Leserauto: VW 181 von Susanne Marack

Gemeinsam mit der Münchner Community #Boxerbrunch stellen wir in loser Reihenfolge Fahrer & Fahrzeuge aus dem süddeutschen Classic Car Kollektiv vor. Hier findet Ihr Susanne Marack, die zwar zumeist mit ihrem Porsche 911 Turbolook unterwegs ist, aber mit dem 1972er VW 181 noch einen ganz besonderen Boxer ihr Eigen nennt. Der spritzige Kurierwagen ist seit Kurzem ebenfalls “Münchner” und dreht nach 49 Jahren in Österreich nun ganz in Farbe und Stil von Olympia ‘72 seine Kreise in der bayerischen Landeshauptstadt

Als stylischer City-Cruiser hat sich der VW 181 nicht unbedingt einen Namen gemacht. In der Szene gerne (und nicht ganz korrekt) als “Kübelwagen” bezeichnet, kennt man den ursprünglich für die Bundeswehr als Nachfolger des DKW Munga konzipierten Kurierwagen auch eher in Grüntönen bis Camouflage lackiert, vielleicht eher als Outlaw und weniger als Vorzeigeobjekt bei Oldtimertreffen. Nicht so aber der zivil ausgelieferte VW 181 von Susanne Marack.

“Im zarten Alter von drei Jahren habe ich meine Eltern dazu genötigt, dieses Auto für mich zu kaufen. Meine Eltern hatten damals ein Autohaus und einen Audi aus ihrem Bestand an ein Autohaus nach Tirol verkauft. Am Zielort in Zell am Ziller standen dann zwei VW 181, nebeneinander am Hof des Tiroler Autohauses, die mich auch im Kleinkindalter sofort fasziniert hatten. Der eine 181 mit Zulassung, der andere ohne. Die initiale Frage „is‘ der zu haben?“ war schnell gestellt. Genauso schnell sollte die Frage verneint werden, der zweite sei ein Teileträger. Das sollte meine Mutter aber nicht davon abhalten, auf mein Drängen einen wöchentlichen Anruf in Tirol wegen der Verfügbarkeit des 181 zu tätigen. Und tatsächlich – eines Tages mit Erfolg. Wieder in’s Auto, wieder nach Tirol. Nur diesmal nicht, um ein Fahrzeug zu liefern, sondern um eines abzuholen.” erinnert sich die Wahl-Münchnerin Susanne Marack heute.

In den 1990ern wurde der Wagen dann sporadisch für Ausfahrten mit der Susanne am Rücksitz verwendet. Bei der Scheidung ihrer Eltern fiel er dem Vater zu, der den 181 bis zu seinem Tod behalten hat – vielleicht auch, damit er dann doch noch den Weg zu seiner eigentlichen Besitzerin findet:

“Nach etwa 22 Jahren hat niemand „mehr Zeit“ mit meinem Vater verbracht als dieses Automobil. Nachdem ich den Wagen 2017 wieder übernehmen konnte, hat er auch endlich einen Namen bekommen und heisst seither genau wie sein bislang längster, offizieller Besitzer “Sepp”.”

Seit mehr als vier Jahren gehört der 181 nun auch auf dem Papier Susanne, welche sich in der Zwischenzeit eine Menge Gedanken zur Restauration gemacht hatte.

“Eigentlich wusste ich nur, dass ich auf dem Wagen Felgen im Fuchs-Design haben wollte. Die Basis des Fahrzeugs war ok, aber auch dieser 181 wurde von den Vorbesitzern mehrfach lackiert und so war er auch 1990 schon lange nicht mehr lachsrot sondern dunkelgrün. Als ich ihn übernommen habe, konnte ich die Lackschichten mit dem Fingernagel abblättern.”

Selbst Hand anlegen konnte Susanne während der Restauration nicht, die Betriebswirtin interessiert sich aber auch explizit nicht für’s Schrauben, sondern “nur” für’s Fahren. Nach Ihren Wünschen wurde das Fahrzeug von einer freien Werkstatt für klassische Porsche Modelle von Grund auf restauriert und neu aufgebaut. Auf die Entlackung per Sandstrahlen folgten einige Schweißarbeiten und eine Komplettüberholung des originalen Motors und Getriebes im ursprünglichen Setting. Danach ging es daran, den 181 mit kleinen Modifikationen zum Flat-4-Traum von Susanne zu machen:

“Wahrscheinlich hätte jeder, der so ein Auto von Grund neu aufbaut technisch modifiziert. Für mich war das aber nie ein Thema, die Idee von diesem Wagen ist für mich definitiv mit ihm zu entschleunigen und nicht zu beschleunigen. Eine Runde mit Sepp ist wie On-Demand-Urlaub hinterm Lenkrad, alles vergessen, die Seele baumeln lassen und genießen. Wenn ich schnell fahren will, fahre ich andere Autos.”

