Schiffe im Hafen…

Ein 1975er Chrysler Cordoba im Hamburger Indian Summer

Es gibt sonne Schiffe und solche Schiffe

Es gibt sonne Schiffe und solche Schiffe

Hamburg ist tatsächlich etwas anders als die meisten anderen deutschen Millionenstädte. Das mag an der Reeperbahn liegen, an der neuen schicki micki Hafencity oder dem Millionengrab Elbphilharmonie – vor allem aber an den Möglichkeiten, aus dem ich-kann-es-nicht-mehr-hören-Vorschlag “Lass uns doch die Bilder vom Auto im Hafen schießen” immer wieder neue Kulissen herauszuziehen! So geschehen in den letzten Sonnentagen dieses Sommers, der ja irgendwie keiner war. Ein cooler netter Typ, ein seltenes Auto und ein Nachmittag zwischen Containern und Blechdosen!

Was da wohl mal draus wird?

Was da wohl mal draus wird?

Der Artikel ist kurzfristig geplant worden. Alex, der Besitzer des 1975er Chrysler Cordobas wohnt in Hamburg (gut), der Chrysler passt prima in unser Portfolio (gut), Alex hat Urlaub (gut) und das Wetter an diesem Oktobertag ist besser als an jedem einzelnen Tag im August gut). Also – Fotos, Fotos, Fotos. Treffen an der Oldtimertankstellle Brandshof (aber hier nicht schon wieder Fotos, das war auch schon zu oft) und sein Vorschlag, verschiedene Locations im Hafen aufzusuchen. Oh nein. Auch das reißt mich nicht vom Hocker, auch das haben wir schon echt oft gemacht. Klasse, die Elbphilharmonie im Hintergrund, der alte Elbtunnel, die Ladekräne… aber wollen wir nicht mal neue Kulissen nehmen? Nun? Alex beruhigt mich, er kenne da ein paar super Plätze, die ich garantiert noch nicht gesehen habe. Also los.

Staplerfahrer sind unsere Freunde!

Staplerfahrer sind unsere Freunde!

Während ich mir als Beifahrer noch Gedanken darüber mache, ob das Ende der Motorhaube bei Nebel mit Sichtweiten unter 50 Metern überhaupt noch wahrzunehmen ist flucht Alex leise vor sich hin. Die Lagerhalle, die er als grandioses Motiv auserkoren hatte, ist dem Erdboden gleich gemacht worden. Hamburg wächst. Wir wenden den Cordoba auf einem Recyclinghof und nehmen aus dem Augenwinkel große Quader mit gepressten und funkelnden Dosen wahr… Das wäre doch was? Ha! Brummelig verscheucht von einem polnischen Trucker flüchte ich ins Büro der Freifläche, besteche den Chef mit ein paar Magazinen der neuen TRÄUME WAGEN und komme mit einer orangen Warnweste wieder raus – unsere offizielle Eintrittskarte zum Kai und den dort lagernden Kulissen-Schätzen.

Hoch hinaus

Hoch hinaus

Sofort zieht das wahrhaft nicht unauffällige Auto alle Staplerfahrer nahezu magnetisch an, und einer von ihnen fühlt sich berufen, uns Absolution zu erteilen und strahlend bei uns zu bleiben. Freundlich erteilt er Auskunft über Herkunft und Ziel der hier gelagerten Weißblechschätze, und aus dem Off kommen immer wieder die lustigen Rufe der anderen Arbeiter: “Ey passt aber auf dass die euren Ami nicht auch noch pressen hahaha!“. Was aber Frevel wäre, der ist nämlich schon 37 Jahre alt und noch immer unrestauriert rostfrei unterwegs! Also lassen wir die cremeweiße Schönheit vor den gescheiterten Getränkebehältern posieren und packen den Besitzer gleich noch oben drauf!

