Lieber geil 
als original

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Was für ein großer Moment.
Nach 2,5 Jahren schweißen und schrauben und einem monetären Strip von rund 12.000 Euro (allein für die Ersatzteile) steht der Capri im Jahr 2006 komplettiert, gelackt, hochglänzend und gierig knurrend auf dem Hof. Jungfernfahrt.

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Die dauert genau fünf Kilometer und endet dampfend, zischend und stinkend am Straßenrand. Das Kühlwasser kocht. Na klasse, Matuszewski holt den leuchtenden Hecktriebler mit einem Trailer zurück in die Schrauberhalle und begibt sich schlecht gelaunt auf die Fehlersuche. Der Motor hat das kochende Wasser aus dem Ausgleichsbehälter gedrückt, hat es vielleicht die angeblich neue Zylinderkopfdichtung zerlegt? Dem muss nachgegangen werden, also nehmen die Jungs die Ansaugbrücke und die Steuerkette ab und setzen die Knarre mit zölliger Verlängerung auf die erste Kopfschraube.
Dirk packt beherzt an und stolpert daraufhin unkontrolliert durch die halbe Halle – der Kandidat ist nur handfest angezogen, genau wie die anderen Kollegen auf beiden Köpfen. Das stellt ein wenig die Aussage „von einer Fachfirma neu aufgebaut“ in Frage, erklärt aber andererseits, warum der Motor sofort sein Wasser ausgespuckt hat. Dirk planiert beide Köpfe, besorgt neue Dichtungen und Schrauben – und das ist es dann auch. Der Capri (jetzt mit p) läuft rund und macht einen Heidenspaß. Im Heck liegt nicht die in bestimmten Kreisen unverzichtbare NOS-Einspritzung, da liegt eine dicke Bassrolle.

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Ein bisschen Bass muss sein. 2010 wird das Auto seine persönliche Hochzeitskutsche, 2013 bekommt er mit allen zeitgenössischen Umbauten das begehrte H-Kennzeichen. Heute fährt Dirk Matuszewski den gepimpten Sportler, noch immer ohne NOS, im Alltag und bereut keinen einzigen Kilometer. Der Motorsound ist kernig und kraftvoll, das straffe Fahrwerk vom „großen“ Capri 2.8i liegt satt und fest auf dem Asphalt und die Jahre ziehen ins Land, ohne dass auch nur irgend etwas kaputt gehen würde.

Zwei klitzekleine Rostbläschen finden sich an der Fahrertür. Aber was ist schon ohne Makel in diesem Leben? Die Pickelchen werden in diesem Winter ausgebessert. Und wie er damals in der Hochzeitskutsche seiner Ehefrau die ewige Treue versprach ist er sich beim Capri auch sicher: Der wird nicht mehr hergegeben.

Technische Daten
Ford Capri Super GT
Baujahr: 1983
Motor: V6
Hubraum: 2.935 cm3 (179 cui)
Leistung: 107 kW (146 PS)
Max. Drehmoment: 222 Nm bei 3.000/min
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 4.376/1.698/1.323 mm
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,2 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: > 210 km/h
Wert: ca. 14.000,- Euro

 

Fotos: Jens Tanz

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