Gimme Five: Porsche Sammler Carson Chan

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Gimme Five: Porsche Sammler Carson Chan

Dass ein Mann Porsche sammelt, ist nicht ungewöhnlich. Dass er fünf grundverschiedene hat, schon eher. Dass er aber rund 6000 Kilometer entfernt von seinen Schätzchen lebt, ist nun wirklich nicht alltäglich

 

Das Klischee stimmt. Relaxter Typ, sonniges Anwesen in L.A., in der Auffahrt fünf nicht gerade alltägliche Porsche. Ein 89er Speedster, ein 89er Carrera 4, ein Beck 904 und gleich zwei der einst belächelten, heute schwer gehypten Hausfrauen-Porsche, ein 74er 914/4 und ein 70er 914/6. Um das Bild des Geldadels perfekt zu machen, prangt noch ein nobler Zeitmesser am Arm des freundlichen Herrn, dank lässig hochgekrempelter Ärmel schwer zu übersehen. Für den Gegenwert des Klunkers hätte er sich auch den sechsten Porsche auf den Hof stellen können.

Das Bild trügt. Carson Chan ist zwar unbestritten freundlich, relaxt und sicher nicht unvermögend, hat aber mit dem Schicki-Micki-Lifestyle-Gehabe der Cali-Gesellschaft absolut nichts am Hut. Im Haus wohnen seine Eltern, er selbst lebt  mit seiner Familie seit zehn Jahren in Hongkong und düst halt ein paar Mal im Jahr nach Kalifornien, denn hier ist er aufgewachsen, hier stehen seine Autos, hier leben seine engsten Freunde. Ein Großteil seines Lebens fand hier statt, die Eltern werden langsam alt und zweifellos ist die Luft besser als in der Megacity Hongkong – genug Gründe, L.A. die Treue zu halten. Auch die Handvoll erlesener Fahrzeuge sind ein starkes Argument für regelmäßige Besuche – oder können Sie sich vorstellen, auch nur eine der Ikonen durch die Rushhour der Siebenmillionen-Metropole zu bugsieren? Eben.

Carsons Leidenschaft für die Zuffenhausener begann im zarten Teenager-Alter. „In Kalifornien brauchst du ein Auto“, meint Carson, „am besten ein eigenes, wenn du nicht immer auf Mama angewiesen sein willst.“ In gewisser Weise war er das aber doch, denn das GoKart, mit dem er seine ersten Fahrversuche auf der Kartbahn machte, musste ja irgendwie transportiert werden. Womit? Klar, mit Mamas Oldsmobile. „Es hing einen halben Meter hinten raus“, grinst Carson in Erinnerung an die Harakiri-Transporte, „aber irgendwie kam ich klar.“ Dass das Kart nach Mutters Protest schließlich auf dem Dach festgezurrt wurde, war auch nicht viel besser, aber immerhin ging die Heckklappe wieder zu. Die gemeinsamen Schraubererlebnisse in der Garage seines Freundes hinterließen Spuren bei dem aufstrebenden Kart-Sportler: Von dieser Minute an war Carson angefixt von allem, was mit Mechanik, Technik und Werkzeugen zu tun hat.

Die ersten eigenen Autos kamen und gingen, meist Japaner, bis ihm der 911er eines Bekannten vor die Linse kam. Das war´s! Der Virus fraß sich in Sekundenschnelle ins Gehirn des College-Boys und ließ ihn nicht mehr aus den Fängen. Carson schuftete 18 Monate lang durch: vier Jobs, von sechs Uhr früh bis Mitternacht, sieben Tage die Woche. Lohn der Tortur: 1997 kam der erste 911 SC ins Haus, nicht gerade ein First-hand-Modell, noch dazu in grauslichem desert-beige mit braunen Cordsamt-Sitzen- aber ein Porsche! „Heute wäre die Farbe total angesagt“, wundert sich Carson über die Zeitenwende, „damals war es einfach nur schrecklich.“ Ungeachtet der Geschmacksverirrung hatte er viel Spaß an seiner Porsche-Premiere, ersetzte, was defekt war, reinigte, reparierte und schraubte mit Hingabe, bis alles technisch astrein, optisch aber immer noch vintage war. An diesem Punkt fällte Carson wohl seine Entscheidung, auch künftig mehr Wert auf solide Technik als auf coole Optik zu legen. „In den USA gibt es den POC, den Porsche Owner´s Club, wo die Besitzer ihre Autos nie waschen, aber technisch immer auf Stand halten. Und den PCA, den Porsche Club of America, der viel Wert auf Show und Shine legt“, erklärt Carson. Und nun raten Sie mal, welchem Club er angehört …

Der Bann war gebrochen, das Studium beendet, der erste Job brachte Geld ins Haus und dem ersten Porsche folgte bald der zweite, ein 83er SC, der wie der Garagenkumpel von Carson auch auf dem Racetrack bewegt wurde. „Porsche sind von Haus aus dafür prädestiniert“, schwärmt er von der soliden Technik der deutschen Wertarbeit, „sogar die Bremsen machen das klaglos mit.“ Fremdgehen lohnte sich nicht, die Abstecher zu BMW und anderen Sportscars ließen ihn kalt. Carson war endgültig auf Porsche-Trip. Als sein Freund mit einem für 150 Dollar ergatterten 914/4 vorbeikam, hatte er ein neues Objekt der Begierde: der Mittelmotor-Porsche mit seinem gänzlich anderen Handling hatte es ihm  angetan. Beide schraubten wie in alten Zeiten an dem lange verkannten Sportwagen herum und irgendwann drückte ihm besagter Freund die Schlüssel in die Hand: „Du hast doch bald Geburtstag, ich schenke ihn dir.“ Solche Freunde wünscht man sich, der Grund für die Großzügigkeit war allerdings jenseits des Atlantiks zu finden: Die Mutter des Freundes hatte ihren Besuch angekündigt. Angesichts des 914 hätte sie wahrscheinlich die Bezüge des Auslandsstudenten gekappt …

Carson hatte Blut geleckt, der 914/4 war cool, als Sechszylinder aber noch cooler. Vor ein paar Jahren fand er einen auf ebay und schlug zu. Natürlich überarbeitete er ihn komplett in Eigenregie. Statt des 1,7-Liters bekam er einen 2-Liter-Motor, frischen Lack – und das wars.  Patina muss sein. Die Freude an Porsche zeigt sich mittlerweile noch in einem 964 Carrera 4, den er als echten Racer schätzt und einem schönen Speedster, den Carson trotz des kontinuierlich steigenden Werts unbekümmert fährt. „Ich fahre alle meine Autos, egal, welches Wetter. Meist entscheide ich ganz spontan, welcher es sein soll“, grinst er und zeigt das fünfte Pferd im Stall, einen Beck 904 Replika, eine customizte Hommage an den unbezahlbaren originalen 904. Obwohl die fünf überwiegend ungenutzt in der kalifornischen Garage stehen, während Carson seinem Job als Manager im Luxusuhrensegment in Hongkong nachgeht: Bei seinen Stippvisiten werden sie bewegt, und alle springen sofort an, als ob sie wüssten, dass der Meister nur kurz da ist. „Irgendwann kommen ich mit meiner Familie zurück“, blickt Carson in die Zukunft, „so lange haben sie Schonfrist.“ Wenn ihm bis dann allerdings ein 356 oder 959 über den Weg läuft, würde er sich schmerzlos trennen. Zeit für Träume bleibt halt immer …

 

Autor: Marion Kattler-Vetter – Fotograf: Nico Paflitschek
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