Jede Menge Blech

Jede Menge Blech

Einige dunkle Wolken am Horizont geben einen guten Kontrast zu der durchbrechenden Sonne, die im Chrom des Boliden und in den Dosenwürfeln funkelt. Was für eine coole Location, zumal der Chrysler alles andere als Altblech ist. Aber darüber lesen Sie später noch mehr, ich muss jetzt dem Alex erstmal wieder aus den luftigen Höhen herunterhelfen, ohne dass er sich die Klamotten zerschneidet. Unser staplerfahrender Freund ist auf solche Fälle vorbereitet und reicht Arbeitshandschuhe. Perfekt.

Entgegenkommen wird belohnt

Entgegenkommen wird belohnt

Für seine Freundlichkeit und seine Hilfe bekommt der Meister des Recyclingterminals auch umgehend die neue Ausgabe der TRÄUME WAGEN, es ist ja immer gut, ein paar dabei zu haben! Wir lassen das weiße Ungetüm aus Californien noch an einigen Palettenstapeln und riesengroßen Containern vorbeiknurren, solange die Sonne hier im Norden in einem sogenannten Indian Summer wie irre vom Himmel strahlt. In der Ferne liegen noch andere Schiffe, sie wirken neben dem 5,5 Meter langen Coupé fast klein.

Man zeigt was man hat

Man zeigt was man hat

Ich mag die sexy Arbeitsweste gar nicht wieder her geben. Mit ihr fühlt man sich zugehörig, akzeptiert, berechtigt. Zumindest hier im Hafen. Das ist ein schönes Gefühl, aber irgendwann sind wir leider durch mit den Bildern, und auch der Kaffeedurst ist nicht groß genug, um noch länger zu bleiben. Wir verabschieden uns beim Hafenmeister, legen noch ein Magazin auf den Tisch, geben die Weste zurück und müssen uns erneut durch eine kleine Menschentraube rund um den Chrysler herum durchwühlen. Was der denn verbrauche, was das denn überhaupt sei und ob der noch unrestauriert sei? fragt man uns.

Stahlharte Jungs vor stahlhartem Stahl

Stahlharte Jungs vor stahlhartem Stahl

Tja. Diese und viele andere Fragen werden in der TRÄUME WAGEN 13/2012 beantwortet, die im Dezember in die Läden kommt. Merken Sie sich die Ausgabe schon mal vor, so viel Metall haben Sie vermutlich noch nie auf einem Haufen gesehen. Wir gluggern mit mehr Grundfläche als so manches WG-Zimmer derweil vom Hafen zurück in die Stadt. Haben Sie dieses Modell schon einmal in Deutschland gesehen? Selten ist noch geschmeichelt. Und Alex, der sein Auto eigentlich verkaufen wollte ich auch geheilt. Er behält ihn. Alles wird gut.

3 Gedanken zu “Schiffe im Hafen…

  1. Hey Jens,

    ein klasse Hintergrund. Hafen einmal anders. Wolltet ihr dem Chrysler einmal zeigen, was aus Autos werden kann? Das Thema Blech mal ganz neu aufgerollt, interessante Sichtweise 😉

    • Hallo Bronx,

      na ja, eigentlich wollten wir den DOSEN mal zeigen, was man so aus ihnen machen kann. Heutzutage. Der Cordoba ist ja noch vom alten Schlag, da könntest du den Jahresbedarf an Dosen für einen ganzen Staat draus machen. Aber wer will das schon?

      Jens

  2. Moin,
    schönes Auto. Den habe ich ‘mal in der Hamburger Innenstadt gesehen und 4 von 5 Konsumjüngern haben sich nach ihm umgedreht. Das dürfe sicher an der edlen Front mit den getunnelten Scheinwerfern am Ende der oben zitierten Motorhaube liegen: schon schön. Der Cordoba wurde 1975 übrigens allen Ernstes mit “the small Chrysler” beworben – den Amis ging es damals also richtig dreckig, wenn sie so kleine Autos fahren mussten. Freue mich auf den Bericht und Gruß.

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