Leserauto: Pontiac GTO 1966 von Sascha Weber

Die Wege des Herrn sind nicht immer geradlinig. Auch TRÄUME-WAGEN-Leser Sascha Weber brauchte mehrere Jahre der Evolution, bis er seinen Traumwagen gefunden hatte: einen 66er Pontiac GTO. Dafür scheint die Liebe nun für ewig zu sein

Im Sommer 1964 trat ein neuer Mitbewerber für die beliebten Viertelmeilensprints in den Suburbs von Detroit an, mit Fahrleistungen, die die Jungs in ihren AMCs, Fords und Dodges zum Schwitzen brachten: der Pontiac GTO, das erste Serienmodell von GM, das gezielt für die Mann-gegen-Mann-Races gemacht wurde. Erfinder war John DeLorean, damals Chefingenieur von Pontiac, der sich ordentlich Mühe gegeben hatte, um das brave Le-Mans-Coupé in einen Familiensportler zu verwandeln, der die doppelt so teuren Jaguars, Maseratis und Porsches in Grund und Boden fuhr – zumindest von der roten Ampel weg und solange es geradeaus ging. Bereits die erste Version des GTO besaß den größten Motor, den Pontiac zu dieser Zeit in die Mittelklasse einsetzen durfte: einen V8 mit 6.379 Kubik. Spätestens beim Tritt aufs Gaspedal wird klar, warum der GTO so heißt, wie er heißt. GTO steht für „Gran Turismo Omologato“, eine Bezeichnung, auf die Ferrari abonniert war – der Lieblingsfeind des Pontiac. Der GTO ist fraglos der Urvater der straßentauglichen Helden der Muscle-Car-Ära und auch Saschas erste Wahl.

Aber der Reihe nach. Sascha, selbsterklärtes Landei und aufgrund bescheidener Verkehrsanbindungen früh entflammt für die eigenständige mobile Fortbewegung, startete seine automobile Karriere 1990 mit einem 83er VW Käfer zum 18. Geburtstag. Es folgten Ente und VW-Bus, bis das erste US-Car Einzug hielt: ein 91er Jeep Wrangler mit 4-Zylinder-Motor. Dann gab es kein Zurück mehr, die schiere Fahrfreude und das Gefühl endloser Freiheit im Ami-Car waren nicht zu vergleichen mit den auf einmal sehr langweilig erscheinenden deutschen Fahrzeugen. Die Reihe setzte sich fort mit einem alten, kantigen Ford Explorer und einem weiteren Wrangler, diesmal mit 6 Zylindern. Irgendwann war Sascha schockverliebt in einen RAM mit kopfhoher Motorhaube und entschied sich nach vielen Monaten Jobben im Münchner Taxi für den Import eines Gebrauchten durch einen Händler. Das Gefühl, als er zum ersten Mal die Fahrerkanzel enterte und den beeindruckenden 8-töpfigen 5,7-Liter mit 350 PS genoss? Einfach unbeschreiblich …

Sascha hatte Blut geleckt und nahm das unfassbar günstige Angebot eines niederländischen Autoimporteurs an: Ein 6,1-l-Chrysler-300C-Touring-SRT-8-Neuwagen für brutto 35.700 – da konnte doch was nicht stimmen? Wider besseres Wissen griff er zu, und nach einigen schlaflosen Nächten war das Schmuckstück da und lief ohne Mucken: Fahrspaß pur, V8-Sound, viel Platz für Familie und Einkäufe, exotisches Äußeres und Leistung ohne Ende zum Kleinwagenpreis – alles richtig gemacht. Um es kurz zu machen: Es folgten noch ein neues schwarzes Camaro Coupé SS mit 8 Zylindern, handgeschaltet, mit 435 PS, Vollausstattung und braunem Leder und ein 77er Lincoln Continental. Weißer Lack, rote Plüschsitze, 7,5 Liter, über sechs Meter lange Karosse – das Garagentor musste zwar offenbleiben, dafür ließ sich Sacha als Hochzeits-Chauffeur buchen, der bevorzugt russische Familien laut hupend die Maximilianstraße in München rauf- und runtershuttelte. Nach einem kurzen Intermezzo mit einer Corvette Stingray – kurzgefasst: optisch ein Traum, technisch eine Katastrophe — nahm Sascha zum ersten Mal einen der Urväter aller Musclecars bewusst wahr: den GTO. Es traf ihn wie ein Blitz, seine Leidenschaft für Krafttraining scheint sich in dem muskelbepackten Blech widerzuspiegeln. Die Suche begann, die Angebote waren entweder zu teuer oder zu verlottert, bis es nach Monaten so weit war: Ein vom amerikanischen Vorbesitzer in Deutschland frame-off-restaurierter 66er mit lückenloser Historie sollte den Besitzer wechseln. 600 Fotos und eine gründliche Inspektion auf der Hebebühne später schlug Sascha zu, nicht ohne den Preis noch ordentlich gedrückt zu haben.

Die Verhandlungen haben sich gelohnt, der GTO ist innen und außen bis ins kleinste Detail im Originalzustand, einzig die dezente Edelstahl-Auspuffanlage ist neuer. Die erste Fahrt war wie Weihnachten, Geburtstag und Ostern zugleich: Der satte Klang, der geschmeidige Lauf, das souveräne Dahingleiten, das Flair der Sixties – es gibt nichts Vergleichbares.
Drei Jahre hält nun schon Saschas Liebe zum GTO, und sie scheint diesmal tatsächlich von Dauer zu sein. Beim Ampelstart genießt er den krafvollen Schub aus dem Drehzahlkeller und schmunzelt über die Hubraumzwerge, die ihre Leistung unter verzweifeltem Geschrei der Zylinder herausquetschen. Und auch beim Thema Nachhaltigkeit lässt sich Sascha nicht provozieren: „54 Jahre nach Produktion – und der GTO fährt immer noch. Den Teufel werde ich tun, ihn zu verkaufen, nicht mal fürs Doppelte …!“

Technische Daten Pontiac GTO

Baujahr: 1966
Motor: V8
Hubraum: 6.379 ccm
Leistung: 272 kW (370 PS)
Max. Drehmoment: 575 Nm bei 4.800/min
Getriebe: Dreigang Handschalter
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 5.243/1.890/1.372 mm
Gewicht: 1.179 Kilo
Sprint 0-100 km/h: 6,8 Sek.
Top-Speed: 193 km/h
Preis: unbezahlbar

Text: Marion Kattler Vetter / Fotos: Sascha Weber

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