Ford V8 DeLuxe Cabrio Hot Rod 1933 – Offen für Subkultur

TRÄUME-WAGEN-Leser Joachim Marganetz ist vielleicht nicht der typische Hot-Rod-Fahrer, aber er wusste schon lange, dass er einen braucht. Jetzt bollert er mit seinem Ford V8 Deluxe Cabrio durch Lübeck und erregt mehr Aufmerksamkeit, als ihm lieb ist

Manchmal ist ihm das zuviel. Nein, nicht der Sound – davon kann Joachim Marganetz nicht genug bekommen. Dieses typische V8-Bollern, erzeugt von einem 6.6-Liter-Chevy-Small-Block, der 1974 ursprünglich unter der Haube eines Chevrolet El Camino seine Arbeit aufnahm – herrlich. Auch nicht die 256 PS, die mit den 1.500 mobilen Kilos keine Mühe haben. Aber diese Passanten – „Früher gab es das nicht, dass alle ihre Handys zückten und Fotos machten. Aber heute – ich sag Ihnen: aaaaaaaandauernd…“

Aber damit muss der 67jährige wohl rechnen, wenn er mit seinem Ford V8 DeLuxe Hot Rod durch die nördlichste Hansestadt Deutschlands cruist. Der Rahmen von 1933, deshalb auch als Oldtimer anerkannt, das Blech der Karosserie dürfte auch alt sein, der Rest ist jünger oder jung – Marganetz’ Hot Rod ist ein interessanter Mix aus Vorzeittechnik, Nostalgie, Art Deco und Komfort.

Das bedarf der Erklärung. Wie zum Beispiel der, dass Marganetz kein Schrauber ist, der an jedem Gewinde entlangtaucht. Der ehemalige Dekorateur und Raumausstatter ist jemand, den vor rund acht Jahren der Anblick einer inserierten Hot-Rod-Karosserie geflasht hat, auch wenn er zuerst eine Ur-Corvette haben wollte. „Aber da hab ich einfach nicht reingepasst,“ sagt der 1,93-Meter-Mann bedauernd. „Ab dem Zeitpunkt wollte ich wenigstens einen Hot Rod haben,“ erzählt er. „Aber nur mit schrägem Kühlergrill – die Autos mit dem geraden Grill waren noch nie mein Ding.“

Kurz darauf informierte er HotRodOve Kröger in Reinfeld von seinem Vorhaben – er möge doch bitte die Augen offen halten. Immer mal wieder schaute Marganetz bei dem US-Car-Spezi vorbei, bis er – vor vier Jahren ­ein Auto in dessen Garage entdeckte, das seinen Vorstellungen ziemlich entsprach: Ein Hot Rod auf Basis eines Ford V8 Cabrio Modell 40 von 1933. „An eine offene Version hatte ich noch gar nicht gedacht – aber das war kein Grund, den Wagen nicht zu nehmen.“ Einen Tag später wäre das gute Stück in den unendlichen Wäldern Schwedens verschwunden.

Von der Historie des gelben Hot Rod weiß Marganetz nur wenig. Sicher ist: Es stammt aus Philadelphia. Und ebenso sicher ist: Ford-Chefdesigner Edsel Ford führte 1933 bei der V8-Serie das „Streamline“-Design ein, was neben einer längeren Motorhaube und längeren Kotflügeln auch einen eher schrägen Grill beinhaltete. Das Modell 40 hockte auf einem X-Rahmen, die Türen waren nur noch beim Cabrio hinten angeschlagen, die anderen Varianten wie zum Beispiel das Coupé besaßen bereits vorne angeschlagene Türen. Unter der Haube saß ein 75 PS starker, nach wie vor namensgebender V8.

Jetzt arbeitet hier die moderne El-Camino-Maschine, einst 175 PS stark. Die Vorderachse samt Scheibenbremsen spendete ein Ford Mustang II von 1974, hinten die Mustang-I-Achse mit Trommelbremsen aus dem Jahr 1965. Neu sind Klimaanlage, Heizung und ein modernes Radio, und die elektrische Türöffnung ist eine Show: Ein Druck auf die Fernbedienung, schon springen die Türen auf – ebenso die Heckklappe. Das ermöglicht die Vermeidung von Griffen außen, die pure Form wird gewahrt.

Marganetz schaut auf gut ablesbare VDO-Rundinstrumente (der TÜV hat eine aufgemalte km/h-Skalierung auf dem Meilentacho verlangt…) und ein Lenkrad, das aufgrund der Reflektionen bei geöffnetem Dach einem die Iris aus den Augen brennt, wenn die Sonne von oben draufscheint. Die Schächte für Beine und Füße sind schmaler als das Portemonnaie nach dem Tanken, dafür sorgen vorne 195er-Reifen auf American-Racing-Felgen für ordentlichen Straßenkontakt, hinten sind es gar fette 255er-Walzen.

Fast so hat Marganetz das Auto gekauft. Er griff nur wenig ein, um es noch ein bisschen zu individualisieren: Er klebte dunkle Folie auf die Trittbretter, baute Holzklötze für die Katzenaugen („Der TÜV schrieb vor, dass die Strahler im 90-Grad-Winkel zur Straße stehen müssen und schlug vor, sie unter der Karosserie anzubringen. Das gefiel mir aber nicht.“) Und schließlich schnitt er Löcher in die Motorhaube, die zunächst geschlossen war: „Damit man den Motor auch von außen sieht.“

Heute klemmt er sich nur bei Trockenheit hinters Steuer des hellgelben Unikats – der Platz am Volant auf der Sitzbank ist für ihn auch im Hot Rod knapp, aber gerade noch ausreichend. Er lauscht den Verbrennungen des Achtzylinders, genießt sie manchmal in den teilweise engen Gassen Lübecks, aber er übertreibt es nie, so dass sich niemand gestört fühlt. „Ich hatte bislang vier Jahre Spaß – das ist mit Geld gar nicht zu bezahlen,“ sagt Marganetz mit einem breiten Grinsen. Ein Trucker ruft aus seinem Laster „Geile Karre!“, der Fotograf Andrè Ganzer – der gerade mit seinem Chrysler 300 von ’69 durch die Gegend cruist – bleibt stehen und redet etwas Benzin, an roten Ampeln zücken die Massen von Touristen, die mit Marzipangesichtern die Stadt durchstreifen, ihre Handys, um Fotos von gelebter Subkultur zu machen.

Manchmal – ganz selten – wird Marganetz die öffentliche Aufmerksamkeit wirklich zu viel. Dann stellt er den Ford in die Garage und steigt um auf seine Harley-Davidson Iron…

Ford V8 DeLuxe Cabrio

Baujahr: 1933
Motor: V8
Hubraum: 6.600 ccm
Leistung: 188 kW (256 PS) bei 4.400/min
Max. Drehmoment: k.A.
Getriebe: Viergang-Automatik
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 4.110/1.730/1.490 mm
Gewicht: 1.500 kg
Sprint 0-100 km/h: k.A.
Top-Speed: 160 km/h
Wert: ca. 40.000 – 50.000 Euro

Fotos: Roland Löwisch


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