Porsche 911 2.7 RS – Safari in der Eifel

Eifel-Rallye-Festival in Daun

Der Ludwigsburger Uwe Kurzenberger ist echter Porsche-Enthusiast: Innerhalb von fast zehn Jahren hat er die originalen Werks-911 2.7 RS der East-African-Safari-Rallye der Jahre 1973 und 1974 gekauft und behutsam restauriert. Jetzt rannten beide beim Eifel-Rallye-Festival in Daun. An den Lenkrädern: der Besitzer und Ex-Rallyeweltmeister Björn Waldegaard. Wir wagten uns bei beiden auf den Copiloten-Sitz

Irgendein Vollidiot steht auf der Hupe – natürlich genau dann, als Uwe Kurzenberger mit mir als Beifahrer im Porsche 911 2.7 RS, Startnummer 42, zum Sonderpüfungsstart rollt und ich eine wichtige Frage auf den Lippen habe. Er gestikuliert, ruft, schimpft vielleicht auch ein bisschen gegen den Lärm an, auch mich nervt der Krach. Dann plötzlich: Ruhe.

“Du standest auf der Hupe…” sagt Kurzenberger sichtlich erleichtert. Tatsächlich: Der Vollidiot war ich. Muss ich denn wissen, dass bei einem Original-Auto der East African Safari Rallye der Copilot mit seinen Füßen für das Weghupen von Hindernissen zuständig war? Auch die Bedienung der Scheibenwaschanlage ist da unten – Beifahrer sein ist eben kein Zuckerschlecken.

Stolze Porsche-Eigner: Uwe Kurzenberger und Frau Gabriele

Stolze Porsche-Eigner: Uwe Kurzenberger und Frau Gabriele

Konzentrierter Eifel-Flug: Kurzenberger in seinem Element

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Künstliche Wasser-Durchfahrt: Waldegaard und Porsche nehmen es stoisch hin

Künstliche Wasser-Durchfahrt: Waldegaard und Porsche nehmen es stoisch hin

 

Von Fans und Fahrern gern genommen: Sprunghügel zum Abheben Von Fans und Fahrern gern genommen: Sprunghügel zum Abheben Von Fans und Fahrern gern genommen: Sprunghügel zum Abheben
Von Fans und Fahrern gern genommen: Sprunghügel zum Abheben Von Fans und Fahrern gern genommen: Sprunghügel zum Abheben

Von Fans und Fahrern gern genommen: Sprunghügel zum Abheben

Kurzenberger verzeiht. Schließlich sitzt unsereins nicht ständig in einem historisch wertvollen Rennwagen – die Nummer 42 ist einer der beiden Porsche, die als Werkswagen 1973 und 1974 in die Wüste zur Safari-Rallye geschickt wurden. Und der zweite, Nummer 19, gehört ihm auch noch. Wie kommt der Mann zu solchen Juwelen?

Die Ludwigsburger-schwäbische Liebelei begann 1990, als sich der gelernte Mechaniker Kurzenberger als Lohnfertiger im mechanischen Bereich selbstständig machte. Er baute unter anderem Lackier- und Montagevorrichtungen, und der erste Kunde war – Porsche. Kein Wunder, dass bald ein gelber 2.2 Targa den privaten Fuhrpark zierte: “Ich wollte auch mal was von der Arbeit haben und nicht alles verdiente Geld in die Firma stecken,” entschuldigt Kurzenberger fast seinen ersten Luxusautokauf. Das gelbe Kleinod besitzt er noch heute. Später kam ein moderner Porsche hinzu – das Stuttgarter Virus hatte ihn voll im Griff.

