65 Jahre Land Rover – Überlebende im Landy-Land

Passend zum Geburtstag der Offroad-Legende schauen wir uns am Ort mit der weltweit größten Land-Rover-Dichte um: Cameron Highlands, Malaysia. Hier scheint jedes zweite schrottreife Auto ein Land Rover zu sein, als er noch nicht Defender hieß

Glücklich, wer ein großes „CH“ auf der Seite stehen hat. Nein, das hat nichts mit der Schweiz zu tun, sondern bedeutet „Cameron Highlands“ und befreit von fast allen Sorgen, die ein zivilisierter Autofahrer mit seinem Vehikel normalerweise so hat.

Denn das „CH“ ist nichts anderes als ein Freifahrtschein für rollenden Schrott.

Stolzer Hersteller-Nachweis

Das der hier zu 90 Prozent aus Land Rover besteht, ist die Schuld von Engländern.

Wir schreiben in Rätseln? Sorry, aber uns hat dieses Stück Landy-Land voll vereinnahmt. „Das hier,“ sagt Land-Rover-Experience-Chef Dag Rogge, und der muss es wissen, „ist das Fleckchen Erde mit der höchsten Dichte an Land Rover.“ Das heißt: schätzungsweise 7.000 Stück auf einer Fläche von 712 Quadratkilometern.

Was hier herumfährt, hat allerdings oft nur noch die Form und das Logo des ehrwürdigen britischen Herstellers. Unter dem meist völlig verknautschten Blech stänkern inzwischen oft alte Nissan-Dieselmotoren, die Getriebe sind zum Beispiel von Proton, die Lenkräder von Toyota, die Achsen aus irgendwelchen Pick-ups. Und kein Mensch außer dem Besitzer kümmert sich darum, ob das Flickwerk noch verkehrssicher ist: Das CH schützt vor Verfolgung. Dafür darf das Auto auch ausschließlich in den Cameron Highlands bewegt werden.

For sale: Fährt prima, kaum Rost

Mal eben das CH übersprüht – na und?

Die liegen im Sultanat Pahang, etwa 200 Kilometer nördlich der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Sie wurden benannt nach William Cameron, einem Landvermesser der britischen Kolonialregierung, die von 1826 an hier herrschte über die damaligen „Straits Settlements“. Der Mann entdeckte das Gebiet 1885 bei einer Kartografierungsexpedition.

Hier werden heutzutage Erdbeeren, Rosen, grüner Spargel und vor allem Tee angepflanzt. Und das alles will transportiert werden. Dafür sind natürlich bestens die robusten Lastesel aus Solihull geeignet, die die Briten nach der Entlassung der diversen Staaten und Sultanate in die Unabhängigkeit 1957 den Malayen überließen. Der Staat Malaysia wurde erst 1963 gegründet – und manchmal, wie hier, auf den Achsen der Landys, die seitdem noch immer ins Land kommen.

Das Gestrüpp ist übrigens Ladung und nicht auf der Ladefläche natürlich
gewachsen

Die Städte und Dörfer in CH klingen genauso, wie die Landys aussehen: Tanah Rata, Ringlet oder Bringchan. Der Boden hier ist fruchtbar, reich sind die Menschen deswegen trotzdem nicht. Viele könnten sich einfach kein Automobil leisten, um die Ernte auf manchmal abenteuerlichen Dschungelpfaden zu den örtlichen Märkten zu bringen – so senkte die Bezirksregierung die Kfz-Steuer für die automobilen Lastesel auf magere zehn Prozent.

1971 wurde die dritte Serie eingeführt, und bis der Wagen den Namen Defender bekam, sollten noch weitere 19 Jahre vergehen.

Die meisten Kisten sind mehr als 50 Jahre alt – zu einem früheren Zeitpunkt, nämlich 1957, erhielt der Land Rover erstmals einen Dieselmotor. Das technisch einfache und robuste Auto hatte der Waliser Rover-Chefingenieur Maurice Wilks 1948 erfunden, als er einen „Rover fürs Land“ als Ersatz für seinen die Feldarbeit erledigenden Willys Jeep suchte. 1950 konnte erstmals beim Land Rover der Allradantrieb dazugeschaltet werden, bereits 1959 waren 250.000 Stück gebaut worden. 1961 erschien die Serie IIA, und bereits fünf Jahre später feierte man den 500.000sten Land Rover.

