Zu Eleanor nach Vegas – Hotel der Klassiker

Den „weltgrößten Oldtimer-Showroom“ will das 2.600-Betten-Hotel „The Quad Casino & Resort“ in Las Vegas bieten. Das ist zwar sehr vollmundig, aber in der vierten Etage stehen immerhin rund 150 Klassiker. Die meisten sind käuflich. Glanzstück der Sammlung: Ein originaler Eleanor-Mustang, mit dem Nicholas Cage durch den Film „Gone in 60 Seconds“ düste

Rob Williams kann es selber noch gar nicht begreifen. Der Chefmanager des kombinierten Oldtimer-Händlers und Museums „The Auto Collections“ in der vierten Etage des Hotels „The Quad Casino & Resort“ in Las Vegas erzählt die Geschichte immer wieder gerne: „Es ist der populärste Wagen von vielen tausend Autos, die wir in den vergangenen 30 Jahren hier beherbergten. Wir hatten bereits 100 Duesenberg, davon viele wichtige Rennwagen, jeder heute 20 bis 30 Millionen Dollar Wert. Aber ‚Eleanor’ macht sie in Sachen Aufmerksamkeit alle platt…“

Man braucht eben einen berühmten Fastback-Mustang, um so richtig einen auf dicke Hose machen zu können. Wie „The Quad“ mit dem Film-Ford: Der Wagen ist eines von drei so genannten „Hero-Cars“ aus dem Film – sie wurden besonders bei „Close-Ups“ benutzt. In diesem Exemplar saß Cage die meiste Zeit tatsächlich selber und fuhr.

Zu Eleanor nach Vegas

Damit lohnt sich ein Besuch der Spielerstadt erst recht. Aber Vorsicht: Man sollte lieber nicht mit dem Ziel reisen, als Klassiker-Fan den zum Greifen nahen Traum vom hochwertigen Oldtimer durch die Glücksspielautomaten in den Katakomben des „The Quad Casino & Resort“ am Las-Vegas-Strip zu finanzieren. Man kann hier an vielen Einarmigen Banditen, Black-Jack-Tischen und Roulette-Stationen sein Geld vervielfachen, man kann aber – und das ist eher die Regel – auch alles verlieren. Das Gemeine daran: Wer in der Spielerstadt zu dem Blechparadies für Vintage Cars strebt, muss zwangsweise durch 11.000 Quadratmeter Spielhölle.

Rund 150 Klassiker stehen hier, die meisten sind tatsächlich käuflich. „Im Durchschnitt verlässt ein verkauftes Auto pro Tag das Hotel,“ sagt Williams, Allerdings ist er zurzeit nicht gerade happy. Denn momentan finden nicht viele Besucher in sein Reich. Das liegt hauptsächlich daran, dass mal wieder umgebaut wird. Ständig werden neue Flügel und Türme an den 2.640-Betten-Komplex angebaut, von außen sieht das Hotel weder einladend noch offen aus. „Wir haben normalerweise gut 1.000 Besucher am Tag,“ sagt Williams, „jetzt sind es nur etwa 300.“ Und die finden den Weg nur durch „try and error“: Nach dem Haupteingang des Hotels immer links halten, durch das Casino, einen Gang mit kleinen Shops entlang, ein paar Stufen hoch, rechts den Lift nehmen, im vierten Stock aussteigen.

Andere finden erst gar nicht das Hotel – denn es hieß bis September 2012 „Imperial Palace“ – die dritte Namensänderung in der Geschichte des 1959 gebauten Hotels. Einst gehörte es auch mal dem autoverrückten Bauunternehmer Ralph Engelstad, der die Auto-Etage begründete. „Engelstad besaß rund 1000 Autos,“ erzählt Williams, „und dann kam er auf die Idee, ein paar davon in seinem Hotel auszustellen.“

Aus „ein paar“ wurden rund 150 Stück – das Museum war geboren. Heute gehören die Autos Don Williams und Ritchie Klein, die auch die Besitzer der berühmten Blackhawk-Collection in San Francisco sind. Höchst geschäftstüchtig haben sie die Hoteletage aber nicht nur als Museum eingerichtet, sondern gleich als Handelsstandort für Klassiker.

Wer eine Ordnung im Händler-Museum sucht, wird enttäuscht: „Es gibt keinen Plan,“ gibt Rob Williams offen zu. Ausgestellt wird, was gefällt. „Wir achten allerdings darauf, dass auch eine Anzahl europäischer Autos dabei sind für die Besucher aus der Alten Welt. Deshalb stehen hier auch Rallyeautos, mit denen Amerikaner nicht viel anfangen können.“ Normalerweise gibt es keine Ballung von Modellen einer bestimmten Marke, zufällig aber jetzt: Rund 40 Rolls-Royce sorgen für ein gewisses Übergewicht.