Gehört Porsche: das originale Waldegaard-Safari-Auto von 1978

Gehört Porsche: das originale Waldegaard-Safari-Auto von 1978

Frisch aus der Wüste: Der Museums-Porsche existiert noch so, wie er von der Rallye kam - mit kaputtem Spiegel, geschmolzenem Erste-Hilfe-Kasten, verplombtem und versandeten Motor und gerissenem Scheibenrahmen Frisch aus der Wüste: Der Museums-Porsche existiert noch so, wie er von der Rallye kam - mit kaputtem Spiegel, geschmolzenem Erste-Hilfe-Kasten, verplombtem und versandeten Motor und gerissenem Scheibenrahmen Frisch aus der Wüste: Der Museums-Porsche existiert noch so, wie er von der Rallye kam - mit kaputtem Spiegel, geschmolzenem Erste-Hilfe-Kasten, verplombtem und versandeten Motor und gerissenem Scheibenrahmen
Frisch aus der Wüste: Der Museums-Porsche existiert noch so, wie er von der Rallye kam - mit kaputtem Spiegel, geschmolzenem Erste-Hilfe-Kasten, verplombtem und versandeten Motor und gerissenem Scheibenrahmen Frisch aus der Wüste: Der Museums-Porsche existiert noch so, wie er von der Rallye kam - mit kaputtem Spiegel, geschmolzenem Erste-Hilfe-Kasten, verplombtem und versandeten Motor und gerissenem Scheibenrahmen Frisch aus der Wüste: Der Museums-Porsche existiert noch so, wie er von der Rallye kam - mit kaputtem Spiegel, geschmolzenem Erste-Hilfe-Kasten, verplombtem und versandeten Motor und gerissenem Scheibenrahmen

Frisch aus der Wüste: Der Museums-Porsche existiert noch  so, wie er von der Rallye kam – mit kaputtem Spiegel, geschmolzenem Erste-Hilfe-Kasten, verplombtem und versandeten Motor und gerissenem Scheibenrahmen

Das nutzte natürlich auch sein Händler, der ihm 2002 einen nur schwer zu verdauenden Köder hinwarf: “Der erzählte mir, dass er wüsste, wo einer der zwei Porsche 2.7 RS der Safari-Rallye steht. Den hatte 1973 Björn Waldegaard gefahren und war damit Zweiter geworden. Kaufpreis Summe x, Provision Summe y, und dann könne ich ihn gleich mitnehmen.” Dazu muss man wissen: Porsche hat eigentlich alles gewonnen, wo die Sportwagenfirma mitrannte – bis auf die damals schwerste Rallye der Welt. Die East-African Safari Rallye führte mehr als 5.000 Kilometer in drei Tagen durch den afrikanischen Kontinent. Porsche versuchte sein Glück 1971, 1973, 1974 und 1978 – doch nie konnten die Stuttgarter gewinnen. Das stand allerdings einer Wertsteigerung der wenigen vom Werk aufgebauten Safari-911er nicht im Wege: Heute sind solche Autos hohe sechsstellige Beträge wert.

Kurzenberger flog kurzerhand nach Nairobi, schaute im Nationalpark vorbei und nahm die Startnummer 41 unter die Lupe. Die wurde einst mit Bosch-Lackierung gefahren, 1974 in Kühne & Nagel-Farben umlackiert. Dann musste sie die Rallye noch einmal fahren, wurde verkauft und bei lokalen Rallyes völlig zu Schanden geritten, “bis sich nichts mehr drehte”.  Kurzenberger kaufte den Wagen trotzdem vom damaligen Besitzer Surinder Thatthi (der ist heute FIA-Vizepräsident und richtet die Classic-Version der Safari-Rallye aus, weil jene seit 2003 nicht mehr zum offiziellen Rallye-Kalender gehört), vor allem wegen der Originalität, und flog keine 36 Stunden später wieder nach Hause. Dann stellte er ihn weg – die Kasse war zu leer zum Restaurieren.

Gesammelte Wüstenkraft: 17 Safari-Klassiker auf eionen Streich

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Damit wusste der Selfmademan trotzdem immer noch nicht, was das Auto eigentlich durchgemacht hatte. “Ich wollte das aber selber sehen – und als 2003 die Safari-Rallye als Classic-Version ausgeschrieben wurde, bin ich als Tourist mit meiner damaligen Lebensgefährtin Gabriele hingeflogen, um mir das anzusehen.”  Es kam anders: Ein britischer Bekannter nahm im Datsun 240Z teil, crashte bereits am ersten Tag und war am zweiten mit den Nerven fertig. “Dann bin ich da reingesessen,” dialektet Kurzenberger herrlich, nachdem Veranstalter Thatthi sein okay gegeben hatte. Nach weiteren 220 Kilometern kam ein Stoßdämpfer nach einem ungünstig genommenen Loch oben heraus, der Service flickte den Schaden notdürftig, denn “wir hatten kein Ersatzteil und kein gar nichts dabei…” In Uganda brach die Hinterasche nach einem Showdriftversuch des Autobesitzers vor begeisterten Zuschauern, der Schaden wurde mit Spanngurten begrenzt – tatsächlich kamen Kurzenberger und der nun glückliche Datsun-Besitzer schließlich irgendwann an. “Seitdem kann ich verstehen, warum ein von professioneller Hand geführter Safari-911 als Fast-Neuwagen so schief und schepprig sein kann und warum eine A-Säule nur aus Schrauben, Nieten und Schweißnähten besteht. Das kommt eben alles vom Improvisieren.”