Hochbau kommt vor dem Fall

Noch heute werden Landys in Malaysia montiert, was enorme Import- und Luxussteuern spart. Neu soll so ein bereifter Arbeiter umgerechnet rund 25.000 Euro kosten, der Import etwa das Zehnfache.

Offizielle Reparaturwerkstätten existieren allerdings in den Cameron Highlands nicht. Entweder basteln die Bauern selbst oder sie geben ihren wertvollen Schrott an Schrauber am Straßenrand. So einige verrottende Exemplare zeugen von der Sinnlosigkeit solchen Tuns, vielleicht ist das von Ranken überwucherte Altmetall, dass überall herumsteht, aber auch wirklich nur an Altersschwäche verreckt.

Leerfahrt: Seltener Anblick

Gitter fürs Gepäck

CH übermalt

Alter LR-Konkurrent

Bis heute sind insgesamt mehr als zwei Millionen Stück des Ur-Landys in seinen verschiedenen Variationen wie diversen Motoren, Radständen und Aufbauten verkauft worden, und Experte Dag Rogge schätzt, dass noch rund 75 Prozent von ihnen fahrtüchtig sind.

Wenn man einen Ort wie die Cameron Highlands sieht, hat man keine Probleme, das zu glauben …

Technische Daten

Land Rover Serie IIA 88 – 109 1-ton Pick-up
Baujahr: 1961 – 1971
Motor: Sechszylinder-Benziner/Vierzylinder-Diesel
Hubraum: 2.625 ccm/2.286 ccm
Leistung: 83 PS/62 PS
Max. Drehmoment: 1 72 Nm/140 Nm
Getriebe: Viergang-Handschalter, Verteilergetriebe
Antrieb: Hinterräder mit zuschaltbaren Vorderrädern
Länge/Breite/Höhe: 3.620-4.450/1.630/1.970-2.050 mm
Gewicht: 1.402-1.760 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: k.A.
Top-Speed: k.A.
Preis: k.A.

 

Jaguar Taste & Race

Wie wir in die Highlands gekommen sind? Mit dem neuen Drivestyle-Wettbewerb von Jaguar

Der Konvoi, der da durch Malaysia zog, war selbst für hart gesottene Malayen ein ungewöhnlicher Anblick: Rund zehn Jaguar – vom XF-R bis zum offenen XKR-S – mit deutschem Kennzeichen auf dem Weg kreuz und quer durch das asiatische Land…

Grund ist ein neuer Wettbewerb des britischen Herstellers in indischer Hand: „Taste & Race“. Dabei kann sich jeder Interessierte in diversen lokalen Wettbewerben deutschlandweit durch richtiges Schmecken und Riechen von Gaumenfreuden und durch geschicktes Pilotieren eines Jaguar durch Pylonen für die Endausscheidung qualifizieren. Die sechs besten dieses Treffens dürfen reisen – in diesem Falle nach Malaysia zum Kochkurs mit Johann Lafer in Kuala Lumpur und zum Lizenz-Rennlehrgang mit Christian Danner auf der Rennstrecke Sepang. Und natürlich auch für ein paar Ausflüge – wie Port Dickson zum Grillen oder in die Cameron Highlands zur Teeplantage. Wo wir rein zufällig auf die Landys trafen…

„Geschmack & Tempo“ wird fortgeführt: In diversen deutschen Orten werden wieder Aufgaben wie „fünf verschiedene Bitter-Schokoladen aufsteigend nach dem Kakaogehalt sortieren“ oder „Kräuter erraten“ gestellt, aber auch fahrerisch wie einen Pylonenrundkurs auf Zeit fahren oder „Zielbremsen“ etwa verlangt. Die Reise der Sieger findet dann 2015 statt. Ob es allerdings wieder Malaysia sein wird oder ein anderes exotisches Ziel, ist noch nicht entschieden.

Fotos: G. Muschalla/Jaguar, Löwisch

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