Kein Ort für Arme

Allerdings sind da ein paar ganz feine Exemplare dabei. Wie das Rolls-Royce Silver Cloud I James Young Sedanca Coupé von 1958, eines von nur zwei gebauten. Oder der 1925er Rolls-Royce Phantom I Barker Torpedo Tourer, das „Tiger Car“ des Maharadscha von Kotah mit der Vollausstattung für die Jagd auf bengalische Tiger. Interessant, wenn auch nicht wirklich schön, das Rolls-Royce Phantom VI Frua Cabriolet von 1977, im Museum wunderbar flankiert von zwei zwischen Münzen picknickenden Puppen. Frua nahm sich des Autos 1977 an, starb aber, bevor er sein Werk vollenden konnte. Im Laufe der Zeit machten sich diverse Karosseriebauer an die Arbeit, erst 20 Jahre nach dem Start beendete Royle Cars in England die Arbeit. Der Preis des 6,45 Meter langen viertürigen Cabrios wird mit dem Besitzer persönlich verhandelt.

Überhaupt, diese Rolls-Royce-Karossiers: Auch Vignale verging sich an einem Original. Der 1954 Silver Wraith Vignale Saloon ist ein Einzelstück, und böse Zungen behaupten, das wäre gut so. Auftraggeber Joseph Maschuch aus New York ließ den Wagen mit Bar, Fernsehen, Becker-Mexico-Radio und Toilette unter einem der Rücksitze bauen – letztere soll allerdings nur zur Kühlung des Champagners benutzt worden sein. Preis für so viel Eigenwilligkeit: 450.000,- Dollar. Dagegen günstige 300.000,- Dollar müssen bastelfreudige Käufer aufbringen, die eine 61er Phantom-V-Chapron-Limousine mitnehmen wollen. Der Vorbesitzer gab den Wagen vor 15 Jahren zum Restaurator, überwarf sich mit jenem und bekam den Wagen in Einzelteilen zurück. Er ist zu 90 Prozent komplettiert, der Rest wäre in Eigenarbeit möglich. Immerhin sind alle Teile fertig restauriert.

Geschmack ist auch, wenn man keinen hat: Fragwürdigkeiten wie der verhunzte Brite und der Mahnmal-Ami machen die Sammlung erst recht interessant

Aber auch einige der Vorkriegsautos sind recht wertvoll. Ganz vorne dabei ist der 1919 Pierce Arrow Modell 66 A-4 Tourer, bearbeitet von Don Lee Coach & Bodyworks in Los Angeles. Erstbesitzer war Stummfilm-Comedian Roscoe „Fatty“ Arbuckle, der damals bestbezahlte TV-Star mit drei Millionen Dollar für einen Dreijahresvertrag. Er zahlte 32.000,- Dollar für das große Luxusauto, das der junge Harley Earl designte, der später selbst eine Designikone werden sollte. Allein das Kühlsystem des Autos fasst 75 Liter Wasser, das Vierganggetriebe ist selten zu dieser Zeit. Preis: auf Anfrage. Allerdings sollte man wissen, dass die jetzigen Besitzer das Auto auf der Barrett-Jackson Auktion in Scottsdale für 1,1 Millionen Dollar ersteigert haben…

Ein 1931er Duesenberg J Holbrook Sedan ist für 475.000,- Dollar zu haben, der 39er Packard 1707 V-12 Convertible Victoria (mit der auffälligen Radioantenne in der Kühlerfigur „Cormorant Mascot“) geht nicht unter 400.000,- Dollar weg. Billiger schon das Ford V8 Convertible für 115.000,- Bucks. Noch günstiger? Zum Beispiel 75.000,- Dollar für den 1940er Oldsmobile Serie 90 Touring Sedan, das erste GM-Modell mit Automatikgetriebe.

Flanieren ohne Hektik: Zurzeit wird die Hotelsammlung wegen Umbauarbeiten nur wenig besucht

Und weil die Amerikaner wie wild auf Autos Prominenter stehen, gibt es davon auch einige zu sehen: ein 1939er Chrysler Royale Sedan gehörte dem „King of Late Night“ Johnny Carson (unverkäuflich). Der 54er Alfa Romeo 1900 SS Ghia Coupé wurde von Thunderbird-Designer George Walker gelenkt (nur 20 Stück gebaut, 350.000,- Dollar), Elvis Presleys 1977er Lincoln Continental Mark V ist unverkäuflich, der 1939er Lincoln Zephyr von Metallica-Sänger James Hetfield soll schlappe 35.500,- Dollar bringen, der 54er Cadillac Fleetwood stand Marylin Monroe während der Dreharbeiten von „Bus Stop“ zur Verfügung und Bing Crosby fuhr damit zur Jagd (63.750 Meilen gefahren, 75.000,- Dollar). Für 275.000,- Dollar kann man den McFarlan Model 145 TV-Six 7-Passenger Touring einpacken: Das mächtige Auto gehörte einst Schwergewichts-Boxchampion Jack Dempsey.