Zwei Jahre lang musste sich der Handwerker von der finanziellen Belastung erholen, bis er sich ans Restaurieren der Nummer 41 machte. Der Wagen war erst 2005 fertig.
Natürlich hatte die Porsche-Szene Kurzenbergers Engagement wohlwollend zur Kenntnis genommen, “und so kam der zweite Wagen, die Nummer 19, von selbst auf mich zu.” Eigentlich hieß es nämlich, beide 1973/1974-Porsche seien in Kenia zurückgelassen worden, doch das stimmte nicht: 1975 kaufte das deutsche Rennteam Köhler & Rack ganz legal Waldegaards Nummer 19 von 1974, befreite sie von jeglichem Safari-Ballast wie Dachgarten und Kuhfänger, nahm die erhöhte Bodenfreiheit von zehn Zentimetern zurück, lackierte sie um und setzte sie bei “normalen” Rallyes ein. Nur die beiden seitlichen Wagenheber-Bügel verrieten den einstigen Auftrag. So gewann das Auto zum Beispiel die Tour d’Europe – und kein Zuschauer ahnte etwas von der Historie des Porsche.

Kleine Probleme am Kurzenberger-Porsche sind schnell behoben

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Auch Kurzenberger lässt es fliegen - er schont niemanden

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Auch ein Erlebnis: Jahrtausend-Rallyefahrer Walter Röhrl im Opel Ascona 400

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Heiratsantrag auf der Rampe

Seit 1979 vegetierte der arme Stuttgarter mit Motorschaden in einer Garage vor sich hin. “Aber da stand auch alles, was vorher ausgebaut wurde: der originale Tripmaster, Unterfahrschutz, Motor und Getriebe, sogar noch original verplombt. Als ich das gesehen habe, wollte ich ihn besitzen.” Bevor er ihn 2006 dann wirklich erstand, machte er nach der Zieldurchfahrt bei der “Safari Classic” auf der Rampe auf dem Dach seines Peugeot 504 Saloon seiner Freundin Gabriele einen Heiratsantrag. 2006 verließ er mitten während der “Langenburg Historic” die Vorgaben des Roadbooks und steuerte eine Kirche an, heiratete sie im Overall und nahm mit Zettel “just married” im Auto und einer Kette von leeren Dosen am Auto wieder am Renngeschehen teil.

Noch im gleichen Jahr hatten seine vierteljährlichen Anrufe beim 911-Besitzer gefruchtet: Er konnte den 42er-Zwilling haben. Er holte alles ab und baute alle Originalteile wieder ein, und zwar “bis zur letzten Schraube, die noch Lack dran hatte. Denn eine neue kann ich immer nehmen, aber wenn das Original weg ist, ist es weg…”

Gemeinsam sind sie noch stärker: Kurzenbergers Safari-Porsche als Zwillinge

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Stets umlagerter Star: Walter Röhrl Stets umlagerter Star: Walter Röhrl
Stets umlagerter Star: Walter Röhrl

Jetzt führt Kurzenberger seine Autos auf Rallye-Events wie das Eifel-Rallye-Festival. “Und ich bin dabei am Limit – aber ich denke, die Autos können noch mehr als ich.” Wenn die Wagen nicht mehr fahren sollen, kann sich Kurzenberger nur einen einzigen würdigen Ort für die Unterbringung vorstellen: das Porsche-Museum.

