Just do it: Mike Hesse und sein Porsche 911 Clone

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Just do it: Mike Hesse und sein Porsche 911 Clone

Ein Porsche Clone, viel Lifestyle und ein Leben auf der Überholspur. Das ist die Story von Mike, den die Sehnsucht nach Sonne und Strand nach Kalifornien trieb und der dort macht, was er schon immer machen wollte – nämlich hart arbeiten und das Leben genießen

 

L.A. tickt anders. Längst  hat die kalifornische Boomtown Anschluss an den Big Apple gefunden, läuft der Supercity an der Ostküste in puncto Kreativität, Lifestyle und Coolness sogar mehr und mehr den Rang ab. Wo sich die Eastcoast-Szene bevorzugt in den New Yorker Stadtteilen Queens, Williamsburg und Bushwick drängt, schein die Stadt der Engel ein einziger Kreativpool zu sein. Downtown, Silver Lake, Venice Beach –überall ist es hip, trendy und unkonventionell. In dem Küstenstreifen von West L.A., in Santa Monica, Venice, Playa Vista und Culver City, haben sich Hunderte von Technologiefirmen und Startups wie Google, Youtube, Tinder, Snapchat angesiedelt. Es ist diese Aufbruchsstimmung, die Kreative fasziniert. Wen wundert es also, dass auch Mike Hesse hier sein Eldorado gefunden hat. Der 32-Jährige Hamburger kam vor sechs Jahren nach L.A., um bei einem Kumpel Urlaub zu machen. Und blieb. Er machte da weiter, wo er im kühlen Norden aufgehört hatte, nämlich als Creative Director einer großen Agentur. „Los Angeles ist voll mit Kreativen, die auf ihrem Gebiet zur Weltspitze gehören und hoch motiviert sind. Wenn man etwas erreichen will und bereit ist, dafür hart zu arbeiten, ist das hier wirklich das Paradies“, sagt er.

Da das Paradies aber nicht nur aus harter Arbeit besteht, pflegt Mike auch einige Hobbies. Wobei „pflegt“ nicht ganz die korrekte Umschreibung seiner Freizeitbeschäftigung ist. Denn der hellgelbe 911er neben ihm ist alles, nur nicht übertrieben gepflegt. Ein paar Macken, eine Menge Staub und reichlich Dreck aus den Canyons können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um ein ganz besonderes Schätzchen handelt. Nein, es ist kein originaler 73er RSR, auch wenn der fette Spoiler, die Vollarmierung des Innenraums und die schnellen Puschen darauf hindeuten. Mikes Elfer ist ein Clone, für seinen Geschmack ein nahezu perfekter, auch wenn er das nicht gerne hört. „Perfekt gibt’s nicht“, meint er lakonisch, „ich verändere immer wieder irgendwas, das ist kein Projekt, das irgendwann mal abgeschlossen ist.“

Mike ist ein Kind der 80er-Jahre, wuchs auf umgeben von  Spielzeugautos, von denen ihm sein totgeliebter Countach noch gut in Erinnerung ist. Als Teenager stapelte er einschlägige Motorliteratur im elterlichen Keller, frisierte Roller und fräste solange mit Papas Dremel an unschuldigen Lambrettas herum, bis er mit ihnen erfolgreich Rennen fahren konnte. Statt Muscles, Chrom und Flammen war sein erstes Auto ein 123er Coupé, selbstredend nicht bürgerlich-bieder poliert sondern rattig matt. Es folgten viele weitere, bevorzugt aus deutscher und englischer Produktion, ehe 2011 der erste Elfer ins Haus kam – keine schlechte Karriere für einen 25-Jährigen. In L.A. traf er auf eine Menge Maniacs im Bann der  Luftgekühlten. „Der Elfer ist eine Ikone“, grinst Mike und betrachtet verträumt seinen gelben Renner, „den hier habe ich mir vor zwei Jahren als Rennwagen gekauft und bin noch lange nicht fertig damit.“ Dazwischen lagen unter anderem ein 70er Chevy Nova Dragster, „der reine Punkrock, aber zu radikal zum Fahren“, ein BMW E28 und ein Porsche 914, letzterer noch im Besitz von Mike. „Der 911 hat eine  lange Geschichte auf dem Buckel“, stellt Mike den Gelben vor, „der erste Besitzer hat ihn auf Widebody-Fahrwerk umgebaut, mir persönlich eine Spur zu heftig. Als ich ihn gekauft habe, war er wieder schmal und hatte den 3.8 RS-Flügel drauf. Ich hab ihn in meiner Werkstatt zum 73er RSR Clone finishen lassen, natürlich inklusive Fahrwerk, bisschen was am Motor, fette Puschen und CIS Einspritzung. Ich schwöre auf den 3-Liter-Motor, deshalb ist der drin und kein anderer und bringt Leistung satt.“ Ölkühler, zweite Spritpumpe, Recaro-Sitze, Snap-on Sparco-Lenkrad, ein zweiflutiger Auspuff, Turbo-Bremsen und die Schaltanzeige auf dem Armaturenbrett bringen Race-Feeling, allen voran natürlich der Überrollkäfig, der den Innenraum empfindlich einschränkt und das Einsteigen zur artistischen Übung macht.

Wenn Mike frühmorgens vor dem Job alleine oder mit seinen Kumpels durch Mulholland, Malibu und die Canyons driftet, genießt er den Californian Way of Life in vollen Zügen. „Die Polizei drückt schon mal ein Auge zu“, feixt er, „die gönnen den Leuten ihren Spaß und lassen sie fahren. L.A., das ist Autokultur pur, an jedem Wochenende ist ein anderes Event, einfach geil.“ Die zahllosen Treffen nutzt Mike auch, um benötigte Ersatzteile zu finden, nicht immer original, aber immer mit Liebe von Porsche-Enthusiasten gebaut. Gibt’s noch was zu tun? „Immer“, grinst Mike, „ich sagte ja schon, dass das kein Projekt ist, das irgendwann abgeschlossen ist. Für mich lebt der Elfer, der wird nie fertig.“ Vielleicht weicht der Patina-Look einer neuen Lackierung in Original-Gelb, vielleicht werden mal Startnummern aufgeklebt, vielleicht fahren Mike und sein Racer auch die nächste Targa California Rallye mit. Vielleicht knöpft sich der kreative Kopf aber auch den 914 vor und verhilft ihm zu einer zweiten Karriere. Zwei Kofferräume und ein Motor dazwischen? Das klingt nach viel Potenzial …

Autor: Marion Kattler-Vetter – Fotos: Nico Paflitschek
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