Ford Model A Coupé 1930 – Perrys Hot Rod

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Perry van den Eertwegh aus Eindhoven ist europäischer Hotrodder der ersten Stunde – und vornehmlich in England und Amerika unterwegs. Das ist wohl einer der Gründe, warum seine Autos nahezu perfekt sind. Wie das Ford Modell A Coupé, Baujahr 1930

Der Mann betreibt in Eindhoven/Holland eine bemerkenswerte Garage. Halb Museum, halb Werkstatt, und wer nicht gleich selber hinfahren kann, sollte sich mal unter www.rodshop.nl umsehen. Und unbedingt “Shop Pics” anklicken.

Hier im organisierten Chaos ist Perry van den Eertwegh der Chef. Der betrieb ursprünglich eine Werkstatt für Engländer, hauptsächlich Minis. Doch heute liegt der Schwerpunkt eindeutig auf Amis, vor allem Rods und Customs.

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Durch das Channeling und das Chop sitzt man extrem tief.

Nach vielen Jahren harter Arbeit kann es sich Perry inzwischen leisten, sich auf das zu konzentrieren, was ihm Spaß macht. Schon zahllose Rods und Customs – davon auch viele deutsche – sind durch seine Hände gegangen. Allerdings ist er kein normaler Autohändler. Das Geheimnis seines Erfolges ist, dass das Ganze für ihn nicht Beruf, sondern Hobby ist: Er kauft gute Autos, die ihm selber gefallen, fährt sie eine Zeit lang, verbessert sie und verkauft sie wieder – natürlich zu vernünftigen Preisen.

Gerne besorgt er sich Autos aus England – allerdings abhängig vom Umrechnungskurs. Der große Vorteil gegenüber USA-Importen ist, dass Wagen aus der EU zoll- und mehrwertsteuerfrei sind. Seit die günstigere Oldtimerverzollung (kein Zoll und nur 7 statt 19 Prozent Steuer) abgeschafft wurde, fällt das noch mehr als früher ins Gewicht. Und auch der kurze und damit schnelle und billige Transportweg ist ein Argument. Doch selbst den weiten Weg in die USA scheut Perry nicht, wenn es die Lage erfordert. So wie beim Model A Coupè.

Zufallsfund in USA

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Der 32er-Ford-Grill ist bei Hotroddern sehr beliebt.

Doch der Fund war eher Zufall: Perry begleitete einen Freund, der Minivans aus den USA importiert, bei einer seiner Reisen. Sie streiften dabei auch Idaho – ein Staat, in dem man eher weniger seinen Urlaub verbringt. Bei der Gelegenheit besuchten die beiden eine der in den USA zahlreichen “indoor car shows”. Dort stand auch das 30er-Coupè. Der Wagen fiel Perry auf, weil er “gut saß” – “sits right” ist eine stehende Redensart, die bedeutet, dass die Tieferlegung richtig gelungen ist und die Räder perfekt in den Radhäusern stehen. Aber auch Radgröße, der Radstand, der “rake” – die hotrodtypische Neigung – und die Gesamtproportionen spielen eine Rolle. Eben ein Auto, das auf den ersten Blick gefällt.Vor allem im Profil sieht man: Der Größenunterschied zwischen Vorder- und Hinterrädern ist perfekt – deutlich, aber nicht comichaft übertrieben. Genauso perfekt das Top Chop: auf den ersten Blick zu sehen, aber nicht so extrem, dass die Proportionen seltsam wirken. Die Hauptsache ist das Channeling, das Über-den-Rahmen-Stülpen der Karosserie, wobei der komplette Wagenboden rausgetrennt und ein Stück nach oben versetzt wieder eingeschweißt werden muss. Auch hier wurde das perfekte Maß gefunden. Insgesamt sieht der Wagen so aus, als hätte Henry ihn gleich so bauen sollen…

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Auch unter dem Auto ist alles neu oder zumindest überholt …

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… wie man hier genau sehen kann.