 

Traumort Vegas

Natürlich gibt es auch Massenware – Chevy Corvette Roadster von 1964 (115.000,- Dollar), 1940er Ford V8 Convertible (115.000,- Dollar), 57er Chevy Bel Air Custom für 60.000,- Dollar, Ford Thunderbird für 87.500,- Dollar, 71er Pontiac GTO für 42.500,- Dollar. Dagegen stehen kleine Juwelen wie der 1951er Mercury Barris Custom „The Rose“, von Sam Barris gemacht, für 185.000,- Dollar. Oder der 1948 Cadillac Series 62 Saoutchik 3-Position Convertible Coupé, eines von nur zwei gebauten Exemplaren. Die designte Jaques Saoutchik, der normalerweise Delahaye einkleidete, nach dem Krieg – eines für den Filmstar Dolores Del Rio, diesen hier für Paul Kassoff. Den Preis muss man allerdings erfragen. Ein echtes Schnäppchen ist dagegen ein gar nicht so schlecht aussehender Scheunenfund namens Willys Jeepster aus dem Jahr 1950. Den kann man für 12.500,- Dollar mitnehmen. Williams: „Der fährt, wie alle unsere Autos. Nur bei den Rennwagen würde ich den Zündschlüssel nicht umdrehen…“

Damit meint er zum Beispiel den Ford RS200 Evolution von 1986, ein 600 PS-Bolide, von dem nur 24 Stück gebaut wurden (unverkäuflich), sowie den 1983er Lancia LC-2 Martini, Chassis 001. Dank des von Abarth getuntem Ferrari-V8 (720 PS) gewann der Rennwagen 1983 die Endurance-Weltmeisterschaft.

Die Auswahl an europäischen Straßenautos erscheint sehr willkürlich. Noch nachvollziehbar ist der Bentley S1 Freestone & Webb Saloon von 1955, der einst Hollywood-Produzent Jack Warner gehörte – zu haben für 350.000,- Dollar. Natürlich gibt es einen MGA 1600 Deluxe Roadster für 85.000,- Dollar, der Lamborghini Espada Series II ist ebenso unverkäuflich wie der Jaguar XJ220 mit erst 735 Meilen auf der Uhr und der Maserati 3500 GT Frua Spyder. Billiger wird es mit einem Ferrari 308 GTS von 1978 für 35.500,- Dollar, kurioser mit einem 57er Panhard Dyna Z für 29.500,- Dollar. Den 68er Peugeot 204 gibt es für 27.000,- Dollar. Bestes Argument: nur 607 Kilometer gelaufen. Und selbst ein erst 1.826 Meilen gelaufener Yugo GV Sport ist im Angebot. Das einst 3.990,- Dollar teure Auto kostet jetzt immerhin 12.500,- Dollar.

Auch die Deutschen sind vertreten – hauptsächlich mit VW. Zum Beispiel ein 79er Käfer Cabrio für 29.500,- Dollar, immerhin ist auch noch ein Ford Taunus 12M zu finden, für 40.000,- Dollar. Ein Schmuckstück ist der 57er Käfer, der von 42 Show-Events 41 gewann. Der gehörte einst Ralph Engelstad höchstselbst und ist heute unverkäuflich. Ein 500.000 Meilen gefahrener 1302 (unverkäuflich) ist genauso zu bestaunen wie ein VW Bus als Doppeltür-Camper, den man für 85.000,- Dollar mitnehmen kann. Ein Porsche komplettiert die germanische Seite: Das 66er 911 S Coupé, ein in der schwedischen Meisterschaft gelaufener Straßenrennwagen, soll stolze 170.000,- Dollar bringen. So viel Klasse kann nur noch von Exklusivität getoppt werden, als da wären ein voll funktionsfähiger Ahrens-Fox Fire Truck von 1923 (150.000,- Dollar) und ein chinesischer Hong-Qi CA-110 „Rote Fahne“. Den Klassenfeind gibt Williams allerdings nicht her… Und natürlich von Eleanor.

Fotos: Roland Löwisch

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