CALL 911 – Die etwas andere Kaufberatung

Der Porsche 911 in all seinen Modellvarianten ist eine begehrte Fahrmaschine. Seiner Beliebtheit Rechnung tragend gab es hier deshalb bereits hilfreiche Kaufberatungen. Nun wollen wir uns dem Import und seinen Stolperfallen zuwenden, so dass einem der Anruf bei der US-Polizei (911) erspart bleibt

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Um eines gleich zu Beginn klarzustellen: Die frühen Elfer der 1960er und 1970er Jahre haben bereits preisliche Höhen erklommen, die es für Einsteiger nahezu unmöglich macht, gute Exemplare für überschaubares Geld zu bekommen. Bei den G-Modellen der 1980er Jahre und den späteren Modellen der 1990er und 2000er sieht die Marktlage für diese Klientel besser aus. Der europäische Markt an guten, klassischen Porsche ist allerdings begrenzt. In einer globalisierten Welt ist es daher verständlich, dass Porscheenthusiasten auch mal den Blick auf andere Märkte richten, um dort das Material zu sichten. Doch was gibt es zu beachten?

Übersee-Reimportmärkte

Zum attraktiven Reimport-Markt gehört Japan, eigentlich ein Land mit Rechtsverkehr. Japaner scheinen aber Originalitätsfetischisten zu sein, weshalb man gerade unter den Luxusfahrzeugen viele Linkslenker findet. Die Ausstattung gerade jüngerer Fahrzeuge ist häufig annähernd identisch mit europäischen Fahrzeugen, sieht man mal von den Scheinwerfern ab, deren Lichtkegel in die falsche Richtung leuchtet. Wir stellen allerdings fest, dass das Angebot eher im Bereich aktueller Fahrzeuge und Youngtimern aus der zweiten Hälfte der 1990er Jahre liegt.

Ein Markt, der manchmal durch vermeintlich attraktive Preise bei extravaganter Ausstattung besticht, sind die arabischen Staaten mit Dubai an der Spitze. Das Alter der angebotenen Fahrzeuge tendiert aber stark zu jungen Gebrauchten – also eher nichts für den klassischen Porschefahrer. Es ist jedoch besondere Vorsicht geboten, denn viele Fahrzeuge haben auf Grund der dort vorherrschenden, schlechten Kraftstoffqualität und der dadurch erforderlichen Motormaßnahmen eine deutlich schlechtere Abgasschadstoffklasse, als für die Zulassung in Deutschland 
erforderlich. Diese Fahrzeuge sind häufig nicht, beziehungsweise nur mit großen Umbaumaßnahmen in Deutschland zulassungsfähig.

Bleibt noch als dritter und letzter Markt Nordamerika. Da für die Zulassung von Fahrzeugen in diesen Ländern teilweise deutlich unterschiedliche Vorgaben bestehen, wollen wir hier speziell auf den Import aus den USA eingehen.

Abenteuer Import

Ein Fahrzeug aus den USA zu importieren kann durchaus ein kleines Abenteuer sein. Je nachdem, was sich der Einzelne zutraut, gibt es verschiedene Wege. Der einfachste Weg ist es, in Deutschland ein bereits importiertes und zulassungsfähiges Fahrzeug zu kaufen. Denn Selbstimport bedeutet einen nicht unerheblichen Aufwand. Aus diesem Grund kann diese Variante immer noch günstiger sein, als alles selbst zu machen.

Weniger persönlichen Einsatz erfordert die Variante, eine Serviceagentur zu beauftragen. Es gibt Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, im Auftrag des Kunden Fahrzeuge in den USA zu suchen. Der angebotene Service kann hier von der reinen Suche bis zum Komplettservice inklusive Verzollung, Umrüstung und TÜV-Abnahme vereinbart werden. Gerade wenn man selbst nicht viel Zeit hat, aber ein spezielles Modell sucht, ist diese Variante attraktiv.