Obwohl im immer noch angesagten Mattschwarz, ist das kein Rat Rod. Im Gegenteil: Rahmen, Achsen, Spritzwand und Motor sind hochglänzend lackiert und supersauber. Bis auf die Mattlackierung, die es damals nicht gab, sieht er aus wie ein Show Rod aus den frühen 60er-Jahren, bei dem die Innenausstattung noch nicht ganz fertig ist. Abgesehen von dem zu modernen Lenkrad ist alles “period-perfect”: ein alter Chevy Smallblock mit “Tri-Power”, also einer Anlage mit drei Doppelvergasern, auf einer alten Offenhauser-Spinne, Trommelbremsen rundum und eine I-Beam-Starrachse vorne. Hier hätten allerdings altmodische “Split Wishbones” oder “Hairpins” als Führung besser gepasst als die eigentlich für eine “Tube Axle” gedachte Four-Bar-Aufhängung. Dafür sind die 50er-Pontiac-Rücklichter mit Blue Dots wieder perfekt und auch den 32er-Ford-Kühlergrill montieren die Hotrodder schon seit 1932 nicht nur an ihre Model As, sondern auch an viele andere Hot Rods.

Kauf im Internet

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Schönes Detail: der klassische “fuel block”, um das Benzin auf die drei Vergaser zu verteilen.

An Kaufen dachte Perry damals zuerst nicht, aber der Rod gefiel ihm richtig gut. Offensichtlich nicht nur ihm, sondern auch Hotrodder Chip Foose, der ebenfalls auf der Show war, und sich auf dem Kofferraumdeckel verewigte. Ein paar Monate später sah Perry dann auf www.hotrodhotline.com – der wohl größten und bekanntesten Hotrod-Website weltweit – genau dieses Auto zu verkaufen, sogar zu günstigem Kurs. Internetkäufe sind schwierig; als Profi kauft Perry nie etwas ungesehen, allerdings lohnt sich für ein Auto der Flug rüber in den meisten Fällen auch nicht. Aber hier lag die Sache zum Glück anders: Er kannte den Wagen ja schon. So nahm er per Mail Kontakt mit Dick Brooks auf, einem älteren Herrn aus Idaho, der den Wagen gebaut hatte. Dick ist ein alter Hotrodder und der 30er war bei Weitem weder sein erstes noch sein letztes Auto. Jetzt brauchte er Platz und Geld für sein nächstes Projekt, deshalb stand das Model A zum Verkauf.

Perry zögerte nicht lange. Das Auto war klasse, der Preis stimmte und auch am Telefon machte Dick einen guten und zuverlässigen Eindruck. Der Kauf wurde abgeschlossen und Dick organisierte die Verschiffung nach Holland. So fuhr Perry den Ford erst mal und hatte jede Menge Spaß damit – wie wir beim Fotoshooting.

Kurz darauf verkaufte Perry ihn allerdings an Peter G., ein Mitglied der “Axle Draggers”. Er und seine Freundin Conny sind absolut US-Car-begeistert, in den letzten sechs oder sieben Jahren hat Peter mehrere Amis besessen und teilweise auch selbst auf- und umgebaut. Jetzt wurde es Zeit für die Königsdisziplin.

Zulassungsprobleme

Doch vor dem Spaß stand die deutsche Zulassungshürde. Ein “traditional hot rod” hat keine Kotflügel, keine Trittbretter und keine Motorhaube. Die zu entfernen war schon Ende der 20er-, Anfang der 30er-Jahre eine der ersten Modifikationen der jugendlichen Hotrodder gewesen. Dadurch wurde Gewicht gespart und auch der Luftwiderstand verringerte sich – die einfachste und gleichzeitig billigste Art des Tunings. Leider sieht die deutsche Aufsicht das nicht so gerne.

Zum Glück ist Peter handwerklich geschickt und so konnte er eine Haube und kleine Kotflügel selbst dängeln, die Haube wurde außerdem von der Firma Speedlook gelouvert und anschließend alles passend zum Rest mattschwarz lackiert. Die Hürde wurde genommen.

Zunächst hatte auch Peter viel Spaß mit dem Rod, aber auf einer Fahrt im Sommer 2010 blockierte auf der Autobahn die Hinterachse. Natürlich geriet der Wagen ins Schleudern und bei dem folgenden Zusammenprall erwies sich die Leitplanke als stabiler. Das Resultat: Totalschaden. Dumm gelaufen. Zum Glück blieben wenigstens Peter und sein Kumpel unverletzt. Inzwischen hat Peter den Rod von Grund auf neu auf- und umgebaut, richtig böse, unter anderem mit einem 7,2-l-Cadillac-Motor. Grund genug, den Ford in seiner neuen Form ebenfalls vorzustellen.

Perry übrigens fährt, kauft und verkauft nach wie vor Hot Rods, auch wenn das angesichts der stets strenger werdenden Zulassungsvorschriften selbst für ihn immer schwieriger wird…

Bilder: Hans Pfeiffer

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