Doch das kümmert sich gerade selbst um eine eigene Pretiose: um den originalen Safari-Porsche von 1978 mit der Startnummer 5, ebenfalls ein Auto von Björn Waldegaard. Der wurde einst so eingemottet wie er nach der Zieldurchfahrt ankam: Im Auto befinden sich sogar noch originaler Wüstensand, der von der Hitze geschmolzene Erste-Hilfe-Kasten und die Trinkflasche des Stockholmers. Der Zähler zeigt genau 5.539 Kilometer an – gerade eine Safari-Distanz. Aber man kann auch sehen, wie der Wagen gelitten hat: Der linke Außenspiegel ist kaputt, ein Haltegriff am Heck abgerissen, der Frontscheibenrahmen hat einen dicken Riss. Inzwischen hat sich auch Rost breit gemacht. Geplant ist eine “sanfte Restaurierung”, die etwa ein Jahr dauern wird. Sie wird sich vor allem auf den Motor und das Fahrwerk beziehen, die zunächst trockeneisgereinigt werden. Nur, was wirklich nicht repariert werden kann, soll ersetzt werden.

2013 will Porsche wahrscheinlich als Werk am Eifel-Rallye-Festival teilnehmen. Mit dabei: zwei Stars. Einer ist die dann restaurierte Nummer 5 aus dem Jahr 1978. Der zweite ist natürlich der schwedische Meister Waldegaard, der am Steuer sitzen soll.

Eifel-Rallye-Festival in Daun

Eifel-Rallye-Festival in Daun

Pilot Waldegaard bringt den Autor gut zum Schwitzen Pilot Waldegaard bringt den Autor gut zum Schwitzen

Pilot Waldegaard bringt den Autor gut zum Schwitzen

“Das ist mein Zuhause”

Interview mit Björn Waldegaard (68), Rallye-Weltmeister 1979, beim Eifel-Rallye-Festival in Daun am Steuer seines ehemaligen Safari-Porsche 911 2.7 RS

Träume Wagen: Wie ist das, seine alten Rallyeautos wieder zu fahren?
Björn Waldegaard: Auf alle Fälle eine große Freude. Ich bin überrascht, wie viele meiner alten Autos noch leben. Nur schade, dass ich sie selber nicht gekauft habe damals.

TW: Wie viele bist Du denn gefahren?
Waldegaard: Keine Ahnung. In Schweden kam vor kurzem ein Fan, der hatte 36 Rallye-Modellautos auf eine Platte geschraubt, die soll ich alle mal gefahren haben. Der wollte auf jedem meine Signatur.

TW: Kannst Du Dich an die Safari-Rallye 1973/1974 erinnern?
Waldegaard: Oh ja – wir haben ja sogar viermal versucht, zu gewinnen. Das war 1971, 1973, 1974 und 1978. Tut mir Leid für Porsche, dass es nicht geklappt hat, aber für mich war das völlig ok. Porsche hatte damals das Rallye-Budget zusammengestrichen, es gab zu wenig Testmöglichkeiten – wir konnten nicht gewinnen. Aber 2011 habe ich endlich gewonnen – bei der Safari Classic und natürlich auf einem Porsche 911.

TW: Ist die Safari Classic vergleichbar mit damals?
Waldegaard: Der einzige Unterschied zu der damaligen Safari-Rallye ist, dass wir nun nicht mehr Tag und Nacht fahren. Damals mussten 5.000 Kilometer in drei Tagen bewältigt werden, heute haben wir acht Tage.

TW: Magst Du solche Events wie hier das Eifel Rallye-Festival?
Waldegaard: Oh ja. Es ist toll, die ganzen alten Autos zu sehen und die vielen tausend Menschen, die auch wegen uns kommen. Und das Fahren macht Spaß – ich fahre zwar nicht 100 Prozent, aber mehr als 90 Prozent sind es schon…

TW: Wie sieht Deine Rallye-Zukunft aus?
Waldegaard: Ich habe ein paar wunderbare Einladungen – zum Beispiel nach San Marino
zu einer Safari-Feier. Viele fragen mich, warum ich mir das noch antue.
Die Antwort ist ganz einfach: Das ist mein Zuhause.

Fotos: R. Löwisch, G. Mahler-Kurzenberger, RBHahn, MCKlein, Opel/Lambrecht

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