Cosmopolitan – 1965er Buick Riviera von Polo Chevalier

Wenn es sowas wie einen Weltbürger gibt, dann ist es Polo Chevalier. Der Vater Franzose, die Mutter Mexikanerin, Halbbruder und Fast-Mutter Deutsche. Bei letzterer dürften einigen die Ohren klingeln: Schon mal von Nina Hagen gehört …?

Okay. Die Mother of Punk ist nicht Polos Mom. Aber fast. Immerhin hatte die schrille Rockröhre lange vor Polo eine längere Liaison mit Polos Vater, aus der Otis Hagen Chevalier stammt, Polos deutscher Halbbruder. Es gibt Fotos, wo Polo, Otis und Franck gemeinsam in die Kamera performen und man merkt: Die können posen. Der Vater ist ein gefragter Visagist und Fotograf und kann es sowieso. Otis legt Platten auf und kann es auch. Am besten aber kann es Polo. Der Junge ist gerade mal 18 und hat schon eine steile Model-Karriere aufzuweisen. Undies, Shirts, Sportklamotten: Nichts, was der Lockenkopf mit seinem Basketball-gestählten Körper nicht wirksam in Szene setzen kann. Dass er in L.A. großgeworden ist, ist dabei nicht unbedingt hinderlich: Wo sonst ist das Feld der Reichen und Schönen dichter, wo gibt es heißere Catwalks als am Strand von Venice Beach oder im Villenviertel von Beverly Hills?

Die Connections des Vaters, dessen Stylingkünste weltweit gefragt sind, nutzen natürlich auch dem Sohn, der außer der Liebe zum Richtig-in-Szene-setzen noch eine Menge mehr vom Vater übernommen hat. Die Villa zum Beispiel, hoch über Downtown L.A. und, wen wundert´s, ebenfalls mit nicht alltäglicher Geschichte. Das schlichte Anwesen gehörte einst Jimi Hendrix und Polo ist überzeugt, dass der Spirit des begnadeten Rockgitarristen tief in die Mauern eingedrungen ist und immer noch für eine besonders inspirierende Atmosphäre sorgt. Die Nachbarschaft jedenfalls lässt es vermuten: Rockstars, Superstars, Promis satt – sie alle lieben die exklusive Location samt grandiosem Blick über den Canyon.

Was sich in der gepflegten Auffahrt breit macht, ist nicht minder exklusiv: Polo hat von seinem Vater nämlich auch die Liebe zu Autos geerbt. Nicht zu irgendwelchen Autos, sondern zu seltenen Klassikern. Dass er mit seinem 65er Buick Riviera auch noch die gleiche Marke fährt wie der Senior, ist sicher Zufall, immerhin unterscheiden sich die beiden im Baujahr, denn Franckh hat – unter anderem – einen 72er. Polos Beauty ist doppelt so alt wie er selbst, eine nicht gerade alltägliche Konstellation. Vor, bzw. neben dem Buick gab und gibt es noch weitere Klassiker: einen 68er Gran Torino, einen 43er Roadmaster 2-door, auch mal einen Range Rover. Polo fährt, seit er 14 ist, mit 16 fing er an, selbst an den Oldies zu schrauben, was man dem durchgestylten Kerl nicht unbedingt vermacht. Die Achtung steigt, wenn Polo erzählt, dass er sich sein mittlerweile umfangreiches Wissen ganz alleine auf YouTube angeeignet hat, dass er Teile vom Schrott holt und so lange in den Eingeweiden seines Rivieras herumkriecht, bis alles passt.

Dass sein Luxusliner zur ersten Serie der von 1963 bis 1998 Rivieras gehört, macht die Sache nicht einfacher, aber bislang gibt es nichts, was der fanatische Schrauber nicht gefunden hätte. Und der schöne Schwarze ist jede Mühe wert, wie schon Chefdesigner Bill Mitchell seinerzeit ahnte. Der Mann, der auch die rassigen C2 entworfen hatte, war im Segment der Personal Luxury Cars zuhause. Der Riviera wurde als Konkurrent des viersitzigen Ford Thunderbird lanciert und sollte ursprünglich von Cadillac gebaut werden. Aus Kapazitätsgründen ging der Auftrag dann an Buick und sollte als eine Symbiose aus Ferrari und Rolls-Royce auch im europäischen Luxusmarkt Kasse machen. Das hat zwar nicht ganz geklappt, aber das Design des Riviera prägte etliche Folgemodelle vieler Hersteller. Geklebte Windschutz- und Heckscheibe, neuartiges Metallklebeverfahren an der Karosserie und für ein amerikanisches Fahrzeug ungewöhnliche, rahmenlose Türscheiben – das war damals richtungsweisend und wurde mit diversen Designpreisen ausgezeichnet. Motorisiert wurde der 63er Riviera mit dem Buick Nailhead V8 mit 6,6 Liter Hubraum und einem Drehmoment von 603 Nm und 325 PS (240 kW), oder – natürlich auch Polo´s Choice – noch fetter mit dem Siebenliter-V8 mit 630 Nm und 340 PS (250 kW), jeweils mit dem bewährten Zweigang-Dynaflow-Automatikgetriebe.

Das Fünfeinhalb-Meter-Coupé des Jahres 1963 war aus europäischer Sicht gigantisch, allein die Motorhaube misst fast drei Quadratmeter. In den Stataten ist das kein Thema, getreu dem Motto „the bigger, the better“ donnert Polo´s Buick, wohin sein Meister will. Zuverlässig, solide, ein echter Daily Driver. Sie cruisen zusammen zum Strand, machen Trips in die Berge, fahren gemeinsam in Urlaub und tun alles, was man mit so einem Auto eben so macht. Wo immer die beiden auftauchen, steht nicht das Model, sondern der Buick im Rampenlicht, Handys klicken, hochgereckte Daumen und Dauergrinsen zeigen die uneingeschränkte Begeisterung des Publikums. Polo trägts mit Fassung, schließlich hat er den größten Spaß mit dem alten Recken. Ein Kühlergrill wie von Ray-Ban, lässige Linien, gigantische Ausmaße – der Riviera hat die Coolness erfunden. Natürlich säuft er. Natürlich hat er eine schwammige Lenkung. Natürlich trampelt die Starrachse über jede Unebenheit. Aber: Der Riviera ist ein Statement Car mit sehr viel Stil. Und das passt doch wieder zu Polo …

 

Text: Marion Kattler-Vetter, Fotos: Nico Paflitschek

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