Wichtiger war Susanne Marack der Nostalgie-Effekt durch Optiktuning im Stil der 1970er Jahre: lackiert wurde der Wagen wieder in seiner Ursprungsfarbe lachsrot, jedoch Hochglanz und nicht matt, und auch nicht ganz ohne Hintergrund in Anlehnung den Lieblings-Aperitif von Susanne. Dazu kamen neben den Fuchsfelgen Details wie zeitgenössische Sportsitze vorne, ein Momo Prototipo Lenkrad mit Hupenknopf vom Porsche 911 und die ersatzlose Demontage des Faltdaches dazu. Vorne Sportsitze im Retro-Design mit Beckengurt, die Rücksitzbank wurde mit Vinyl passend zum Material der Vordersitze bezogen. Nach Ende der Restauration im Frühjahr 2018 blieb “Sepp” noch eine Zeit lang in Österreich bei Susannes Mutter und zierte dort neben dem ein oder anderen Autotreffen auch den Schauraum deren Autohauses. Ende 2020 übersiedelte der in Tirol erst-ausgelieferte VW dann endgültig nach München und freut sich nun nach knapp 50 Jahren auf der Straße über seine deutsche Zulassung.

“Es ist so ein lustiger Zufall dass mein 181 nicht nur vom Baujahr her, sondern auch farblich perfekt zu Olympia 1972 passt und jetzt auch endlich hier in München läuft. Das Lachsrot bzw. Orange vom genau gleichen Ton findet sich auch in Otl Aichers CI-Guideline der Spiele wieder. Das rundet nicht nur die Story mit meinem 181 perfekt ab, sondern unterstreicht auch meine Liebe zu dieser wunderschönen Stadt und ihrer Historie. Auch die Sticker für unsere #Boxerbrunch Community haben wir nicht zufällig nach der Farbgebung von Olympia 1972 gewählt: unser erstes Treffen war damals im Munich Beach Resort an der Regatta-Strecke in Oberschleissheim. Auch in dieser Olympia-Location findet sich überall dasselbe Hellblau wieder, das wir seit 2020 für unsere Autoaufkleber verwenden – und das ist natürlich kein Zufall.”

Susanne Marack ist auch beruflich automotiv unterwegs und nennt privat neben dem 181 auch einen Dodge Charger SRT sowie 2 Porsche 911 und 3 weitere VW ihr Eigen. Die 32-Jährige fand ihre Liebe zum Automobil sowohl durch das Aufwachsen im elterlichen Autohaus als auch durch die Nähe zur Porsche Geburtsstätte in Gmünd in Kärnten. Gemeinsam mit dem Porsche Museum Gmünd und #Boxerbrunch-Organisator Johannes Geissler ist sie in ihrer Freizeit mit “Marack Motorsport” bei historischen Amateurrennen unterwegs.

Und wenn der 181 nach der Ausfahrt geparkt ist, geht’s mit dem farb-gleichen Aperol Spritz im Glas in die nächste Runde für Susanne. Mehr zu Ihrer persönlichen Story findet Ihr auf

www.instagram.com/susanne.marack

Mehr zur Community #Boxerbrunch hier:

www.instagram.com/boxerbrunch

Technische Daten VW 181

Baujahr: 1972
Motor: 4-Zylinder-Boxer
Hubraum: 1.493 ccm
Leistung: 32 kW (44 PS)
Max. Drehmoment: 100 Nm bei 2.000/min
Getriebe: 4-Gang-Handschalter
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 3.780/1.640/1.620 mm
Gewicht: 995 Kilo
Sprint 0-100 km/h: 30 Sek.
Top-Speed: ca. 120 km/h
Neupreis 1972: 10.235,- D-Mark
Wert heute (Zustand 1): 25.000 – 30.000 EUR

Text: Louise Heisenbauer, Susanne A. Marack
Photos: instagram.com/boxerbrunch, Brigitte Marack

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