings zum Cruisen durch den grandiosen Westen. „Ich hatte schon viele tolle Touren mit meinen bisherigen Highlights (E-type V12 Cabrio, Alfa Montreal, DS 23 Pallas, Triumph Stag, Alfa Spider usw.)“, schwärmt Erik, „aber das gehörte rein fahrerisch zum Besten, was ich je erlebt habe.“

Es folgten der Abschied von Bob, Gene und dem T-Bird, Heimflug und bange Wochen bis zur Ankunft des blauen Vogels in „good ol´ Germany“. Nach zwei Monaten fuhr ein gelber Abschleppwagen vor und brachte den heiß ersehnten Ami, unversehrt, ohne Kratzer und Beschädigungen aus Rotterdam, obwohl der Seecontainer verdammt schmal war. „Zum Glück passte er in meine Garage, die ich für drei Autos nach eigenem Entwurf gebaut hatte. Die Innenraumlänge von 5,60 m reichte“, brachte ein erleichterter Erik sein Schätzchen erst mal in Sicherheit. Inzwischen weiß er, dass sein Sports Roadster einer von nur dreien in dieser Ausführung in Deutschland ist. Aber dieser Auszeichnung hätte es gar nicht mal bedurft. Erik und sein T-Bird sind ohnehin eine Symbiose. Glück gehabt, tolles Auto gefunden und eine Woche super Abenteuer-Urlaub mit der Ehefrau – es scheint, als habe Erik alles richtig gemacht.

TECHNISCHE DATEN

Ford Thunderbird Sports Roadster 1962

Baujahr: 1962
Motor: 390-cui (6.392 ccm) V8
Leistung: 165 kW / 225 PS
Max. Drehmoment: 550 Nm
Getriebe: 3-Gg.-Automatik
Reifen: 215/75 x SR

 

Text: Marion Kattler-Vetter – FOTOS: Erik Häger

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