Passion for Patina: Porsche Sammler Matt Hummel

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Passion for Patina: Porsche Sammler Matt Hummel

Wettergegerbt, sonnengebleicht, optisch eine Katastrophe, aber technisch top: Die Sammlung von Matt Hummel ist anders. Als wir den Porsche-Maniac im Sommer zum ersten Mal trafen, war klar: Den wollen wir besser kennenlernen

 

Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, kennt ihn: Matt Hummel. Der knapp 40-Jährige macht mit seinem Porsche im Shabby-Look die Hügel seiner kalifornischen Heimat unsicher und wird von seinen Followern dafür gefeiert. Wer in der Gegend von Sacramento unterwegs ist, kennt ihn auch: Wer sonst stellt einen sechzig Jahre alten 356 A einfach so am Straßenrand ab? Klar, Matt. Der Mann gibt seinen Meilenstein der Automobilgeschichte scheinbar ungerührt dem Verfall preis. Massive Patina ist die wohl höflichste Umschreibung des desaströsen Zustands. Aus den Sitzen lugen struppige Kokosfasern, der Fußraum besteht aus nacktem Blech. „Der ist noch genau in dem Zustand, in dem ich ihn entdeckt habe. Dieser Wagen hat eine Menge erlebt und ist immer noch da. Ich liebe seine Authentizität, ich will ihn als Zeitzeugen erhalten. Und auf keinen Fall zurückbauen in einen nichtssagenden Originalzustand“, ist Matts Ansage zu dem Rosthaufen. So schindet er die Ikone über Bergpässe und staubige Pisten, düst über Schotterstraßen und Schlamm. Wir hängen uns dran und staunen, wie souverän der Survivor Kurve um Kurve meistert und ohne Anstrengung durch die kalifornischen Hügel klettert. Bis es fast kracht. Ohne Vorwarnung tritt Matt in die Eisen, streckt kurz den Arm aus dem Fenster und biegt im satten Drift ab. Blinker? Wer braucht schon Blinker … Wir sind am Ziel, Matt bittet in sein Reich.

Auf dem verwilderten Grundstück stehen die anderen Mitglieder der Hummel‘s Collection: ein 1986er 911 Carrera 3.2, ein 1966er 912, ein 356 A Super von 1958 und zwei 356 Cabriolets Jahrgang 1952. Die offenen 356 sind für Matt sein kostbarstes Gut: „Die beiden sind Zwillinge“, verkündet er stolz, „sie haben aufeinanderfolgende Chassisnummern und wurden direkt nacheinander produziert. Die erste endet auf 4, die zweite auf 5.“ Wo er die beiden Porsche entdeckt hat, verrät er nicht, wozu auch. Oft ist es ohnehin so, dass die Fahrzeuge ihn finden. Sagt er. Nachdem er sich ausgiebig an unserer Verblüffung ob der kruden Porsche-Versammlung im gewöhnungsbedürftig bis desolaten Zustand geweidet hat, denkt er, dass wir Kraft für weitere Enthüllungen haben. Wortlos marschiert er zur Scheune neben dem Wohnhaus und gibt den Blick frei auf vollgestopfte Regale, Kisten, Kästen und Schubladen, einen Haufen Teile in der einen, ein paar rudimentär vorhandene Fahrzeuge in der anderen Ecke, alle zweifelsfrei als Porsche zu identifizieren. Die Überraschung ist ihm gelungen, wir sind mal wieder sprachlos. „Das ist meine Schatzkammer“, grinst Matt und zieht eine Schublade auf. Fein säuberlich verwahrt er Kamax-Schrauben darin, in der nächsten Etage finden sich Armaturenknöpfe gefühlt jeden Porsche-Modells, daneben eine illustre Anzahl nicht mehr auffindbarer 80-Milimeter-Kolben der frühen Porsche-Produktion. „Das habe alles ich in den letzten zehn Jahren zusammengetragen“, erklärt der Maniac stolz, „und zwar weltweit.“

Matts Liebe zu betagtem Blech reicht noch weiter zurück. Schon als 16-Jähriger suchte er VW-Teile zusammen, sogar in Burma und Thailand, wo die Teileszene richtig ergiebig war. Zurück in den Staaten wurden ihm die seltenen Stücke aus den Händen gerissen und finanzierten seine Fernreisen. Fenster für den Samba-Bus, original Fronthauben für den T1, Scheiben, Türen, Armaturen – Matt hatte alles. Dann kam der Switch zu Porsche, laut Matt eine logische Folge. „Die ersten Porsche und Volkswagen waren sich technisch sehr ähnlich“, meint er, „außerdem machen Porsche mehr Spaß.“ Dass der unkonventionelle Freak seinen kostbaren Besitz mit ähnlich gestrickten Klassikerfans teilt, macht ihn noch sympathischer. „Wenn mich jemand anruft, der einen seltenen Porsche besitzt, suche ich gerne das passende Teil für ihn. Manche Juwelen musst du weitergegeben, damit die alten Fahrzeuge überleben.“

Zum Abschluss hat er Lust, eine Runde zu drehen und entert den grünen 912 aus den Sechzigern. Der sieht sogar ganz manierlich aus, Matt würde sagen „simply perfect“. Die nur vier Jahre lang gebaute günstigere und leistungsschwächere Variante des 911 passt nach Kalifornien wie Matt hinters Steuer. Der 1,6-Liter-Vierzylinder aus dem 356 SC schnurrt mit 90 PS wacker durch die Hills, die 4-Gang-Schaltung flutscht ohne Mucken und sogar die Chrom-Gimmicks an Stoßstange, Lüftungsgitter, Spiegel und Schweller haben überlebt. Ist dieser Alt-66er nicht ein wenig zu clean für Matt? „So what“, grinst der Patina-Lover, „zur Not hab ich ja noch meinen 356 A.“ Manchmal muss es eben perfekt sein

Autor: Marco Wendlandt / Fotograf: Nico Paflitschek
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