Der nächste Schritt in Richtung Eigenabwicklung ist es, in den USA einen sogenannten „Spotter“ zu beauftragen. Spotter haben sich darauf spezialisiert, im Kundenauftrag Fahrzeuge zu besichtigen und den Zustand neutral zu dokumentieren. In der Regel gibt es einen Rahmenvertrag über eine Summe und die darin enthaltenen Fahrzeuge, die besichtigt werden. Die Fahrzeuge müssen Sie dem Spotter in der Regel nennen. Kann man nicht selbst vor Ort sein, geben gute Spotter eine Hilfestellung über den Fahrzeugzustand. Es ist aber, wie immer, Vertrauenssache.

Die dritte und aufwändigste Variante ist es, sich ein Fahrzeug selbst zu suchen und dieses in den USA zu besichtigen, so wie alles selbst ab zu wickeln. Das erfordert vor allem Geduld und Nerven.

Die richtigen Dokumente

Der US-Eigentumsnachweis ist der „Certificate of Title“, auch kurz „Title“ genannt. In Ihm sind Fahrgestellnummer, Modelljahr, amtliches Kennzeichen, Marke des Fahrzeuges und derzeitiger Halter festgehalten. Darüber hinaus gibt es ein Feld, in dem ein Geldgeber festgehalten ist („Lienholder”), der das Fahrzeug unter Umständen beliehen hat. Ist dies der Fall, muss auch dieser die Zustimmung zum Verkauf geben. Bei einem Neufahrzeug gibt es das so genannte „Certificate of Origin“. Die Angaben und das Aussehen ähneln dem des Title, jedoch ohne einen ersten Halter.

Vorsicht ist geboten bei einem sogenannten „Salvage Title“ oder einem entsprechenden Vermerk auf dem Title. Dies bedeutet, dass das Fahrzeug einen finanziellen Totalschaden erlitten hat. Die Gründe können ganz unterschiedlicher Natur sein. So könnte es sein, dass der Wagen unter Wasser stand oder einen Unfall („Collision“) hatte. Fahrzeuge mit einem Salvage Title können nach ordnungsgemäßer Reparatur sowohl in den USA als auch in Deutschland wieder zugelassen werden. Die Finger sollte man vor Fahrzeugen mit „Certificate of Destruction“ lassen. Solche Fahrzeuge dienen ausschließlich als Ersatzteilträger. Fahrzeuge ohne Papiere können auch nicht exportiert werden, also ebenfalls Finger weg.

Wichtig: Beim Kauf immer die Fahrgestellnummer am Fahrzeug mit den Fahrgestellnummern in den Dokumenten vergleichen!

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Wichtiges Fahrzeugdokument: der US-Title Das US-Typenschild gibt Auskunft über Produktionsdatum und US-Gewichte

Das Problem 
Fahrgestellnummer

Bei US-Porsche gibt es ein Phänomen: Vergleicht man die Fahrgestellnummer aus dem Title mit der im Kofferraum eingeschlagenen Nummer, kann es sein, dass sie abweicht. Nun sollte man nicht gleich in Panik geraten. Konzentriert man sich nur auf die letzen acht Stellen, so müssen diese identisch sein. Die Fahrgestellnummer auf dem US-Title findet man auf dem US-Typenschild in der Fahrertüröffnung und auf dem US-Fahrgestellnummernschild links hinter der Windschutzscheibe. Dieses Phänomen erübrigt sich in den 1990er Jahren, dann findet man nur eine einheitliche Nummer am Fahrzeug.

Welche Nummer wird nun in die deutschen Papiere übernommen? Nach der StVZO ist die in der Karosserie eingeschlagene Fahrgestellnummer ausschlaggebend, weshalb diese Nummer in Feld E der Zulassungsbescheinigung eingetragen wird. Erfahrene Sachverständige vermerken die US-Nummer im Feld 22 der Zulassungsbescheinigung, um Ärger vorzubeugen.

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Achtung Besonderheit: Die eingeschlagene FIN kann von der FIN im Title abweichen!
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Muss übereinstimmen: FIN links hinter Windschutzscheibe und FIN im US-Title

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